Werden in einem Einfamilienhaus alle Fenster saniert, können während deren Lebensdauer 400 Gigajoule eingespart werden. Zur Veranschaulichung: Damit könnte ein durchschnittliches Auto 145‘000 Kilometer zurücklegen, also ungefähr die Strecke Zürich – Australien. Ein riesiger Energieverschleiss, der durch eine einfach Fenstersanierung eingespart werden könnte. «In der Schweiz gibt es rund 1,5 Millionen Gebäude, die unnötig viel Energie verschwenden», sagt Dr. Sabine Perch-Nielsen von der nationalen Dienstleistungszentrale des Gebäudeprogramms. Deshalb wurde das Gebäudeprogramm entworfen – ein Förderprogramm von Bund und Kantone für energieeffiziente Sanierungen und erneuerbare Energien, das den CO2-Ausstoss und den Energieverbrauch von Gebäuden in der Schweiz senken sollte.  

Jedes nicht sanierte Haus ­eine verpasste Chance
«Über 40 Prozent des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen in der Schweiz fallen bei den Gebäuden an», erklärt Perch-Nielsen. «Das riesige Sparpotential, das hier vorhanden ist, wird aber leider zu wenig genutzt – nur ungefähr eineinhalb Prozent der Häuser werden saniert.» Häuser seien auch die trägsten Elemente des Energiesystems. So werden Autos und Elektronik nach zehn Jahren erneuert, bei Häusern dauert es durchschnittlich 40 Jahre: «Deshalb ist jedes Haus, dass man bei einer Renovation nicht auch energetisch saniert, eine verpasste Chance.» Eine solche Sanierung sei nicht wirklich billig, räumt Perch-Nielsen ein. Hier setzt aber das Gebäudeprogramm an: Hausbesitzer, die ein Haus oder deren Einzelteile, wie Fassade oder Dach, renovieren, können eine Förderung beim Kanton beantragen.

Nicht nur Heizkosten sparen
Der Fördersatz ist je nach Sanierung unterschiedlich. «Pro Quadratmeter Fenster werden 70 Franken gezahlt, für die Fassade oder das Dach 40 Franken, und für Flächen gegen unbeheizte Räume, wie eine Kellerdecke oder einen Estrich, bekommt der Hausbesitzer pro Quadratmeter 15 Franken», zählt Sabine Perch-Nielsen auf. Diese Förderung soll die Kostenbürde erleichtern. «Betrachtet man nur die eingesparten Heizkosten, amortisieren sich die Investitionen in die energetische Sanierung nicht», sagt Perch-Nielsen. Man müsse aber nicht nur die Heizkosten in die Kosten-Nutzen-Rechnung miteinbeziehen, sondern auch weitere Vorteile einer Sanierung. So verbessert sich der Wohnkomfort vor allem bei alten Häusern beträchtlich, da es keinen Durchzug mehr hat, dazu steigert sich der Wert des Gebäudes. Zusätzlich sichert man sich gegen teure Energiepreise in der Zukunft ab – und kann seinen Erben somit ein Haus überlassen, das gegen steigende Preise gewappnet ist. «Viele Hausbesitzer sind ältere Menschen, die sich auch über ihre Lebenszeit hinaus für ein energieeffizientes Haus entscheiden und ihren Kindern ein nachhaltiges Gebäude hinterlassen wollen», betont Perch-Nielsen. Nicht zu vergessen, dass ein wichtiger Beitrag zum Energiesparen und dem Klimaschutz geleistet wird.

Erneuerbare Energien fördern
Neben dem energetischen Sanieren ist es ein weiteres Ziel des Gebäudeprogrammes, die erneuerbaren Energien zu fördern. Dieser Teil wird, anders als die Förderung von Gebäudesanierungen, kantonal unterschiedlich geregelt. So kann jeder Kanton selber entscheiden, ob er Holzheizungen oder Wärmepumpen unterstützen möchte, je nach kantonalen Gegebenheiten. Weitere erneuerbare Energien, die gefördert werden, sind Sonnenkollektoren und Häuser nach dem Minergie-P-Standard. Für Neubauten in der Schweiz gibt es Mustervorschriften der Kantone, die vorschreiben, wie gut die Häuser abgedichtet sein müssen. «Die Technologie ist vorhanden», betont Perch-Nielsen. Nun ist es wichtig, dass nicht nur neue Häuser Energie sparen – sondern auch die älteren.