Herr Zinniker, was sind die neusten Entwicklungen in der Batterietechnik?
Generell gibt es keine grossen Sprünge oder neue Erfindungen. Vielmehr handelt es sich bei der Batterietechnik um eine langsame Entwicklung. Neue Typen und damit Verbesserungen gibt es vor allem bei den Lithium-Ionen- und Lithium-Polymer-Akkus. Dabei handelt es sich allerdings nicht um neue Erkenntnisse. Auch bei Batterien gibt es keine grossen Entwicklungen. Die erste Alkali-Batterie gab es bereits in den 70er-Jahren. Blei- und Kohlen-Zink-Batterien bestehen seit bald anderthalb Jahrhunderten. Die Elektrochemie kennt man noch länger, und damit auch mehr oder weniger alle Möglichkeiten und Kombinationen. Da wird zwar immer von neuen grossen Erfindungen geredet, die jedoch kaum realisiert werden.

Wo finden Fortschritte statt, wenn nicht in der Entdeckung neuer Kombinationsmöglichkeiten?
Es geht insbesondere um Fortschritte in der Produktion. Dies beinhaltet günstigere Herstellung oder auch erst die Möglichkeit, etwas herzustellen, wie etwa Lithium-Ionen-Akkus. Es handelt sich um eine langsame, stetige Entwicklung.

Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die Lebensdauer und Leistung von Batterien und Akkus?
Die Leistung wie auch die Grösse und das Gewicht verbessern sich. So kann immer grössere Leistung bei gleichen Abmessungen oder gleichem Gewicht erbracht werden. Auch die Lebensdauer von Batterien wird laufend verbessert und damit verlängert, doch handelt es sich auch hier nicht um grosse Sprünge. Wir sprechen von einer Leistungssteigerung von weniger als 10 % pro Jahr.

Was sind grundlegende Unterschiede zwischen Batterien und Akkus?
Die Batterie ist ein Wegwerfprodukt, das für den einmaligen Gebrauch vorgesehen ist. Alkali-Batterien kann man im Prinzip regenerieren, allerdings nicht beliebig oft, nur etwa 5–10 Mal. Vor etwa 15 Jahren war das interessant, als Akkus weniger leistungsfähig und teurer waren. Heute rentiert das nicht mehr. Ein Akku kann immer wieder aufgeladen werden. Der Leistungsunterschied bei Akkus und Batterien bei gleicher Grösse und gleichem Gewicht ist nicht gewaltig.

Was sind Vor- und Nachteile von Akkus und Batterien?
Akkus haben den Vorteil, dass sie bis zu 1000 Mal wieder aufladbar sind. Das wird zumindest versprochen. Ein Akku ist bereits billiger als Batterien, wenn man ihn nur 20 Mal auflädt. Ein Nachteil von Akkus gegenüber Batterien ist vielleicht, dass die Beschaffung erstmal teurer und dass ein spezielles Ladegerät nötig ist. Das macht Akkus nicht so leicht ersetzbar wie Batterien, die man sich überall beschaffen kann. Ein weiterer Vorteil von Batterien ist, dass sie viel länger frisch bleiben als Akkus. Batterien haben eine Lagerfähigkeit von etwa fünf bis zehn Jahren. Bei Akkus hängt die Lebensdauer von der Häufigkeit und Art der Benutzung ab. Zum Einen ist die Anzahl Ladezyklen begrenzt. Der Akku eines Handys oder eines Notebooks kann etwa 500 Mal aufgeladen werden. Zum Anderen altert ein Akku unabhängig davon ob man ihn braucht oder nicht. Nach drei, spätestens fünf Jahren erbringt ein Akku noch etwa die halbe Leistung.

Versucht man die Akku­lebensdauer bei Alltagsgeräten wie Handys und Notebooks zu verbessern?
Klar wird versucht, die Leistungsfähigkeit von Akkus zu verbessern. Die Benutzungsdauer eines Akkus auf zehn Jahre zu erhöhen wäre allerdings eher ein Nebeneffekt und kein wesentliches Interesse in der Entwicklung, da die meisten Leute ihre Alltagsgeräte bereits nach wenigen Jahren ersetzen. Der Aufwand und die höheren Kosten durch die sorgfältigere Fabrikation und Qualitätskontrolle zahlen sich nicht aus. Der Abnutzung von Akkus kann man entgegenwirken, indem man sie nur jedes zehnte Mal vollständig entleert.

Wie sehen Sie die Zukunft der Batterietechnik?
Auch wenn man mit keinen grösseren Entwicklungssprüngen rechnen kann, werden Batterien und Akkus sicher auch in 100 Jahren noch im Einsatz sein. Bei anderen Energien, wie der Solar- und Windenergie, wird es eine grosse Zunahme und starke Verbesserungen geben. Trotzdem kommt man auch bei diesen Energien nicht um Akkus herum. Da nicht ständig die Sonne scheint und der Wind bläst, braucht es einen Akku, der die Energie speichert.