Viele wissen nicht, dass pro Jahr in der Schweiz zwischen neun und zehn Millionen Kubikmeter Holz nachwachsen. Es lohnt sich, sich diese riesige Zahl vor Augen zu führen: das sind pro Minute (!) fast 20 grosse Müllcontainer von jeweils einem Kubikmeter Volumen. Davon werden aber erst rund 70 Prozent genutzt. Es besteht hierzulande also noch ein enormes Nutzungspotenzial in der Höhe von fast drei Millionen Kubikmetern Holz pro Jahr. Eine Steigerung des Brennholzverbrauchs zur Wärmegewinnung um 50-60 Prozent sei problemlos möglich, ohne den Wald zu strapazieren, sagt Christoph Aeschbacher, Geschäftsführer von Holz-energie Schweiz. Das oft gehörte Argument, der Wald nehme durch den Holzschlag Schaden, stimmt nicht. Denn zu einer effektiven Waldpflege gehört das Schlagen von Holz. Ausserdem fällt bei der Waldpflege nicht nur wertvolles Nutzholz, sondern auch qualitativ minderwertiges Holz an. Dieses eignet sich hervorragend als Energieholz. Zurzeit beträgt der Anteil von Holzenergie am Wärmebedarf der Schweiz rund 8 Prozent. Würde das bisher ungenutzte Potenzial ausgeschöpft, könnte sich dieser Anteil auf 12 bis 13 Prozent erhöhen, führt Aeschbacher aus. Falls der Energieverbrauch der Gebäude in der Schweiz in den nächsten Jahrzehnten halbiert wird, ist sogar ein Anteil von 25 Prozent am Wärmemarkt erreichbar.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor
Im Gegensatz beispielsweise zu fossilen Energieträgern ist Holz eine lokale Brennstoffressource. «Man muss es nicht 6000 Kilometer über den Ozean transportieren», verdeutlicht Aeschbacher. Es erhöht also die Versorgungssicherheit unseres Landes und reduziert die Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland. Ausserdem stärkt es die Schweizer Volkswirtschaft: nicht weniger als 100 000 Menschen sind in der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft beschäftigt – viele davon in wirtschaftlich nicht besonders stark entwickelten Regionen. Ein weiterer Vorteil gegenüber fossilen Energieträgern: Holz belastet das Klima nicht, denn es bindet während des Wachstums gleich viel CO₂ wie bei der Verbrennung freigesetzt wird. Holz ist daher CO₂-neutral und trägt nicht zum Treibhauseffekt bei, der für die Klimaerwärmung verantwortlich gemacht wird. Bei vielen erneuerbaren und umweltfreundlichen Energiequellen werden berechtigte Einwände geltend gemacht. So wird beispielsweise bei der Sonnenenergie oft argumentiert, dass sie nicht gespeichert werden kann – die Energie kann nur genutzt werden, solange die Sonne scheint. Holzenergie kennt dieses Problem nicht. «Sie kann dann genutzt werden, wenn sie gebraucht wird»,  sagt Aeschbacher.

Korrekter Betrieb ist zentral
Aeschbacher gibt aber zu bedenken, dass bei Holzfeuerungen einige Punkte beachtet werden müssen. «Es ist zentral, was oben aus dem Kamin herauskommt», sagt er. Denn veraltete und falsch betriebene Holzfeuerungen stossen viel mehr Luftschadstoffe (v.a. Russ, Feinstaub) aus neue, richtig betriebene. Der korrekte Betrieb von Holzfeuerungen ist deshalb von grösster Bedeutung. Für Privatpersonen speziell relevant ist, dass kein Papier oder Karton und unter keinen Umständen Abfall mitverbrannt werden sollte. «Ein Kamin ist keine persönliche Kehrichtverbrennungsanlage», verdeutlicht Aeschbacher. Ausserdem sollte die passende Holzheizung (Cheminée, Schweden- oder Pelletofen und Zentralheizung) gewählt werden. Auch ist Sorgfalt beim Anfeuern angebracht. Wer von den Vorteilen des Heizens mit Holz Gebrauch machen will, sollte unbedingt darauf achten, dass seine Holzheizung das Qualitätssiegel von Holzenergie Schweiz aufweist. «Holz ist ein Universalgenie», sagt Aeschbacher, «es muss nur richtig genutzt werden.» Die Holzenergie hat seit 1990 trotz einem hart umkämpften Energiemarkt laufend Marktanteile gewonnen. Aeschbacher ist optimistisch, dass die Nutzung von Holz zur Wärmegewinnung weiter zunehmen wird. Genügend Holz stellt unser Wald ja bereit.