Einig sind sich Experten darin, dass unsere heutige Mobilität nicht nachhaltig ist. Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache. So ist zum Beispiel die Verkehrsleistung (km/Jahr) seit 1970 um über 90 Prozent gestiegen, und dies fast ausschliesslich im privaten Strassenverkehr. Der Fahrzeugbestand ist seitdem um über 300 Prozent auf fast 5,5 Millionen Fahrzeuge (2011) angewachsen. Allein auf den Vordersitzen der in der Schweiz zugelassenen Personenwagen käme heute die ganze Schweizer Bevölkerung unter. Und das Schweizer Strassennetz reicht fast zweimal um die Erde.

Wendepunkt erreicht?
Wer Mobilität messen will, zählt zurückgelegte Wege oder Kilometer. Die rasante Zunahme der Distanzen hat sich in den letzten 10 Jahren zwar etwas verlangsamt. Dagegen ist die Anzahl der Wege, die wir täglich machen, ist seit 50 Jahren konstant. Verändert haben sich in der Vergangenheit aber die Verkehrszwecke und die Art der benutzten Verkehrsmittel,  zulasten des öffentlichen Verkehrs, der eigenen Füsse und des Veloverkehrs.

Erst in den letzten fünf Jahren zeigt sich ein leichter Trend wieder hin zu mehr öffentlichem Verkehr und zu mehr Fussverkehr. Zugleich sinkt der Motorisierungsgrad der Bevölkerung leicht. In den Städten haben 40-50 Prozent der Haushalte kein Auto, Tendenz deutlich zunehmend. Der Führerscheinbesitz der 18- bis 24jährigen ist in den letzten 10 Jahren gar um 10 Prozentpunkte gesunken. Sind dies schon erste Anzeichen für eine Mobilitätswende?

Mobilität mit mehr Qualität
Stellen wir uns einen Moment lang vor, wie es wäre, wenn wir die Verhältnisse umkehren: Die Autos müssten an Autostreifen warten, bis die Fussgänger ihnen Vortritt gewähren. Statt in den Strassenbau würde nur noch in den öffentlichen und nichtmotorisierten Verkehr investiert. Für die Pendler stünden Veloautobahnen bereit. Ein grosser Teil der Parkplätze wäre überflüssig und würde zu Aufenthalts- und Grünflächen. Zufussgehen und Velofahren würden zum Genuss. Hektik und Stress, Kos-ten und Gefahren des Verkehrs nähmen ab. Noch fehlt uns die Konsequenz, Visionen für eine wirklich andere, nachhaltige Mobilität umzusetzen.

Mobilität muss anders werden
Nachhaltige Mobilität heisst nicht weniger, sondern anders mobil zu sein. Dementsprechend beginnt Verkehrsplanung schon bei der Raumplanung: Gebaut werden sollte nur noch an Standorten, welche gut vom ÖV erschlossen und fussläufig erreichbar sind. Gute Nahversorgungsstrukturen sind wichtig für ein Leben mit kurzen Wegen. Mobilitätsverhalten ist beeinflussbar, wenn die Rahmenbedingungen geändert werden. Die Netze für den Fuss- und Radverkehr müssen mit hoher Priorität optimiert werden; Verkehrsräume sollen bewegungs- und aufenthaltsfreundlich gestaltet sein. Mobilität muss endlich auch zum Energiesparthema werden.

Planungsdisziplinen sind gefragt
Neben den nötigen politischen Weichenstellungen kommt der Entwicklung nachhaltig wirksamer Konzepte für Verkehr, Transport und Mobilität in Zusammenhang mit der künftigen räumlichen und städtebaulichen Entwicklung der Schweiz eine zentrale Bedeutung zu. Die Aus- und Weiterbildungsstätten sind gefragt, den kommenden Generationen von Planungsfachleuten das dazu nötige Rüst-zeug zu vermitteln.