Es bedarf keines Blicks in eine Kristallkugel, um vorauszusagen, dass wir in Zukunft haushälterischer mit der verfügbaren Energie umgehen müssen. Gedanken an kerzenbeleuchtete Räume, frostige Schlafzimmer oder winzige Wohnungen lassen jedoch manch einen komfortgewohnten Zeitgenossen erschauern. «Natürlich wäre ein Verzicht auf Komfort der einfachste Weg, um Energie zu sparen», weiss Geschäftsleitungsmitglied Adrian Altenburger vom Zürcher Engineering- und Consultingunternehmen Amstein + Walthert AG. Um sogleich anzufügen: «Aber das ist erstens nicht mehrheitsfähig und zweitens auch nicht notwendig.»

Komfort wird nicht eingeschränkt
Energieeffizienz ist eine Möglichkeit, solche Schreckensszenarien zu verhindern. Denn sie zielt auf eine Reduktion des Energieverbrauchs, ohne dabei den Komfort einzuschränken. In der Stube dürfen also auch in Zukunft wohlige 20 Grad herrschen. «Das Ziel der Energieeffizienz ist, den gewünschten Raumkomfort mit möglichst geringem Energieaufwand zu erreichen», erläutert Altenburger. Energieeffizienz bedeutet also, einen klar definierten Nutzen mit möglichst geringem energetischem Aufwand zu erzielen. Und das ist sowohl mehrheitsfähig als auch nötig. Denn die individuellen Komfortansprüche in der Gesellschaft nehmen unvermindert zu. Erste Schritte zu dieser Reduktion sind gemacht, wie Adrian Altenburger bestätigt: «Moderne Neubauten haben einen um den Faktor fünf reduzierten Energieverbrauch, verglichen mit alten Gebäuden.» Möglich wurde dieser Sprung zum Einen durch bessere Wärmedämmung und effizientere Gebäudetechnik. Zum Anderen leisten auch immer bessere Gebäudeautomationslösungen einen wichtigen Beitrag. «Gebäudeautomation als solche spart zwar keine Energie», weiss Experte Altenburger. Ihren Effekt entfaltet sie erst durch ihren intelligenten Einsatz. Etwa bei Lüftungsanlagen, welche die Luftzirkulation erst dann aktivieren, wenn die Luftqualität einen bestimmten Wert unterschreitet und nicht – wie bei älteren Anlagen üblich – permanent betrieben werden und dabei unnötige Energie verbrauchen.

Dreifacher Effekt
Bessere Wärmedämmung von Gebäuden, Wärmepumpen und Solaranlagen, stromsparende Geräte und Lampen sowie intelligente Automationslösungen reduzieren den Energiebedarf also massiv. Und der Effekt ist dreifach: Neben ökonomischen Vorteilen im Betrieb kann durch die Steigerung der Energieeffizienz auch die Abhängigkeit von externern Lieferungen generell verringert werden. Und schliesslich sinken auch die an den Energieverbrauch gekoppelten Treibhausgasemissionen. Statt Jahr für Jahr Milliarden von Franken für schlecht genutzte Energie an Erdöl- und Stromkonzerne zu schicken, erreicht man durch Investitionen in Energieeffizienz die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung im Inland – etwa für Gebäudesanierungen, tiefere Heiz-, Strom- und Treibstoffkosten lassen sich die verfügbaren Mittel für Wirtschaft, Haushalte und öffentliche Hand steigern. Und auch das Klima atmet auf, weil der Ausstoss von treibhauswirksamem CO2 deutlich reduziert wird.

Potenziale müssen ausgeschöpft werden
«Durch das Ausschöpfen der Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz und die damit verbundene Senkung des Energieverbrauchs dürfte es zudem realistisch werden, dass in Zukunft das Ziel, einen wesentlichen Anteil des Schweizer Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien zu decken, erreicht wird», sagt Altenburger und weist als Präsident der SIA Energiekommission abschliessend auf den «SIA Effizienzpfad Energie» und das in Arbeit befindliche «SIA-Merkblatt Betriebsoptimierung» hin.