Bahn, Bus und Tram haben im Kanton Zürich mit 30 Prozent einen deutlich höheren Marktanteil als in anderen Landesgegenden. Im Jahr 2000 waren es erst 20 Prozent. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Statistik. Das Mobilitätsmanagement des Kantons Zürich leistet dazu einen Beitrag, bereits heute und in Zukunft noch verstärkter. Der Kanton hat vor zwei Jahren die Federführung des Programms MIU – Mobilität im Unternehmen - übernommen, das die Förderung des Mobilitätsmanagements in Unternehmen bezweckt.

Damit werden Gemeinden, die mitmachen wollen unterstützt, um mittlere und grössere Unternehmen zu beraten, wie diese ihre Fahrzeugnutzung optimieren, einen Anreiz für die Nutzung des öffentlichen Verkehrs (ÖV) schaffen, dadurch die Anzahl Parkplätze reduzieren oder nicht mehr gratis anbieten und wie sie das Flottenmanagement verbessern können. «70 Prozent der Fahrzeuge im Kanton legen nur Kurzstrecken zurück», sagt Anselm Schwyn, der Kommunikationsbeauftragte des Amtes für Verkehr (AFV) im Kanton Zürich. «Das lässt sich gerade bei «Dienstfahrten» auch mit kleineren Autos oder sogar mit Velos gut managen.» Das Ziel des AFV ist, den Verkehr auf der Strasse zu reduzieren, denn die Autostrassen sind stark belastet und müssen optimal genutzt werden. Gemäss Statistik verfügt knapp die Hälfte der Haushalte in der Stadt Zürich über kein Auto mehr. Trotzdem wächst der Verkehr über den ganzen Kanton gesehen weiter. «Mehr Strassen zu bauen ist fast nicht mehr möglich», so Schwyn. Also braucht es neben dem erwähnten ­Mobilitäts- auch ein verbessertes Verkehrsmanagement: Aufeinander ­optimal abgestimmte Rotlichter, Stauräume ausserhalb der Ortszentren sowie Busspuren, damit der ÖV pünktlich und damit attraktiv ist.  

Stau für flüssiges Weiterfahren
«Lassen wir die Autofahrer vor den Städten stauen, so fahren sie flüssiger durch die Zentren, die Reisezeit verkürzt sich insgesamt», erklärt Anselm Schwyn. «Es gibt auch andere Methoden, die die Mobilität optimieren und dabei sogar Kosten sparen, etwa mit Taxis oder Carsharing wie Mobility-Autos.» Das Programm MIU wird zentral vorangetrieben. Die entsprechende Beratung hat der Kanton ausgelagert und eine externe Geschäftsstelle eingerichtet.
Die Gemeinden als Partner des Programms MIU führen Veranstaltungen für Unternehmen durch, beispielsweise am 23. November 2012 in der Sihlpost. Dann informiert das Amt für Verkehr über die neue Europa-Allee und die neuen Angebote von MIU. «Wir überlegen auch mit den Gemeinden, wie sie die Arbeitnehmenden zum ÖV oder aufs Velo bringen können. Zu den Mobilitätsthemen gibt es auf der Webseite von MIU Faktenblätter, die alle Aspekte aufzeigen.

Mit dem Velo zum ÖV
Am Anfang steht auch die Umsetzung des Veloförderungsprogramms, das 2010 im Zürcher Kantonsrat beschlossen wurde. Der Rahmenkredit beträgt 20 Millionen Franken für 10 Jahre. Das ist nicht zu verwechseln mit dem Kredit im Strassengesetz von jährlich mittlerweile 15 Millionen Franken zum Bau von Velowegen. «Wir planen und bauen, wo möglich, wie verrückt», lacht Schwyn, «es gibt bereits 2025 km Velonetz im Kanton. Die Radweg-Strategie hat der Regierungsrat 2006 festgelegt, jährlich planen wir neue Projekte, wie wir die Velorouten sicherer machen, wo wir sie ausbauen sollen, wo separate Radwege nötig sind.» Einige Projekte, so Schwyn, gestalten sich schwierig, weil es in der Agglomeration kaum mehr Platz dafür gibt.

Die Städte Zürich und Winterthur planen gemäss Strassengesetz ihre Radwege, der Kanton baut dafür auf dem Land, etwa vom Weinland bis zum Rheinfall über Ossingen bis Trüllikon.
Mit dem Förderprogramm will das Amt für Verkehr möglichst viele Leute dazu bringen, mehr das Velo zu nutzen: «Ideal ist es beispielsweise, mit dem Velo bis zur Bus- oder Bahnstation zu radeln und mit dem ÖV weiter zu fahren, bis zu 5 km ohne Hilfsantrieb geht das gut.» Als neue Player im Verkehr nennt Schwyn die E-Bikes, die einen erweiterten Radius bis 15 km gestatten. Kürzlich wurde im Rahmen des Velo-Förderprogramms mit den Gemeinden eine Tagung veranstaltet, um über die Bedeutung und Ausgestaltung von Veloparkierungen am Ausgangs- und am Zielort zu diskutieren.

Mobilitätsbedürfnis wächst
Das Amt für Verkehr betreibt das Gesamtverkehrsmodell, eine Computersimulation, die mit verschiedenen Faktoren wie beispielsweise Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum die Verkehrsentwicklung für die Zukunft prognostiziert. Damit können die Entwicklungsstrategien für die Verkehrsinfrastruktur erstellt werden. Der Bund unterstützt mit den Agglomerationsprogrammen Städte und Agglomerationen finanziell bei der Umsetzung von Infrastrukturmassnahmen. So zahlte er bereits Beiträge an die Glattalbahn, an das Tram Zürich West, aber auch an Verkehrsmanagementmassnahmen oder Velowege. Da der Verkehr nicht Halt an den Kantonsgrenzen macht, haben die Kantone gemeinsame Projekte erarbeitet. Der Kanton Zürich plant im Limmattal mit dem Kanton Aargau, im Weinland mit dem Kanton Schaffhausen oder in der Region Rapperswil-Obersee mit dem Kanton St. Gallen.
«Das Mobilitätsbedürfnis nimmt zu», sagt Anselm Schwyn. «Der Regierungsrat will 50% des zukünftigen Verkehrswachstums mit dem ÖV abwickeln. Da dieser nicht bis in den abgelegensten Winkel des Kantons voll ausgebaut werden kann, ist das Zusammenspiel aller Verkehrsmittel enorm wichtig – das Auto wird dabei auch in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen.»