Herr Blumenthal, was steht bei Ihnen gerade an, in Haus und Garten?

Dieses Jahr endlich einmal nichts. Meine nächsten Projekte müssen bis 2016 warten, ich gehe es ruhiger an. Ich war die letzten fünf Jahre nur am Bauen, ich habe immerzu geschuftet. Natürlich habe ich Pläne. Aber die verrate ich Ihnen nicht. Eins nach dem anderen.

Dann erzählen Sie doch mal von Ihren vergangenen Plänen.

Letzten Sommer habe ich den Stall vergrössert, Melkroboter montiert, und in den kommenden Monaten kommen ein paar neue Produkte von meinem Hof auf den Markt. Und natürlich ist da noch meine dritte Tochter, die im April zwei Jahre alt wird.

Und Sie haben sich ein Haus gebaut, vor vier Jahren. Und einen Garten.

Ja, eine grosse Herausforderung! Ich war jeden Tag auf dem Bau, habe betoniert, gebaggert, gestrichen. Wenn man anwesend ist, arbeiten die Leute fleissiger. Und wenn sie Fragen haben, kann man helfen, weil man das grosse Ganze sieht. Wir hätten heute wohl keinen Balkon, wenn ich nicht einen Fehler in der Bauplanung entdeckt hätte.

Was ist das Besondere an Ihrem Haus?

Da ist diese wunderbare, grosse Fensterfront, wir sehen über das ganze Tal. Der Ort ist magisch, jeden Tag sehen wir die Bergspitzen in der Morgensonne. Wir haben erhöht gebaut, um diese Aussicht zu haben, alles ist auf dem gleichen Stockwerk. Wir haben keine Treppen, und eine Rampe führt ins Innere. Wir heizen mit Erdwärme und mit Sonnenenergie, haben Sonnenkollektoren auf dem Dach. Auch hier wollen wir uns selbst versorgen.

Was wurde aus Ihrer Gartenfläche?

Wir hatten so viel Platz, ein allein stehendes Haus am Dorfrand, so viel Umschwung, wir wollten etwas gestalten. Das Haus steht neben meinem Landwirtschaftsbetrieb, 20 Meter neben dem Stall. Wir haben Orchideen, Rosen, Heidelbeeren, Obstbäume, kleine Wege und Kies. In der Mitte wurden zwei Kreise gezogen, im einen bauen wir Kartoffeln an, im anderen Salat, Mangold, Kürbis, Gurken.

Ihr Garten ist also auch eine Ackerfläche?

Ja, er ist vor allem das. Wir sind ein Biobetrieb, am Ende. Wir wollen Selbstversorger sein. Das ist unser grosses Ziel, das ist ein Traum von meiner Frau und mir. Natürlich schaffen wir das nicht ganz, obwohl wir die Milch, das Fleisch und teilweise Gemüse und Früchte vom Hof nutzen.

Bis Sie nichts mehr im Laden kaufen?

Je weniger wir im Laden kaufen, desto besser ist das für uns und unsere Kinder. Eine Beziehung zum Garten zu haben, ist doch etwas Schönes! Es ist gesund, eine Beziehung zum Salat zu haben. Man weiss, was man hat, und lebt gesünder.

Und auch die Kinder wachsen anders auf.

Ja, es ist gut, dass sie wissen, woher das Essen kommt. Sie sammeln Beeren im Garten, Erdbeeren, Heidelbeeren, und haben Spass. Der Bezug zum Ursprung der Nahrung geht ja heute immer mehr verloren bei den Leuten.

Verkaufen Sie die Produkte aus dem Garten auch?

Nein, die Produkte sind primär für unsere Familie. Ab und an verschenken wir ein paar Gurken, wenn die Ernte reich war.

Nutzen Sie Ihren Garten auch als Entspannungsort in Ihrer Freizeit?

Als Bauer habe ich keine Freizeit. Ich kenne kein klassisches Wochenende, wie andere Leute das kennen. Freie Zeit ja, aber grundsätzlich arbeite ich viel. Der Garten ist das Territorium meiner Frau, ich bin für die Ackerflächen und den Hof zuständig. Meine landwirtschaftliche Nutzfläche ist sozusagen mein Garten. Ein ziemlich grosser also.

Gibt es denn Ähnlichkeiten zwischen Ackerfläche und Garten?

Ja, man muss beides pflegen, und je besser man es pflegt, desto reicher gibt die Natur zurück. Einen Haufen Arbeit macht das, aber es gibt auch Befriedigung.

Ist Ihre Frau auch so zufrieden?

Wenn Sie viel zu tun hat, ist sie fix und fertig. Gartenarbeit ist sehr anstrengend. Aber der Aufwand lohnt sich. Man ist an der frischen Luft, in der Natur. Das ist uns sehr wichtig. Gäbe es den Garten nicht, würde uns etwas fehlen. Obwohl wir hier auf dem Land leben und reichlich Natur haben. In der Stadt hat ein Garten vielleicht nochmals einen anderen Stellenwert.

Sind Sie auch mit Garten aufgewachsen?

Ja, wir hatten einen riesigen Garten, das ist für mich also ein Stück weit Normalität. Ich kenne nichts anderes, als dass der Salat aus dem Garten kommt, und nicht aus dem Laden.

Wie sieht das Leben um Ihren Garten herum aus?

Wir haben eine grosse Terrasse. Bei warmem Wetter essen wir teilweise dreimal täglich draussen und trinken abends noch ein Renzo-Bier.

Und Ihre Kinder? Wo sind die am liebsten?

Sie spielen am liebsten im Wohnzimmer, dort haben wir ein kleines Gartenhäuschen mit Rutschbahn aufgestellt, ein Haus im Haus sozusagen. Und wenn der Sommer kommt, stellen wir es wieder dorthin, wo es hingehört: in den Garten.