Frank M. Rinderknecht gilt als Visionär mit einem gesunden Sinn für das realistisch Machbare. Der Elektromobilität prognostiziert er eine viel versprechende Zukunft. «Elektromobilität in reiner oder hybrider Form wird in Zukunft eine sehr grosse Rolle spielen. Noch wichtiger ist aber, dass die verbrauchten Energien erneuerbar sind. Und exakt da ist Elektrizität im Moment die beste Lösung», sagt der Gründer und CEO der Rinspeed AG. Die Elektromobilität habe gerade erst begonnen, Fuss zu fassen, betont Rinderknecht: «Die Entwicklungszeiten und Entwicklungspotenziale steigen aber sehr rasch an, da ein entsprechendes Marktpotenzial vorhanden ist. Dies rechtfertigt grössere Investitionen in die Technologie- und Modellentwicklung.»

«Wir alle müssen umdenken»
Wo sieht denn Rinderknecht die gros­sen Vorteile und Zukunftsperspektiven der Elektromobilität? Die Antwort liegt für ihn auf der Hand: «Sie basieren im Grundsatz auf der ­Erneuerbarkeit der Energie und der bereits bestehenden Infrastruktur für eine Normalladung.» Rinderknecht spricht aber auch von grossen Herausforderungen. Diese liegen für ihn auf mehreren Ebenen. Leistungsstärkere Batterien sollen die Reichweiten erweitern und die Ladezeiten verkürzen. Die Schnellladeinfrastruktur, so Rinderknecht, müsse ausgebaut werden. Auf einen Punkt legt er besonderen Wert: «Wir alle, das heisst Produzenten und Hersteller, aber auch Konsumenten, müssen umdenken und viele bestehende Paradigmen in Frage stellen.» Es brauche neue Wertvorstellungen, nachhaltige Ansätze, die Bereitschaft, sich den Herausforderungen zu stellen. Rinderknecht verhehlt nicht, dass es auf dem Weg zur zukunftsgerichteten Elektromobilität auch Schranken gibt, Barrieren, die überwunden werden müssen. «Zurzeit sind die Fahrzeugpreise, das Fahrzeugangebot und die Reichweiten nicht markterwartungsgerecht», räumt er ein, um sogleich nachzuschieben, dass sich jede neue Technologie zuerst einmal durchsetzen und behaupten muss. Auch was das öffentliche Interesse angeht, müsse noch einiges getan werden: «Das Interesse seitens der Forschung, der Hersteller, der Händler und Konsumenten ist an sich gross. Viele wägen zum Teil aber auch noch ab und geben sich verhalten und vorsichtig.»

«Wir alle, das heisst Produzenten und ­Hersteller, aber auch Konsumenten,
müssen umdenken und viele bestehende ­Paradigmen in Frage stellen.»


Pioniere in Nachhaltigkeit
Leider, so Rinderknecht, trage derzeit in der Schweiz in finanzieller Hinsicht kaum jemand entscheidend zur Förderung der Elektromobilität bei. «Wir versuchen deshalb, das Thema emotional positiv nach vorne zu bringen», zeigt er sich kämpferisch. Visionäre Mobilitätskonzepte, innovative Antriebe, Nachhaltigkeit, übergreifende Netzwerke und ausgewiesene Kompetenzen in weltweiter Kommunikation gehören zum Kerngeschäft von Rinspeed. Was heisst das konkret? Rinderknecht beantwortet die Frage umgehend und ohne zu zögern: «Wir sind beim Fahrzeugbau Pioniere in neuer Nachhaltigkeit und versuchen, unsere Visionen und Konzepte emotional positiv zu kommunizieren. Dabei wollen wir keine Weltverbesserer sein, sondern die Menschen zum Nachdenken anregen.»

Ladung reicht aus
Skeptiker der Elektromobilität weisen auf Infrastrukturprobleme hin. Als grösste Herausforderung gelte der Aufbau einer effizienten und funktionierenden Infrastruktur. Zwar liessen sich die Fahrzeuge theoretisch über Nacht auch zu Hause aufladen, doch das koste Zeit und sei unpraktisch. Besser wären spezielle Steckdosen mit schnellerer Aufladung. Dazu brauche man aber die entsprechenden Aufladestellen. Frank M. Rinderknecht lässt sich von solchen Argumenten nicht beirren. Schnellladung werde wahrscheinlich ohnehin nur für sogenannte Transitfahrzeuge benötigt, die nicht im Lokalbetrieb unterwegs sind, sondern längere Strecken bewältigen. «Meine eigenen Erfahrungen zeigen, dass die Ladung über Nacht oder tagsüber im Büro vollends ausreicht, um meine ganz normalen Mobilitätsbedürfnisse zu befriedigen», sagt er. Technisch gesehen sei die Schnellladung schon heute möglich, und die meisten angebotenen Elektrofahrzeuge ab Werk seien dafür vorgesehen. Für Frank M. Rinderknecht hat die Elektromobilität aller Unkenrufe zum Trotz eine viel versprechende Zukunft.