Minergie ist heute in aller Munde. Das Qualitätslabel für neue und modernisierte Gebäude wird von der Wirtschaft, den Kantonen und dem Bund gemeinsam getragen und ist vor Missbrauch geschützt. Der Ausbaustand sei regional unterschiedlich, sagt Franz Beyeler, Geschäftsführer von Minergie Schweiz. Hinzu komme, dass gerade bei der Sanierung bestehender Liegenschaften zu wenige Spezialisten vorhanden seien. «Zurzeit gibt es einen Mangel an ausgebildeten Fachleuten, die überhaupt in der Lage sind, die hohen Ansprüche von Minergie-Lösungen fachtechnisch umzusetzen», betont Beyeler. Wenn etwa in einer bestehenden Liegenschaft nachträglich eine Lüftungsanlage eingebaut werden soll, benötige man Fachpersonal, welches über das entsprechende Know-how verfügt.

Nicht nur Rendite
Ein Problem sei heute, dass nach wie vor zu viele Sanierungen gemacht werden, bei denen nur Einzelteile erneuert werden, sagt Beyeler. Das kann zu bauphysikalischen Problemen wie Feuchtigkeit oder Schimmel führen. Der Sachverstand für intelligente und umfassende Sanierungen ist gemäss Beyeler noch nicht überall vorhanden. Zudem dürfe bei Sanierungsmassnahmen nicht nur die Frage nach der Rendite im Vordergrund stehen. Wichtig sei vielmehr, was am Schluss dem Wohlbefinden der Bewohner dient. Wenn es um diese Frage geht, würden sich entsprechende Investitionen lohnen, so Beyeler: «Mit der Minergielösung soll ja in erster Linie eine möglichst hohe Lebensqualität angestrebt werden.» Konkret: Wer etwa an einer stark befahrenen Strasse wohnt, ist darauf angewiesen, dass er dank einer guten Lüftung die Fenster nachts geschlossen halten kann.

Kommunikation verbessern
Das Minergie-Haus produziert im besten Fall so viel Energie, wie es benötigt. Eine perfekte Wärmedämmung ist bei einem Neubau heute kein Problem mehr. Anders sieht die Situation bei bestehenden Liegenschaften aus. Oft verhindern Vorschriften bei denkmalgeschützten Häusern eine dämmende Sanierung der Aussenfassade. Auch Vorschriften bei Grenzabständen zwischen einzelnen Liegenschaften können bei einer Aussensanierung einschränkend wirken. Bei Mietobjekten müsse die Kommunikation zwischen Mietern und Vermietern verbessert werden, sagt Franz Beyeler: «Nur so ist es möglich, den Parteien aufzuzeigen, welche Vorteile eine Minergielösung für beide Seiten bringt.»

Breite Akzeptanz
Im Zentrum einer sinnvollen Minergielösung steht immer der Komfort der Gebäudenutzer, unabhängig davon, ob es sich um eine Wohnliegenschaft oder ein Geschäftshaus handelt. Der spezifische Energieverbrauch gilt dabei als Leitgrösse, um die geforderte Bauqualität zu quantifizieren. Der Baustandard geniesst heute eine breite Akzeptanz. Gründe dafür gibt es viele: Bauherrschaften, Architekten und Planer sind in der Gestaltung, in der Materialwahl und in der inneren und äusseren Struktur eines Gebäudes völlig frei. Kein Wunder, hat sich in der Baubranche mittlerweile ein vielfältiges Angebot an Dienstleistungen und Produkten für Minergie-Bauten entwickelt. Heute gebe es genügend Förderanreize, sagt Franz Beyeler. Den Worten müssten aber auch Taten folgen. Seine Vision ist klar. Gerade bei Neubauten. «Der Trend geht ganz klar in Richtung von Häusern, die fast keine Energie mehr benötigen und selber Energie produzieren.»