Das Ziel ist ehrgeizig und der Weg dahin mit modernster Technologie gepflastert. Ein beeindruckender Teil der Schweizer Städte und Gemeinden hat sich aufgemacht, das Ziel zu erreichen, das lautet: 2000-Watt-Gesellschaft bis 2050 mit Reduktion des individuellen CO2-Ausstosses. Alain Bützberger, CEO von Swisstraffic, befasst sich mit der Mobilität im Verkehr, einem Teilbereich des Energieverbrauchs.

«Es soll nicht etwa angeregt werden, auf das Auto zu verzichten», sagt Bützberger. «Gesucht wird eine saubere, positive Energiebilanz. Dazu müssen wir wissen, wie sich die Mobilität verändert.» Zur Verfügung steht ihm dabei mit dem «CityMonitoring» eine innovative, neue Technologie, welche durch die Swisstraffic AG für Mobilitätszwecke weiter entwickelt wurde. Bützberger: «Damit sind wir in der Lage, das Mobilitätsverhalten der Verkehrsteilnehmenden in einer Stadt zu beobachten – wir messen Mobilität!»

Überwältigendes Mehr
Es gibt viele Gründe, weshalb sich das Mobilitätsmanagement in den Städten und Gemeinden ändern muss: Die Anforderungen an die moderne Verkehrsinfrastruktur steigen durch den steten Zuwachs an Einwohnern und durch die immer mobiler werdende Gesellschaft, die jedoch ihre hohe Lebensqualität beibehalten, wenn nicht noch steigern will. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden und gleichzeitig die Energieziele der 2000-Watt-Gesellschaft zu erreichen, ist es unumgänglich, auch im Verkehr nachhaltige und energiesparende Lösungen zu finden.

Bereits 2001 übernahm der Kanton Basel-Stadt die Pionierrolle für eine umwelttaugliche Zukunft. Seither kamen die Grossstädte Genf (2007) und Zürich (2008) danzu, ausserdem mehr als 300 Energiestädte als Partnerregionen sowie weit über 400 Mitglieder des Trägervereins. Für grosse Überraschung sorgte das überwältigende Mehr in der Stadt Zürich, die als erste der Schweiz darüber abstimmen liess: Mehr als drei Viertel der Abstimmenden genehmigten den Antrag, bis 2050 die 2000-Watt-Gesellschaft einzuführen und dieses Ziel in die Gemeindeordnung aufzunehmen.
 
Das Engagement seit mehr als zehn Jahren ist vorbildlich. Dank gezielten Kampagnen wurde das Umweltbewusstsein der Bevölkerung optimiert. Massnahmen wie neue Gebäudestandards wurden auf freiwilliger Basis ergriffen. Und weil viele Wege auch zur 2000-Watt-Gesellschaft führen, sind Abklärungen des Verkehrs und der Verkehrswege als Notwendigkeit erkannt worden.

Diskrete Beobachtung des Verkehrs
Bleibt man bei der Stadt Zürich mit einer Metropolitan-Bevölkerung von fast zwei Millionen, so scheint der Weg noch lang. Der CO2-Ausstoss pro Kopf und Jahr muss sich bis 2050 von 5,5 auf 1 Tonne – davon nur ein Viertel aus nicht erneuerbaren Energien - reduzieren. Dabei muss in Rechnung gestellt werden, dass gegenwärtig - laut einem vor einem Jahr gehaltenen Referat der Städträtin Ruth Genner -  beinahe gleich viele Leute in Zürich arbeiten, wie hier wohnen. Das bedeutet, dass täglich 600000 Motorfahrzeuge und 400000 S-Bahn-Passagiere von ausserhalb kommen. Der Verkehr steht in Zürich für 18 Prozent des Energieverbrauchs.
Soll sich die Energiebilanz verbessern, interessieren vor allem die Wege, die alle Verkehrsteilnehmenden zurücklegen, zu Fuss, auf dem Velo oder im Auto.

Mit dem «CityMonitoring» von Swisstraffic kann in Städten, Gemeinden und Zentrumsgebieten die Mobilität beobachtet und gemessen werden, Tag und Nacht, völlig anonym. Ganz neu wird das «CityMonitoring» in der Stadt Zürich eingesetzt. Ein weiteres Projekt mit derselben Technik von Swisstraffic ist ein Verkehrsmonitoring während drei Jahren auf einem Autobahnabschnitt der A1 und A2.

«CityMonitoring» als Entscheidungsgrundlage
«CityMonitoring» beobachtet flächendeckend in Echtzeit, was auf den Strassen läuft», sagt Bützberger, «wie lange ein Stau dauert, wie viele Personen welche Gehwege benützen, wie lange ein Auto oder Fahrrad auf einem Parkplatz steht, wie intensiv städtische Plätze besucht werden, und das alles total anonym. Damit liefern wir unseren Auftraggebern die Grundlagen, ihre Schlüsse aus den politischen Entscheidungen und umgesetzten Verkehrsmassnahmen zu ziehen.»