David ­Stickelberger
Geschäftsleiter des ­Schweizerischen Fachverbands für Sonnenenergie «Swissolar»

Welchen Anteil hat die Solarenergie an der Stromproduktion der Schweiz in 15 Jahren?
Wir streben bis ins Jahr 2025 einen Anteil von 20 Prozent an. Das ist sicherlich ein ehrgeiziges Ziel, aber wir haben auch aufgezeigt, dass dies möglich ist. Neben der Fotovoltaik gibt es aber auch noch die Solarwärme – sie wird oft vergessen. Rund fünf Prozent unseres Stroms wird für das Warmwasser verwendet und rund sechs Prozent für Heizungen. Würde man hier vermehrt Solarwärme einsetzen, könnte dieser Strom eingespart werden.

Noch hat die Sonnenenergie einen minimalen Anteil an der Stromversorgung. Sind die Annahmen nicht etwas zu optimistisch?
Nein, diese Annahmen sind nicht zu optimistisch. Sie sind, wie gesagt, ehrgeizig, aber auch absolut realistisch. Die Frage ist viel eher: Wie soll unsere Stromversorgung sonst aussehen? Die Zeit der Atomenergie ist in der Schweiz nun definitiv vorbei. Man kann natürlich weiter auf fossile Energien – beispielsweise auf Gaskraftwerke – setzen. Aber in Anbetracht der katastrophalen Folgen des Klimawandels wäre das absolut unverantwortlich. Daneben gibt es Vorschläge, dass man die Wasserkraft noch massiv ausbauen könnte. Aber auch da darf man sich keine Illusionen machen, dieses Potenzial ist nicht mehr so gross.

Welches sind die grössten Herausforderungen auf dem Weg zum Ziel?
Die Anstrengungen im Bereich Aus- und Weiterbildung müssen weiter forciert werden. Denn für den Ausbau werden Fachleute benötigt. Wir rechnen damit, dass man in der Schweiz bis zu 5.000 neue Stellen schaffen kann und muss, damit das Ziel realisiert werden kann. Auch im Bereich der Forschung sind weitere Anstrengungen nötig. Die grösste Herausforderung ist jedoch die Finanzierung. Hier tun sich die Politiker in der Schweiz noch immer ein bisschen schwer. Der Vorteil der Solarenergie ist, dass nach dem Bau der Anlagen, der Strom praktisch kostenlos produziert wird. Die Unterhaltskosten sind sehr tief. Der Nachteil ist jedoch, dass am Anfang eine grosse Investition nötig ist. Deshalb sind zurzeit noch Förderprogramme notwendig. Wir haben ausgerechnet, dass man zum erreichen des 20 Prozent-Ziels auf das bestehende Förderinstrument der Kostendeckendeneinspeisevergütung (KEV) zurückgreifen kann. Die Mehrbelastung pro Haushalt und Monat würde weniger als 10 Franken betragen.

Noch ist der Solarstrom aber teuer...
Alleine in den letzten zwei Jahren ist der Preis für Solarstrom um etwa 50 Prozent gesunken und wird in diesem Jahr wieder um mehr als 30 Prozent sinken. Die normale Stromproduktion hingegen wird laufend teurer. Der Strompreis wird im Jahr 2025 etwa zwischen 25 und 30 Rappen pro Kilowattstunde kosten. Der Solarstrom wird laut unseren Berechnungen bis dahin schon unter 20 Rappen sein. Die beiden Kurven werden sich irgendwann zwischen 2015 bis 2020 schneiden. Dann ist der Solarstrom auch konkurrenzfähig.

Wer bremst heute den Ausbau der Sonnenenergie?
Das ist ein Teil der Stromwirtschaft. Die Produzenten haben wohl auch ein bisschen Angst, ihre Macht über das Stromnetz zu verlieren. Immer mehr von Ihnen sehen aber heute ein, dass erneuerbare Energien auch eine Chance sind. Daneben gibt es auch immer noch einige Politiker, welche die rasante technologische Entwicklung und Preissenkung bei der Solarenergie nicht sehen wollen und meinen, wir könnten so weitermachen wie bisher.

Was erwarten Sie konkret von der Politik in Zukunft?
Die Politik hat mit dem Atomausstieg ein wichtiges Signal gesetzt. Nun geht es darum, dies in Gesetze umzuwandeln. Die Politiker müssen nun beweisen, dass das Bekenntnis zum Ausstieg nicht einfach ein leeres Wahlkampfversprechen war. Es ist eine grosse Aufgabe, aber wir können sie bewältigen, wenn jetzt alle Hebel in Bewegung gesetzt und die Mittel zur Verfügung gestellt werden.