Und in den vergangenen Jahren hat sich einiges getan. Doch die Bestrebungen müssen noch verstärkt werden, ist Giuse Togni, Präsidentin der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (S.A.F.E.), überzeugt.
 

Im Jahr 2010 ist der Energieverbrauch in der Schweiz auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr wurde 4,4 Prozent mehr Energie verbraucht. Der Stromverbrauch nahm um insgesamt vier Prozent zu. Die Gründe dafür sind vielseitig. «Der Stromverbrauch ist auch immer abhängig von der Witterung im betreffenden Jahr», sagt Giuse Togni, Präsidentin der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (S.A.F.E.). Ausserdem spiele auch das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum eine Rolle. Trotzdem müsse insgesamt für die Energieeffizienz noch mehr getan werden, ist Togni überzeugt.

Enormes Potenzial
Denn um die Energiewende zu schaffen, gilt es auch, Energie zu sparen. «Es ist sicherlich wichtig, erneuerbare Energien zu fördern. Der billigste Weg ist jedoch, den Energieverbrauch zu reduzieren», sagt Togni. S.A.F.E. geht davon aus, dass mit den richtigen Massnahmen der Stromverbrauch bis 2020 um rund 30 Prozent reduziert werden könnte – und dies ohne auf Komfort verzichten zu müssen. In die Berechnungen wurde auch das zu erwartende Bevölkerungswachstum mit einbezogen. Die Massnahmen können dabei vielseitig sein. «Ein grosses Problem in der Schweiz sind sicherlich die vielen Elektroheizungen», sagt Togni. Kaum ein anderes Land in Europa ausser Frankreich habe eine so hohe Dichte an Elektroheizungen – und diese gehören zu den grössten Stromfressern überhaupt. Doch auch die Sanierung der Häuser müsse vorangetrieben werden. «Die Gebäude richtig zu isolieren, ist zwar nicht ganz billig, aber es ist eine relativ einfach Massnahme, die eine grosse Wirkung erzielt», sagt Togni.

Elektrogeräte ausschalten
Auch bei den Elektrogeräten gibt es ein riesiges Potenzial. «Wir haben immer mehr Elektronik in unserem Umfeld. Wir gehen heute davon aus, dass auf Quadratmeter Wohnfläche ein Elektrogerät kommt», sagt Togni. Jeder Einzelne kann hier helfen, Strom einzusparen. «Stellt man die Geräte ganz ab und lässt sie nicht im Standby-Betrieb, so lassen sich etwa fünf bis zehn Prozent Strom einsparen», sagt Togni. Allein durch den Standby-Betrieb von Geräten werden in der Schweiz über zwei Milliarden Kilowattstunden pro Jahr verschwendet. Aus diesem Grund rät S.A.F.E. den Konsumenten, Elektrogeräte über eine Stromleiste immer ganz auszuschalten.

Doch mitunter seit Fukushima und dem beschlossenen schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie hat sich in der Schweiz schon einiges getan. Heute können die Konsumenten bei den allermeisten Elektrogeräten die Energieeffizienz über eine Energieetikette ablesen. «Gerade bei grossen Verbrauchern wie zum Beispiel bei Tumblern gibt es Verbesserungen», sagt Togni. Und es gebe noch eine Reihe kleine Stromverbraucher, bei denen die Vorschriften noch strenger sein könnten. «Das Bundesamt für Energie treibt die Entwicklung voran. Doch das braucht natürlich Zeit», sagt Togni. Nun seien aber auch die Hersteller gefragt, ihre Geräte noch effizienter zu konzipieren.

Topten-Label mit Weltruhm
S.A.F.E. ruft denn auch die Konsumenten nicht nur dazu auf, auf die Energieetikette zu achten, sondern sich wirklich für die besten der besten Geräte zu entscheiden. Über die Webseite topten.­ch sehen die Verbraucher, welche Produkte in verschiedenen Kategorien zu den zehn energieeffizientesten gehören. «Diese Produkte werden auch im Geschäft mit dem Topten-Label gekennzeichnet», erklärt Togni. Auf das Label, das in der Schweiz entwickelt wurde, ist inzwischen auch das Ausland aufmerksam geworden: «Schon rund 17 Länder aus der EU und auch China und die USA haben die Kennzeichnung für sich entdeckt», sagt Togni. Damit sei das Label zu einem wahren Erfolgsprojekt geworden und kann dabei helfen, die Energieeffizienz auch weltweit zu steigern.
Diese Beispiele zeigen, dass sich in der Schweiz in Sachen Energieeffizienz etwas tut. «Ein etwas höherer Strompreis könnte die Bestrebungen aber weiter verstärken», sagt Togni. Sie ist überzeugt, dass die Kosten für Strom heute noch zu tief sind. «Wenn ich einen ganzen Tag am Computer arbeite, bezahle ich etwa 20 Rappen für den Strom. Dies wird dem Mehrwert, den ich durch die Arbeit am Computer habe, nicht gerecht», sagt sie.