Ein Haus in einem Minergie-Standard spart viel Energie und bietet den Bewohnern einen grossen Mehrwert an ökologischer Nachhaltigkeit, guter Luft, Schallschutz und viel niedrigeren Energiekosten als ein herkömmliches Gebäude.
 

Häuser würden noch nicht sehr lange nach einem Minergie-Standard gebaut oder umgebaut, sagt Christian Röthenmund, Geschäftsführer von Minergie Schweiz: «Diese Technik kam vor vielleicht 15 Jahren auf, zunächst für Einfamilienhäuser, aber sie hat die Bauwelt komplett verändert.» Bald hätte die Bauherrschaft gemerkt, dass ein Minergiehaus höhere Mieten oder beim Wiederverkauf höhere Preise bringe. Und Architekten, Generalunternehmer, Besitzer von Mehrfamilienhäusern, Genossenschaften, Immobilien-Investoren und die öffentliche Hand realisierten bald, dass sie etwa bei der Zürcher Kantonalbank für Häuser in Minergie-Technik bessere Zinsen bekamen, weil sie langfristig einen höheren Wert, aber ein kleineres Risiko bedeuteten.

Neue Standards
«Der zentrale Punkt bei Minergie-Häusern ist die Ersparnis beim Energieaufwand», sagt Röthenmund. «Die Abhängigkeit von den volatilen Märkten für Erdöl und Gas reduziert sich.» Zudem muss grundsätzlich noch sorgfältiger als sonst üblich gebaut werden, denn Minergie-Gebäude werden zertifiziert. Dazu braucht es eine Prüfung, ob die Konstruktion wirklich luftdicht ist und keine Schäden aufweist. So rechtfertigt sich durch den höheren Wert auch ein höherer Preis für ein Gebäude.
Laut einer Studie der Universität Zürich werden im schweizerischen Durchschnitt 25 Prozent aller Neubauten im Minergie-Standard gefertigt: «Das ist schon viel», sagt Röthenmund, Spannend findet er, dass es im Grossraum Zürich bereits gegen 55 Prozent sind. Minergie gibt vor, wie viel Energie ein Gebäude maximal verbrauchen darf, für Heizung und Warmwasser und zusätzlich für den Luftaustausch, das Herzstück der Anlage. Die Luftfilter schützen Allergiker vor Umwelteinflüssen der Aussen- und vor der Verschmutzung und Staubbelastung der Innenluft. Diese Lüftung sorgt auch für die Wärmerückgewinnung, weil zugeführte Frischluft durch die abgeführte Warmluft bereits aufgewärmt ist.

Entwicklung im Bau
Zusätzlich zum Basis-Minergie-Standard gibt es Weiterentwicklungen, die Nachhaltigkeit nicht nur am Bau, sondern auch im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich anstreben. Um diese zu erreichen, braucht es Minergie Eco. Hier gehören zur Minergie-Effizienz und zum Komfort der Frischluft-Lüftung auch zwei neue Elemente, nämlich die Raumgesundheit, zum Beispiel mit Tageslicht und Schallschutz, sowie eine erweiterte Bau-Ökologie mit der Auswahl von ökologisch sinnvollen Materialien, möglichst schlanken Betonelementen und wenigen Armierungseisen.

«Billigbauten erreichen die hochgesteckten Nachhaltigkeitsanforderungen nicht.»

Auch von flexiblerer Raumaufteilung mit variablen Trennwänden ist die Rede.
Die Innovationskraft der Bau- und Energiespeziaisten bleibt hier noch nicht stehen. Neu ist Minergie P, ein Passivhaus, das 40 Prozent weniger Energie als ein herkömmlicher Neubau verbraucht. Zukunftsweisend ist auch die Energiestrategie, bis 2050 möglichst viele erneuerbare Energieformen einzuführen, etwa Photovoltaik, Solarthermie, Minergie A.

Gemeindebehörden und Politiker merkten nach der Erdölkrise von 1973, dass autofreie Sonntage nicht die Lösung sein konnten. Besonders die gros­sen Kantone Zürich und Bern, aber auch kleine Kantone entwickelten freiwillig Minergie-Standards und bewilligen heute sehr gerne entsprechende Baueingaben.

Sanieren von Bauten
Das Umrüsten älterer Bauten auf einen der Minergie-Standards sei sehr anspruchsvoll, betont Röthenmund, aber nicht unmöglich: «Es verlangt viel vom Architekten und viel vom Besitzer, vor allem viel Geld. Energie-Modernisierung kostet am Ende gleich viel wie ein neues Minergie-Gebäude.» Kantone und Bund suchten Möglichkeiten, dies zu verbessern, und entwicklelten GEAK, den Gebäude-Energie-Ausweis der Kantone als Qualitätslabel. Der Energieverlust eines Gebäudes wird untersucht, und vielleicht müssen etappenweise nur die grössten Lecks saniert und eine Minergie-Heizung installiert werden. Nach ­GEAK braucht es aber noch die individuelle Beratung durch GEAK-Experten, 1500 besonders ausgebildete Spezialisten in Stadt und Kanton Zürich, die kostenfreie Energie-Coachings anbieten.

MUKEN heisst die Abkürzung für die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich. Alle 26 Stände sollen ihre Energiegesetze miteinander abstimmen. Die jetzige Harmonisierung wird 2018 in Kraft treten. «Das ist ein politischer Prozess», so Röthenmund, «vom Bündnerland bis Genf. Alle haben begriffen, dass diese Anstrengungen gut für die Zukunft der Schweiz sind.»