Agglomeration
Statistiker und Planerinnen sprechen von Agglomerationen, wenn sie die Städte zusammen mit ihrem dicht besiedelten Umland meinen. Auf der Fahrt mit der S5 verlassen wir die Agglomeration Zürich und gelangen nahtlos in die Agglomeration Zürcher Oberland mit dem regionalen Zentrum Wetzikon. Bubikon, Rüti, Jona, und schon sind wir in der nächsten Agglomeration, der Agglomeration Obersee mit ihren Zentren Rapperswil und Pfäffikon.

Raum- und Verkehrsentwicklung halten sich nicht an Grenzen. Wo die Bezüge der Gemeinden zu einem Zentrum sehr eng sind, sollten Kantonszugehörigkeiten bei der Planung keine Rolle spielen. Der Bund animiert die in Agglomerationen zusammengefassten Kantone und Gemeinden, ihre Zukunft gemeinsam zu planen. Das Instrument dazu heisst «Agglomerationsprogramm Siedlung und Verkehr». Was geschieht, wenn wir weiter wachsen, und wie können wir die Folgen in die richtigen Bahnen lenken, fragen sich die Agglomerationen darin. Sie schlagen Massnahmen vor, zum Beispiel Ausbauten für Tram und Bus, Fuss- und Velowege oder Umgestaltungen von Strassen. Wenn die Agglomerationen ihre Aufgabe überzeugend lösen, beteiligt sich der Bund an den Kosten dieser Massnahmen.

Entwicklung
Der Bund schaut dabei nicht allein auf Verkehrsmassnahmen. Das Agglomerationsprogramm soll auch zu einer ressourcenschonenden Siedlungs- und Landschaftsentwicklung beitragen. Bevölkerung und Arbeitsplätze sollen konzentriert, die weitere Zersiedelung gestoppt werden. Die Agglomerationen sind Wachstumsgebiete, ausdehnen sollen sie sich aber nicht mehr.
Wenn die Agglomerationen wachsen, so tun es auch die Verkehrsströme. Stehplätze in der S-Bahn werden häufiger. Auf dem Strassennetz bilden sich Staus. Der Ruf nach Ausbauten wird immer lauter. Projekte liegen vor und sind bekannt, und zwar in einem Umfang, der das Finanzierbare bei weitem übersteigt. Welche Massnahmen sind besonders zweckmässig und haben deshalb Priorität?
Auf der Fahrt mit der S5 durch drei Agglomerationen und drei Kantone wird einem bewusst, dass nicht jeder Kanton diese Frage für sich allein beantworten kann. Längst sind die Agglomerationen zu einem Metropolitan-Raum zusammengerückt und eng vernetzt. Der Metropolitan-Raum ist für eine koordinierte Siedlungs- und Verkehrsplanung der Grössenmassstab der Zukunft.

Der Metropolitan-Raum Zürich umfasst 236 Gemeinden in acht Kantonen. Seit 2008 ist er in einem Verein organisiert. Als eine der ersten Aufgaben hat die Metropolitan-Konferenz anstehende Verkehrsprojekte priorisiert. Welche Projekte sind für den Metropolitanraum als Ganzes besonders dringlich? Im Wissen um die knappen Mittel wollen die Kantone, Städte und Gemeinden an einem Strick ziehen, wenn sie sich für Ausbauten der Verkehrsnetze stark machen. Keine Selbstverständlichkeit, wie man sich ausmalen kann.
Der Ausbau von Strassen und Bahnstrecken führt dazu, dass die betroffenen Regionen noch besser erreichbar werden. Werden diese dadurch noch attraktiver als Wohnstandorte? Werden die Ortschaften und Städte noch stärker miteinander verschmelzen?
Bei aller Ungewissheit ist doch eines klar: Auf dichteres Zusammenrücken müssen wir uns einstellen, sowohl in den Agglomerationen wie auch in der S-Bahn.