Die Solarindustrie wartet auf den grossen Boom der Sonnenenergie. «Nach der AKW-Katastrophe in Japan ist ein Umdenken für erneuerbare Energie markant spürbar», sagt Richard Güttinger, Geschäftsführer des Solarunternehmens Solarline. Auch der Entscheid des Bundesrats und der beiden Kammern für den Atomausstieg trage zu einer verstärkten Nachfrage bei. Auf diese Nachfrage müssen sich auch die Solarunternehmen einstellen. «Kunden, die sich schon längere Zeit mit dem Einbau einer Solaranlage befassen, sind nun bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein», sagt Güttinger.

Fachkräfte gesucht
Dass die Zukunft erneuerbar ist, davon ist der Geschäftsführer von Solarline überzeugt. «Trendmässig ist die erneuerbare Energie ganz klar auf dem Vormarsch», so Güttinger. Anzeichen dafür seien auch die neuen Gebäude im Minergie-Standard A und plus. Die Nachfrage nach erneuerbaren Energien und nachhaltigem Wohnen wächst. Doch die steigende Nachfrage nach Solaranlagen bei den Endkunden, stellt die Hersteller und die Installateure auch vor grosse Herausforderungen. Der Verband Swissolar warnt schon lange, dass nun in die Ausbildung von Fachkräften investiert werden müsste. Sonst werden diese in Zukunft fehlen und der Ausbau könnte ins Stocken geraten. «Ausgebildete Fachleute sind nicht oder nur selten auf dem Arbeitsmarkt zu finden, deshalb bilden wir unser Personal kontinuierlich in unserem Betrieb aus», sagt Güttinger. ­Gute Voraussetzungen für eine Weiterbildung bringen dabei Sanitär-, Heizungs-, Spengler-Installateure sowie Dachdecker mit. Doch auch Güttinger wäre froh, wenn er Zukunft auch Personal auf dem Arbeitsmarkt rekrutieren könnte.

Politik ist gefragt
Noch ist der Anteil der Sonnenenergie an der Energieproduktion in der Schweiz klein. Nachbarländern wie Deutschland konnten in der Vergangenheit die Solarenergie deutlich stärker ausbauen. «Zu Beginn der Solartechnologie hatte die Schweiz eine Vorreiterrolle. Leider wurde diese Ausgangslage von einigen Politikern klar unterdrückt», sagt Güttinger. Doch die Wende sei spürbar. Wenn nun selbst Ölfirmen für Solarunterstützung werben, dann sei dies ein klares Zeichen. «Wichtig ist aber nun, dass die Schweizer Politiker nach dem Bekenntnis zum Atomausstieg die richtigen Signale setzen», so Güttinger.

Neue Technik bringt Schub
Für die Solarenergie spricht auch der technische Fortschritt. In den vergangenen Jahren konnte die Energieeffizienz von Solarzellen stark erhöht werden. Zudem ist der Preis für die Anlagen gesunken. Damit wird der Solarstrom immer günstiger und wird schon bald auch ohne Fördermassnahmen zum normal produzierten Strom konkurrenzfähig sein. «Die Entwicklung schläft nicht», sagt Güttinger. Doch nur mit der Erfahrung von neuen Anlagen könne das Know-how auf neue Projekte übertragen werden. Allzu oft stehen dabei auch die Behörden im Weg. «Die Behörden verhindern manchmal mit nicht nachvollziehbaren Entscheiden den Bau von Solaranlagen», sagt Güttinger. Dies müsse sich in Zukunft ändern. Doch Güttinger ist überzeugt, dass nun ein Umdenken stattfindet. «Leute, die mich früher belächelt haben, gratulieren mir heute für die Voraussicht, schon früh auf die Solarenergie gesetzt zu haben», sagt er stolz.