Maggie Kölla
Projektleitung Tag des Lichts

Sie sind durch Ihre Lichtkunst ­bekannt und berühmt geworden. Was ist denn das Besondere daran?
Bei einem Monument etwa, das mit Projektionen in eine temporäre Lichtskulptur verwandelt wird, erkennt der Betrachter, dass die Realisation dieser Beleuchtung in verschiedenster Hinsicht viel Aufwand, Vorbereitungen und Wissen erfordert. Auch könnte es meine Handschrift sein, kreativ die unmöglichsten Hindernisse aller Art zu überwinden, um ans Ziel zu gelangen.

Wie lässt sich Licht gerade im ­alltäglichen Leben wirkungsvoll ­einsetzen?
Licht soll uns angenehm begleiten und wieder weg sein, wenn man den Ort verlassen hat. Das Licht soll Dinge hervorheben, beim Wohnen, bei der Arbeit und in der Freizeit, und gleichzeitig Sicherheit vermitteln. Oft wird Licht aber zu wirkungsvoll eingesetzt. Denken Sie nur an die Xenon-Lampen der neuen Autos. Die sind viel zu grell. Generell finde ich, dass Licht nur brennen sollte, wenn es wirklich nötig ist.

Wo sehen Sie den Unterschied ­zwischen Licht als Kunst an sich und Licht in Form von Beleuchtungskunst?
Wo Licht ist, sind auch Menschen. Wenn mit Licht gearbeitet wird, gilt es zu definieren, wie man vorgeht. Technisch beispielsweise im Bereich von zukünftigem organischem LED, das auch schon eine Form von Kunst ist. Oder plastisch, wo Dinge geformt werden, die leuchten. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Ich stelle mir vor, dass bei der Geburt des Universums die Atome so wild getanzt haben, dass die frei werdenden Energien gigantische Blitze durch das All jagten. Später hat der Mensch gelernt, das Feuer zu beherrschen. Dann kamen Fackeln, Kerzen, später die Glühbirne. Die eigentliche Geburt der Lichtkunst gibt es nicht. Die Chinesen beherrschen dies seit hunderten von Jahren mit ihren Lampions und Feuerwerken, die Ureinwohner Australiens mit ihrem Funkenregen der Feuerstellen. Für mich bedeutet Licht in erster Linie Leben und Energie.

Sie haben bereits unzählige ­Projekte realisiert. Wo lagen jeweils die besonderen Herausforderungen?
Technisch bei der Beleuchtung des Matterhorns aus drei Helikoptern. Körperlich ­anlässlich einer Expedition in Ägypten zum UNO-Jahr der Wüste mit der Beleuchtung der Monumente in der Weissen Wüste, der Pyramiden, Sphinx und des National Museums in Kairo. Abgehoben war die Beleuchtung eines fliegenden Flugzeuges. Komplex die Beleuchtung einer 800 Meter langen Brücke in Shanghai ab drei Schiffen. Mystisch die Expeditionen für Beleuchtungen von Eisbergen in der Antarktis und Arktis. Aktuell arbeite ich an der Beleuchtung der Jungfrau Nordwand auf einer Fläche von 300 auf 300 Meter mit verschiedenen Motiven zur 100-Jahr-Feier der Jungfraubahn. Die Beleuchtung erfolgt auf 3›300 Meter über Meer, ab einem Gletscher, wo ich über eine Woche unter der Wand in einer Schneehöhle «wohnen» werde. Ein weiteres aktuelles Projekt ist die Beleuchtung von Eisbergen zur 100-Jahr-Feier der Entdeckung des ­Südpols.

Welches ist Ihr ausgefallenstes ­Projekt, das Sie je realisiert haben?
Das war die Beleuchtung einer ganz kleinen SAC-Berghütte inmitten der grossen wunderschönen Schweizer Bergwelt anlässlich der 1. Augustfeier 2010 im Bündnerland sowie die Projektion von über 300 Meter grossen Steinböcken an die Gletscherwände des Bernina-Massivs im Engadin aus einem Helikopter für das Jubiläum 100 Jahre Wiederansiedlung der Steinböcke in der Schweiz.

Was heisst für Sie energieeffiziente Beleuchtung?
Das Licht nur brennen lassen, wenn es nötig ist. Und ganz wichtig: Die Technik der Leuchtquelle bestimmt die Energieeffizienz, nicht der Nutzer.

Was sagen Sie zum oft gehörten ­Argument der Lichtverschmutzung?
Lichtverschmutzung entsteht dann, wenn zu viel Licht in den Nachthimmel strahlt, etwa bei der Beleuchtung von Flughäfen oder Fussballstadien. Es wird immer ein Spannungsfeld sein, wie viel Licht es im öffentlichen Raum braucht, um Sicherheit und Effizienz in Einklang zu bringen. Lichtverschmutzung würde ich auf den gleichen Sockel stellen wie Stromverschwendung, wenn Geräte eingeschaltet sind, die gar nicht genutzt werden.