Seit bald zehn Jahren engagieren Sie sich hauptberuflich als Wasserbotschafter und Expeditionsschwimmer. Welche Bedeutung hat Wasser für Sie?
Mein ganzes Leben dreht sich ums Wasser. Ohne Wasser würde es mich und die Menschheit nicht geben. Das Wasser ist die Grundlage allen Seins. Das finde ich ausserordentlich faszinierend. Ich wünsche mir, dass ich mit meiner Arbeit das Bewusstsein für die Wichtigkeit von sauberem Wasser schaffen kann.

Obschon wir uns der Endlichkeit der Ressourcen bewusst sind, werden die Gewässer weiterhin verschmutzt. Was muss passieren, dass ein Umdenken stattfindet?
Hier muss ich Ihnen widersprechen: Wir sind uns der Endlichkeit der Ressourcen leider noch immer nicht bewusst. Die Frage, was passieren muss, damit ein Umdenken stattfindet, beschäftigt mich sehr, weil ich noch keine Lösung habe.

Wir produzieren und konsumieren und überlegen uns erst danach, was wir mit dem Abfall machen. Es ist eine Frage der Zeit, dass wir unsere Welt in eine Richtung bringen, die wir nicht mehr wenden können.

Wenn die Weltmeere kippen, wenn unsere Ressourcen zu Ende gehen, wird sich die Welt in eine Richtung verändern, wie wir sie nicht mehr kennen. Korallenriffe, Gletscher, die Pole, Küstenlinien, Flora und Fauna werden nicht mehr existieren.

Diese Vorstellung ist schmerzhaft. Ich glaube, man muss die Menschen berühren und bewegen, damit sie ihr Verhalten ändern.

Jährlich werden, nebst Pestiziden, Hormonen und Medikamenten, rund 30 Tonnen Mikroplastik vom Rhein Richtung Nordsee getragen. Rütteln diese Zahlen nicht auf?
Leider berühren Zahlen die Menschen nicht. Oder wenn, nur ganz kurz. Je mehr man hört und liest, desto abgebrühter wird man und schaut weg. Ich versuche, diesen Zahlen eine Seele und eine Geschichte zu geben.

Etwa mit meinen Aktionen und Vorträgen. Um auf die starke Verschmutzung des Rheins mit Mikroplastik aufmerksam zu machen, bin ich Anfang März inmitten von einer Insel aus PET-Flaschen, Waschmittelpackungen und anderem Plastikmüll in den Fluten des Rheins geschwommen.

Als Mikroplastik werden feste und unlösliche Kunststoffe bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Worin sind diese enthalten?
Genau das ist das Problem. Als Konsument ist man sich nicht bewusst, dass etwa in vielen Kosmetikprodukten Mikroplastik enthalten ist. Sind Mikroplastik-Partikel einmal im Wasser drin, wird man sie kaum mehr los.

Mikroplastik wird dort von Meeresorganismen gefressen und richtet grossen Schaden für die Umwelt an. Ich setze mich deshalb dafür ein, dass in Zukunft klar deklariert werden muss, wo Mikroplastik drin ist.

Sie haben in diesem Jahr den Schweizer Nachhaltigkeitspreises Prix Eco.ch bekommen. Was bedeutet ihnen dieser?
Der Preis motiviert mich, meinen persönlichen Weg als Wasserbotschafter weiterzugehen.  Meine Bemühungen tragen hoffentlich Früchte und ich kann mir und meinen Anliegen Gehör verschaffen.

Es soll auch andere Menschen motivieren, sich zu engagieren. Am Ende ist es die Summe der Bemühungen, die zählt.

Mehr Infos zu Ernst Bromeis:

 www.dasblauewunder.ch

http://www.ruefferundrub.ch/verlag/r-r-visionaer/item/361-jeder-tropfen-zaehlt-361