Mit etwa 35 000 zertifizierten Bauten Ende 2014 hat Minergie die Schweizer Bauwirtschaft in einem Mass beeinflusst, wie es noch kein anderes freiwilliges Instrument erreicht hat. So liegt der Anteil der zertifizierten Minergie-Bauten am gesamten Neubauvolumen bei etwa 35 Prozent und durch den kleineren Verbrauch der Minergie-Häuser gegenüber dem Durchschnitt verbraucht die Schweiz heute 200 Millionen Tonnen Heizöläquivalent weniger Energie. Der Wert dieser Minergie-Bauten erreicht heute insgesamt 100 Milliarden Franken. Deren Energieverbrauch ist jedoch so tief, dass auch ein massiver Energiepreisanstieg die Betriebskosten nur unwesentlich beeinflussen würde. Bei 60 Quadratmeter Wohnfläche pro Bewohner wohnen heute bereits über 400 000 Personen in einem Minergie-Haus und profitieren von hoher Energieeffizienz, guter Luftqualität und maximaler Schallisolation.

Ein Minergie-Gebäude verbraucht über 20 Prozent weniger Energie

Die wichtigste Wirkung von Minergie ist aber das positive Bild von energieeffizienter Bauweise. Anfang der 1990er Jahre galten sogenannte Energiesparbauten noch als unzuverlässig, unkomfortabel, kompliziert zu bedienen und schwer verkäuflich und wurden deshalb nur von sehr umweltbewussten Bauherrschaften gewählt. Heute stammen Investoren und Nutzer von Minergie-Häusern aus allen Gesellschaftsschichten. Dass Minergie-Gebäude energieeffizient sind, beweist die Tatsache, dass diese im Durchschnitt über 20 Prozent weniger Energie als ein herkömmliches Haus benötigen. Voraussetzungen für diese hohe Energieeffizienz sind eine gut wärmegedämmte Gebäudehülle und eine Komfortlüftung. Der Einsatz erneuerbarer Energien sowie effizienter Haushaltgeräte ist üblich. Dank tiefer Betriebskosten amortisieren sich die Investitionen in den Minergie-Standard – und das bei mehr Komfort.

Hintergründe des Erfolgs

Verantwortlich für den Erfolg von Minergie waren die mit der Marke propagierte Verbindung von Energie mit Komfort und Wert und die pragmatische, äusserst schlanke Definition der Standards. Dass sich dies mit kostengünstigen Massnahmen erreichen lässt, ist für viele Leute attraktiv. Nicht nur die Umwelt soll von Minergie profitieren, sondern primär der Nutzer. Schon 1996 wurde der erste Minergie-Standard mit rund vier Liter Heizöl pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche festgelegt. Mit einer geschickten Auswahl von Massnahmen konnte das gegenüber dem Verbrauch damaliger Durchschnittsneubauten spektakuläre Resultat kostengünstig erreicht werden. Die technische Basis lieferten die Erfahrungen mit der 1990 entstandenen Null-Heizenergie-Siedlung in Wädenswil.

Vom Entwicklungs- zum Testmarkt der kantonalen Vorschriften

Anfänglich haben sich nur die fortschrittlichsten Baufachleute und Bauherren getraut, die neuen Techniken, insbesondere automatische Wohnungslüftungen, einzusetzen. Mit der steigenden Verbreitung der Minergie-Bauten sind diese zum Stand der Technik geworden. Zum raschen Vertrauensgewinn hat sehr wesentlich beigetragen, dass sich neben der Wirtschaft auch der Bund und alle Kantone hinter die Ziele von Minergie gestellt und die Standards sehr aktiv gefördert haben. Das hat sich auch ausgezahlt, hat es doch den Kantonen schon 2008 erlaubt, mit einem ersten Schritt die Musterverordnung dem Niveau von Minergie anzunähern und so einen grossen Schritt im Sinne ihrer Energiegesetze zu realisieren.