Zeitlos und modern

Heinz Julen ist Hotelier, Architekt und Designer. Bekannt wurde der Zermatter unter anderem aufgrund seines Cube-Chairs. Lesen Sie mehr über den Künstler auf www.heinzjulen.com und besuchen Sie  seine Hotel-Webseite

Was macht für Sie gutes Design aus, mit welchem Design umgeben Sie sich privat?

Gutes Design soll ehrlich und nicht künstlich sein. Ich mag keine künstlichen Materialien. Ich brauche ehrliche Stoffe wie Stein, Holz, Beton, Glas, Metall, mit Liebe bearbeitet, mit einer funktionalen Idee dahinter. Privat habe ich natürlich auch von mir gestaltete Möbel und Gegenstände um mich, sei es jetzt ein Cube Chair, einen Tisch oder auch mehrere Kronleuchter. Viel wichtiger als eine Aneinanderreihung von Designmöbeln oder -stücken ist mir aber deren Funktion. Ganz elementar ist für mich auch das Material am Boden, der Stein, das Holz. Darauf geht man, bewegt sich, es ist die Verbindung zur Erde.

Haben Bewohner in den Bergen und Stadtbewohner den gleichen Anspruch an Design?

Ich interpretiere Design an seiner Funktionalität. So gesehen haben wir in den Bergen nicht dieselben Ansprüche an Bauten wie in einer Stadt im Mittelland. Die Bauweise, die Auswahl der Materialien wurde unseren Vorfahren von der Natur und den Jahreszeiten diktiert. Die Walserhäuser sind ein klassisches Beispiel.

Braucht Design auch Grösse?

Grösse ist nicht massgebend. Ich kann als Architekt ein Hotel in Zermatt gestalten, habe aber auch aus einem Bienenhaus auf 2100 Metern Höhe ein Bergatelie, mein Rückzugsort für ruhige, aber auch kreative Momente. Auf 12 Quadratmetern Fläche habe ich hier alles, was ich zum Leben brauche: Küche, Bad, ein Sofa mit Tisch, ein bequemes Bett, ein Cheminée und grosse Fenster für viel Licht und den Blick nach draussen. Ich habe mich schon für zwei Monate hierher zurückgezogen und eine wunderbare Zeit erlebt.

Was ist Ihre Inspiration?

Ich habe ja Design und Architektur nicht gelernt im klassischen Sinne, sondern habe mich autodidaktisch entwickelt. Oder vielmehr das Leben und die Natur hat mir alles beigebracht. Schon als kleiner Bub habe ich für meine Schwestern Hütten gebaut. Diese wurden mit der Zeit immer grösser, konkreter und stabiler. Sogar Baumhäuser habe ich gebaut. Ich lernte später dann die Bauweise der Walserhäuser und den Sinn der dafür verwendeten Materialien sowie die Ausrichtung der Räume kennen. Mit ihrer charakteristischen Bauweise bieten die Blockhäuser bei uns in den Bergen Schutz gegen Wind und Schnee. Das ist eine stetige Inspiration für mich.

Wie haben Sie es mit Design-Trends? Hat Design ein Ablaufdatum?

Es gibt Leute, die rennen diesen Trends nach und denken, nach zehn Jahren müsse etwa ein Hotelzimmer völlig neu gestaltet werden. Ich spüre aber von unseren Gästen im Backstage-Hotel, dass sie eben dieses Bedürfnis nicht haben. Vor 22 Jahren haben wir die Vernissage mit Galerie, Bar, Restaurant und Kino gebaut und bis heute so belassen. Ich sehe keinen Bedarf etwas zu verändern. Gutes Design ist für mich zeitlos.
Das beweisen verschiedene Design-Klassiker, wie etwa eine Corbusier-Liege, die auch nach Jahrzehnten noch gefragt sind. Auch hier stimmt die Funktionalität.

Sie sind Architekt und Designer, erfolgreicher Geschäftsmann, gelten auch als streitbarer Querdenker. Gibt es Designideen, die Sie nicht zu Ende bringen?

Nein, eigentlich nicht. Eine Idee ist ja nicht einfach da und erfolgreich. Wenn ich etwas bearbeite, wächst in dieser Phase auch die Idee. Ich arbeite dann solange daran, bis sie für mich passt und stimmt. Das ist oftmals ein langer, schwieriger, manchmal auch ein schmerzhafter Prozess. Dieser Leidensdruck lässt eine Idee sich entwickeln, bis sie wirklich gut ist.

Ist Zermatt ein besonderer Ort für Design- oder Architekturideen?

Beim Bauen geht es ja auch darum, sich innerhalb der geltenden Reglemente und Gesetze zu bewegen. Mit Kreativität und Geschick ist da einiges möglich. Hier in Zermatt konzentriere ich mich natürlich aufs Matterhorn. So sind etwa die Schlafzimmer immer auf dieses zentrale Element ausgerichtet. Auch die Fassaden mit den dominierenden raumhohen Fenstern lassen einen permanenten Blick auf unsere Berge zu. Das Matterhorn soll für den Gast oder Bewohner immer optimal in Szene gesetzt sein.