Durch 250 000 km Stromleitungen fliesst der Schweizer Strom, bevor er bei den Konsumenten eintrifft. Ausgehend von meist recht grossen Kraftwerken, veritablen Stromproduktionszentren, verästelt sich das Verteilnetz immer feiner. Mit der stärkeren Nutzung von Wind und Sonne zur Stromproduktion ändert sich die bisherige Ordnung. Wer sich Solarzellen aufs Hausdach montiert, will «seinen» Strom zwar vor allem selbst nutzen, aber auch überschüssige Produktion einspeisen, und muss entsprechend ans Netz angebunden werden. Diese Integration kann Kosten generieren, die der Endverbraucher spüren wird, prophezeit eine aktuelle Studie des Bundesamts für Energie (BFE). Nur bei einem moderaten Anteil dieser Produktion und gleichmäs­siger Verteilung der Anlagen werde der Aufwand für die Netze stabil bleiben, viel wahrscheinlicher aber steigen. Zudem führt diese Produktion nicht dazu, dass der bestehende Kraftwerkpark wesentlich reduziert werden kann.

Warum dezentrale Energie den Strom verteuert
Grosskraftwerke produzieren entweder für die Grundlast oder gezielt für Nachfragespitzen. Die Stromproduktion aus Wind und Sonne schwankt hingegen mit den natürlichen Gegebenheiten. Kurzzeitig wird viel produziert, schon ab einer geringen Anlagedichte deutlich mehr, als lokal verbraucht wird. Die Mehrproduktion muss deshalb über ein starkes Netz abtransportiert werden, und anderswo müssen Kapazitäten gekappt oder Speicherseen vollgepumpt werden, beides mit Wirkungsgradverlusten. Wenn kurz darauf Windflaute herrscht oder der Himmel wolkenverhangen ist, muss umgehend Ersatz beschafft werden, vor allem aus Pumpspeicherkraftwerken, die rasch hochgefahren werden können. Die BFE-Studie hat die Auswirkungen auf die Netzkosten verschiedener Szenarien von dezentraler Produktion berechnet. Die elektrische Energie selbst kostet heute 45% des Kilowattstunden-Preises für Haushalte. Weitere 10% sind für Serviceleistungen zu veranschlagen. Die übrigen 45% sind Netzkosten. Mit der Integration einer grösseren Menge dezentral produzierter Wind- und Sonnenenergie werden diese Netzkosten bald um ca. 10% steigen. Für die Stromrechnung bedeutet das eine Verteuerung um satte 5%. Warum steigen die Netzkosten selbst schon bei einem bescheidenen Anteil von Produktion aus Wind und Sonne? Der Kostentreiber ist die «Letzte Meile», also die Leitung zu den Endkunden. Denn der Transport kleiner Mengen im Verteilnetz kommt pro KWh viel teurer als auf der Stromautobahn mit ihrem gros­sen Durchsatz. Sollen die erneuerbaren Energien deutlich mehr zum Schweizer Strommix beitragen, muss das Stromnetz nicht nur instand gehalten, sondern oft auch verstärkt werden. Existierende Kraftwerke müssen an einen schwankenden Betrieb angepasst werden. Zudem bedarf es zusätzlicher Pumpspeicherkapazitäten. Wer Wind und Sonne in einem grösseren Umfang befürwortet, muss auch die Konsequenzen tragen – und den Preis dafür bezahlen.