Wer ein Elektrofahrzeug fährt, möchte es möglichst problemlos und überall auftanken können. Das noch fehlende öffentliche Netz an Schnellladestationen und das noch lückenhafte Netz an öffentlichen Ladestationen in der Schweiz hält viele Fahrzeuglenker noch davon ab, auf elektrischen Antrieb umzusatteln. Obwohl die Argumente, energiesparend und umweltschonender zu sein, durchaus dafür sprächen.

Flächendeckendes Netz wird aufgebaut
Dessen sind sich die massgebenden Unternehmen aus der Verkehrs-, Energie- und Telekommunikationswirtschaft bewusst. Sie haben sich im Rahmen einer Interessensgemeinschaft namens «EVite» verpflichtet, den Bau und Betrieb eines schweizweiten, für alle zugänglichen Netzes zu realisieren. Ziel dieses Projektes ist es, in zwei bis drei Jahren eine einheitliche Ladeinfrastruktur mit 150 bis 250 Schnellladestationen aufzubauen und das sichere Laden von Elektrofahrzeugen während 24h zu garantieren. «EVite» wird getragen von dem Verband «Swiss eMobility», der im September gegründeten Dachorganisation der Verkehrs-, Energie- und Telekommunikationswirtschaft zur Förderung der Elektromobilität.

Tanken und Kaffee trinken
Rein technisch sei es keine grosse Herausforderung, Schnellladestationen aufzustellen, sagt der Geschäftsführer von Alpiq E-Mobility, Peter Arnet: «Eine der grössten aktuellen Herausforderungen in der Schweiz ist es, genügend Unternehmen und Organisationen dazu zu bewegen, in Ladeinfrastruktur zu investieren.»Viele europäische Länder bauen derzeit Schnellladenetze auf, in denen an sogenannten Coffee-and-Charge-Stationen in 20 bis 40 Minuten die Batterien der Fahrzeuge geladen werden können. In einigen europäischen Ländern könne man bereits heute uneingeschränkt mit einem Elektromobil unterwegs sein. «Überall dort, wo die Politik die Bestrebungen unterstützt und die Ladeinfrastruktur aufgebaut ist, steigen die Verkaufszahlen immer steiler an», sagt er und verweist auf das Beispiel von Norwegen. Dort sei der rein elektrische Nissan Leaf dank Steuererleichterungen bereits heute eines der meist verkauften Fahrzeuge. Hinzu komme, dass viele Besitzer von Benzin- und Dieselfahrzeugen ihre Fahrzeuge im Winter beheizen und daher bereits einen Elektroanschluss auf dem Parkplatz hätten.

Tanken zu Hause oder beim Arbeitgeber
Um sein Elektrofahrzeug flott zu machen, würden in der Schweiz überwiegend Heimladestationen («Home-Charge-Devices» – HCD) oder Ladestationen am Arbeitsplatz genutzt, ist Arnet überzeugt. Intelligente HCD-Lösungen ermöglichen verzögerte Ladungen, um Nachtstrom auszunutzen. Für Firmen gibt es verschiedene Ladestationen, an denen Mitarbeitende ihre Fahrzeugbatterien aufladen können.

Hohe Belastung durch Verkaufsspitzen
Als Problem könnten sich in Zukunft die Verbraucherspitzen herausstellen. Bei der Planung einer Grossüberbauung beispielsweise müssen die hausinternen Installationen so ausgelegt werden, dass sie der Belastung durch viele, gleichzeitig stattfindende Ladevorgänge standhalten können. Auch die Belastung des gesamtschweizerischen Stromnetzes, wenn nach Arbeitsschluss die Besitzer der Elektroautos fast gleichzeitig über ihre Ladestation Strom beziehen, stellt eine Herausforderung dar. Peter Arnet sieht in den Verbindungslinien zwischen Stromnetz, intelligenten Ladesäulen und den E-Fahrzeugen eine Chance: «Die Autobatterie ist weit mehr als ein Stromfresser, sondern bietet viel mehr die Möglichkeit, zum Beispiel in Phasen von hoher Stromproduktion durch Photovoltaik oder Windanlagen als Speicherzelle zu dienen.» Jedoch werde die Schweizer Politik wohl nachziehen. «In der Schweiz findet Förderung im Bereich der E-Mobilität vor allem bei der Forschung statt. Wenn man davon ausgeht, dass erneuerbare Energieproduktion, Netzmanagement und Elektrofahrzeuge in einer Abhängigkeit stehen wird sich die Politik in Zukunft damit befassen», ist er überzeugt.