An einem sonnigen Frühlingstag mit der ganzen Familie eine kleine Autotour an den Vierwaldstättersee geniessen oder am Abend in einem edlen Restaurant auf dem Land dinieren, alles ohne eigenes Auto - Carsharing als neues Mobilitätskonzept eroberte die Schweiz in den 90er-Jahren als intelligente und billige Alternative zum eigenen Wagen.

Bereits seit 1987 in der Schweiz
Bereits 1987 entstanden in der Schweiz die ersten zwei Carsharing-Genossenschaften, die AutoTeilet-Genossenschaft (ATG) in Stans und die ShareCom in Zürich, die aber beide in ihrer Anfangszeit von ehrenamtlicher Arbeit getragen werden mussten. Erst in den 90er-Jahren wuchs diese Branche rasant an, da sowohl Einzelpersonen wie auch Firmen die Vorteile von Carsharing entdeckten.
Ein zentrales Merkmal der Carsharing-Branche ist die Anknüpfung der Autos an den öffentlichen Verkehr. So sind die Standorte der Autos oft an dessen Knotenpunkte (wie Bahnhöfe oder Endstationen) gebunden, damit man zwar mit der Bahn in die Region anreisen kann, entlegenere Ortschaften aber dennoch nicht mühsam mit dem Bus oder zu Fuss erreichen muss, sondern bequem per Auto. Die Schweiz ist wegen dieser Verknüpfung von öV und Autos auch ein ideales Land für Carsharing, denn das Verkehrsnetz ist hierzulande extrem gut ausgebaut, die Zugverbindungen häufig und schnell.

Ökologische und persönliche Vorteile
Vom ökologischen Gesichtspunkt her ist diese Ankopplung an den öffentlichen Verkehr eines der Hauptvorteile von Carsharing: Es ermuntert die Carsharing-Kunden den öffentlichen Verkehr zu benutzen und entlastet so das Strassennetz. Je nach Carsharing-Anbieter gibt es sogar die Möglichkeit, Elektroautos zu mieten. Mit der Wahl eines solchen Fahrzeuges können die Kunden zusätzlich etwas für den Klimaschutz tun. Carsharing weist aber nicht nur ökologische Vorteile auf, sondern auch preisliche. Falls man im Jahr beispielsweise 15000 Kilometer zurücklegt, 25% davon mit Carsharing und 75% davon mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, beträgt das Sparpotenzial in einem Jahr ungefähr 3000 Franken, in einem Monat also 250 Franken. Bei lediglich 5000 Kilometern im Jahr spart man sogar 4500 Franken. Besonders für Familien, die sich ein Familien-GA leisten und für Ausflüge noch Carsharing einberechnen, ist das Angebot äusserst erschwinglich. Aber: Wer täglich die Strecke Zürich-Bern pendelt, wird wohl besser mit einem eigenen Auto fahren, denn ab einer jährlichen Kilometerzahl von 20000 und einer 50%igen Nutzung von Carsharing kommt es gleich teuer zu stehen wie ein eigenes Fahrzeug.

Keine Garagenmiete oder ­Versicherungsprämien
Beim eigenen Auto müssen aber noch andere Kosten miteinberechnet werden, die bei Carsharing von der Firma übernommen werden: Anschaffungskosten, Garagenmiete, Fahrzeugsteuer, Versicherungsprämien und Unterhalt fallen weg, zudem werden bei Carsharing-Firmen oft verhältnismässig neue Autos angeboten. Des Weiteren fallen viele ärgerliche Formalitäten wie die Beschaffung einer Umweltplakette oder die Abgasuntersuchung weg, die bei einem eigenen Auto regelmässig Geld und Zeit kosten.
Carsharing hat auch den praktischen Vorteil, dass die Kunden, je nach Situation und Bedarf, unter mehreren Fahrzeugtypen auswählen können – meistens stehen Sportwagen, Kombis oder Transporter für Umzüge zur Verfügung, sodass man das Angebot nach Lust und Laune nutzen kann. Natürlich gibt es beim Carsharing nicht nur Vorteile, sondern auch gewisse Nachteile. Carsharing ist nicht für den täglichen Gebrauch gedacht, und bei längeren Strecken wie Fahrten in den Urlaub eher teuer – oder eben für einen Pendelweg Bern – Zürich. Als Ergänzung zu dem in der Schweiz hervorragenden öffentlichen Verkehrsnetz sowie für den Gelegenheitsgebrauch, beispielsweise für Sommerausflüge mit der Familie oder für einen Grosseinkauf, ist Carsharing aber eine ökologisch, preislich und praktisch sinnvolle Lösung.