Der Bundesrat hat vorgelegt: Die Energiestrategie 2050 ist präsentiert und vielfach diskutiert.
 

Manche haben laut aufgeheult, einige gar den Untergang der Schweiz prophezeit. Die Emotionen gingen hoch, Sachlichkeit war Mangelware. Die Auseinandersetzung um die Energiezukunft der Schweiz erlebte Ende Januar einen weiteren Höhepunkt.
Während die einen noch zweifeln und mit unseriösen Studien um sich werfen, beweisen andere längst, dass die Energiewende machbar ist und viele Vorteile hat: Gemeinden und Städte, die lange vor den Ereignissen in Fukushima den Atomausstieg beschlossen haben und deren Stadtwerke nicht nur für eine effizientere Energieverwendung sorgen, sondern auch nach und nach auf eine erneuerbare Energieproduktion umsteigen; Unternehmen, die in erneuerbare und effiziente Energietechnologien investieren; Private und Gewerbetreibende, die saubere Energie beziehen, diese selbst auf ihren Dächern oder Grundstücken produzieren oder sich zusammentun, um gemeinsam mehr zu bewegen. Vieles ist heute schon in Bewegung. Die Veränderung passiert, von unten nach oben.

Finanzierbar oder nicht finanzierbar – wer hat Recht?
Können wir uns diese Energiewende überhaupt leisten? Sicher ist: Energie kostet. Das gilt für erneuerbare Energien genauso wie für fossile und nukleare Energieträger. Während aber Atom- und Gaskraftwerke ständig mit teuer importierten Brennstoffen befeuert werden müssen, fallen bei Erneuerbare-Energie-Anlagen nur Kosten für die Errichtung und den Betrieb an. Doch 2011 stieg der Anteil der aus dem Ausland bezogenen Energie auf 79,3 Prozent, während nur 19 Prozent aus heimischen erneuerbaren Quellen stammten.

«Die Preise für konventionelle Energien werden steigen.»


Sicher ist auch: Die Preise für konventionelle Energien werden steigen. In welchem Mass, darüber orakelt die Internationale Energie Agentur seit Jahren an der Realität vorbei. Anders als für Öl, Uran, Kohle oder Gas werden die Preise für erneuerbare Energien jedoch nicht aus dem Ausland diktiert. Einmal am Netz, liefern Sonne, Wind, Wasser, Umweltwärme, Holz und sonstige Biomasse wenn auch nicht umsonst, so doch zu langfristig stabilen Preisen saubere Energie.

Vorteile für alle
Mit der Umsetzung einer in verschiedenen Aspekten optimierten Energiestrategie 2050 wird es gelingen, die Abhängigkeit der Schweiz und ihrer Wirtschaft von nuklearen und fossilen, aus dem Ausland importierten Energieträgern langfristig zu reduzieren und die Energieversorgung auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz umzustellen. Dann ist der Umbau des Energiesystems wirtschaftlich attraktiv, sozial ausgewogen und finanziell tragbar. So wird sie nicht nur Kosten verursachen, sondern der Wirtschaft – national, aber vor allem für das Gewerbe in den Regionen – positive Impulse geben und nachhaltig für mehr Beschäftigung und Einkommen sorgen. Mit verlässlichen und wirtschaftlich tragfähigen Rahmenbedingungen wird die Energiewende zu einer Chance für die kommunalen Räume der ganzen Schweiz.

Wie geht es weiter?
Der Bundesrat wird sich in den kommenden Monaten mit den vielen Antworten auf seine neue Energiestrategie auseinandersetzen. Er wird darauf aufbauend im Sommer/Herbst dieses Jahres seinen definitiven Vorschlag unterbreiten. Dann wird das Parlament gefordert sein. Die Nagelprobe für die Energiewende wird jedoch voraussichtlich erst 2015 anstehen, wenn es erwartungsgemäss zum Referendum für oder gegen die Energiewende kommen wird. Dann ist der Zeitpunkt da, um zu beweisen, dass erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz nicht nur die sicherere und ökologischere, sondern auch die verlässlichere und wirtschaftlichere Alternative sind. Dann wird sich auch weisen, ob der Grundsatz nach wie vor gültig ist, wonach sich eine Idee, deren Zeit gekommen ist, nicht mehr aufhalten lässt.