Was genau ist Geothermie?

Unter Geothermie wird die Nutzung der im Untergrund gespeicherten Wärme verstanden. Je nach Tiefe wird von untiefer, mitteltiefer und tiefer Geothermie gesprochen.

Bei den beiden letzteren Typen unterscheidet man wiederum zwei Verfahren: Die hydrothermale Geothermie nutzt das in Erdschichten vorhandene warme Wasser. Bei der petrothermalen Geothermie wird heisses Gestein stimuliert, dabei entstehen kleine Risse. Durch diese wird kaltes Wasser gepumpt, welches sich erwärmt und zur Strom- und Wärmegewinnung genutzt werden kann.

Welchen Anteil hat Geothermie am gesamten Energiemix in der Schweiz?

Massgeblich für die Energienutzung und den Energiemix ist die Energiestrategie 2050. Darin konkretisiert der Bundesrat seine Vorstellungen zur Geothermie. Allerdings äussert er sich direkt bloss zur tiefen Geothermie.

Die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen sollen ermöglichen, dass die tiefe Geothermie bis 2050 in der Schweiz 4,4 Terawattstunden Strom liefern könnte. Heute liegt der Anteil der Umweltwärme (zu der auch die Geothermie gehört) noch unter zwei Prozent.

Wie sicher ist die Energie aus der Tiefe (Ereignisse St. Gallen / Basel)?

Die Erdstösse in Basel und St. Gallen sorgten verständlicherweise für grosses mediales Aufsehen und Verunsicherung in der Bevölkerung. Trotzdem konnten aus beiden Vorhaben wertvolle Erkenntnisse für die künftige Entwicklung der Technologie gewonnen werden.

Um das Risiko induzierter Seismik besser zu verstehen und zu reduzieren, sind in der Schweiz intensive Forschungstätigkeiten im Gange. Aktuell sind rund 50 Wissenschaftler in entsprechenden Forschungsprogrammen engagiert.

Wo sehen Sie das Potenzial in der Zukunft?

Mittelfristig hat neben der untiefen (Erdsonden-Wärmepumpen) vor allem die mitteltiefe hydrothermale Geothermie grosses Potenzial. Entsprechende Projekte gibt es in Riehen BS, Lavey-les-Bains VS oder Vinzel VD.

Der Kanton Genf verfolgt mit dem 2014 lancierten Projekt Geothermie 2020 das Ziel, die Wärmeerzeugung aus fossiler Energie substanziell zu reduzieren, und setzt dabei vor allem auf die Geothermie.

Das 2017 von der Stadt Bern und Energie Wasser Bern (ewb) lancierte Projekt «Geospeicher» will die ungenutzte Abwärme aus der Kehrichtverbrennung in den Sandsteinschichten in einer Tiefe von 200 bis 500 Metern speichern, sodass diese im Winter wieder genutzt werden kann.