Seit Jahren werden Smart Homes als die neuste Innovation angepriesen. Wie revolutionär ist intelligentes Wohnen tatsächlich?

Die Technologie gibt es in der Tat schon seit rund 20 Jahren. Selbstverständlich hat sich die Technik in diesen Jahren massiv weiterentwickelt, aber wer wollte, konnte schon vor der Jahrtausendwende «smart» wohnen.

Smart Homes sind also keine Science-Fiction, sondern bereits heute Realität?

Absolut. Ich ärgere mich jeweils über diese Bezeichnung «Future Home». Es hat nichts mit der Zukunft zu tun. Intelligentes Wohnen ist die Gegenwart und schon heute gibt es ganz verschiedene Lösungen dafür.

Welche sind die beliebtesten?

Ganz hoch im Kurs ist die zentrale Steuerung von Licht und Jalousien. Auch die Musiksteuerung ist beliebt.

Was ist mit dem populären Beispiel für Smart Living: dem Wecker, der die Kaffeemaschine einstellt?

Natürlich sind solche Sachen möglich, aber ich denke, dass sie unser Leben nicht wirklich verbessern.

Sie werden aber gerne von den Medien aufgebauscht, weil sie toll klingen.

Welche Möglichkeiten halten Sie für relevanter?

Für wichtiger erachte ich, dass alle Fenster im Haus geschlossen sind, wenn ich es verlasse, die Lüftung eine Stufe zurückgesetzt wird, wenn man nicht zu Hause ist, oder die Markise automatisch eingefahren wird, wenn ein Sturm aufzieht.

Viele Architekten arbeiten zudem gerne mit verschiedenen Lichtquellen. Wenn ich dazu nicht zehn Schalter betätigen, sondern nur einmal über meine App die Option «Candle-Light-Dinner» anwählen muss, erleichtert das den Alltag massiv.

Gibt es eine Standardausrüstung, die zu jedem Smart Home gehört?

Nein, denn ein wichtiger Aspekt eines intelligenten Zuhauses ist die Personalisierung. Es geht darum, den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen. Was für den einen wichtig ist, ist für den anderen irrelevant.

Es gibt deshalb nicht die eine perfekte Lösung. Jeder muss selbst für sich entscheiden, was für ihn oder sie relevant ist.

Kann sich der Durchschnittsverdiener ein intelligentes Zuhause überhaupt leisten?

Natürlich ist ein Smart Home auch eine Geldfrage. Wir gehen davon aus, dass ein einfacher technischer

Ausbaustandard rund sechs Prozent der Bausumme ohne Land kostet. Wer eine etwas umfangreichere Lösung bevorzugt, sollte rund zehn Prozent einkalkulieren.

Welche Innovation erachten Sie derzeit als besonders interessant?

Mich beeindruckt vor allem die Visualisierung der Verbrauchsdaten.

Während man den Benzinverbrauch des eigenen Autos ziemlich genau kennt, wissen die meisten nicht, wie hoch ihr Strom- oder Wasserverbrauch ist. Ich finde es interessant, ein Gefühl für den eigenen Verbrauch zu bekommen und ihn hie und da etwas nach unten zu korrigieren