In Ihrem Unternehmensleitbild betonen Sie den Faktor Nachhaltigkeit. Was, Herr Lunk, muss ich mir darunter genau vorstellen?
Die Zementproduktion ist ein langfristiges Geschäft. Die Investitionen sind hoch, die Produktionsanlagen komplex und die Sicherung der Rohstoffe aufwändig. Zement und Beton sind für eine hoch entwickelte Gesellschaft strategisch wichtige Produkte, die langfristig verfügbar sein müssen. Wir fühlen uns daher verpflichtet, unsere soziale Verantwortung wahrzunehmen und die Umwelt zu schützen und sie damit für kommende Generationen lebenswert zu erhalten.

Das tönt gut. Wie wollen Sie denn möglichst umweltgerecht produzieren?
In einem hoch industrialisierten Land wie der Schweiz stehen Energieeffizienz und Emissionsreduktion im Mittelpunkt unserer Aktivitäten, um Antworten auf die Begrenztheit und die Verknappung der Energieressourcen zu finden. Insgesamt steht somit die Verkleinerung des ökologischen Fussabdrucks im Vordergrund. Angestrebt wird die CO2-Reduktion auf allen Stufen der Wertschöpfungskette, von der Zementherstellung über die Nutzungsphase der Bauwerke bis hin zur Wiederverwertung.

Jetzt ist aber gerade die Zement­herstellung energieintensiv und erzeugt beträchtliche CO2-Emissionen. Wie wollen Sie denn den CO2-Ausstoss reduzieren?
Neben energieeffizienten Anlagen gibt es zwei Möglichkeiten, die Treibhausgase zu reduzieren. Die effizienteste Art der Reduktion von CO2-Emissionen besteht darin, den Anteil von Zementklinker im Zement durch Beifügen anderer Stoffe zu verringern. Zementklinker ist ein Vorprodukt des Zementes und wird aus Mergel und Kalkstein bei einer Temperatur von 1450 Grad hergestellt. Durch das Aufheizen des Kalksteins wird CO2 freigesetzt. Der Verringerung von Klinker im Zement sind jedoch aus Qualitätsgründen Grenzen gesetzt. Mit unserem neuen Zement Optimo auf der Basis von gebranntem Schiefer können die CO2-Emissionen um bis zu 20 Prozent gegenüber den heute am meisten verwendeten Zementen reduziert werden. Die zweite Möglichkeit zur CO2-Reduktion bietet der Ersatz von fossilen Brennstoffen wie Kohle und Schweröl durch alternative Brennstoffe. Bei diesen Ersatzbrennstoffen handelt es sich um Stoffe aus Industrie und Gewerbe wie Trockenklärschlamm, Altöl, Kunststoff und Altreifen.

Bewährte Baustoffe müssen also laufend modernisiert werden?
Dem ist so. Bei der Weiterentwicklung bewährter Baustoffe steht im Mittelpunkt, dass sowohl die Umweltverträglichkeit als auch die bautechnischen Anforderungen gleichzeitig berücksichtigt werden. Wir wollen Zement und Beton noch ökologischer machen und gleichzeitig natürlich eine hohe Qualität garantieren.

In welchen Bereichen können Zement und Beton weiter optimiert werden?
Beim Baustoff Zement wird der weitere Ersatz des CO2-intensiven Klinkers durch andere reaktive und nicht reaktive Materialien noch die nächste Zeit ganz oben auf der Prioritätenliste stehen. Im Bereich der Betontechnik werden die Frisch- und Festbetoneigenschaften weiter verbessert, um Bauzeit und Baukosten zu optimieren. Die hohe Wärmespeicherfähigkeit des Betons muss intensiver genutzt werden. Auch Recyclingmaterialien werden immer mehr verwendet. Ein Trend geht auch zu leichteren und schlanken Betonkonstruktionen.

Ökologisch wäre aber sicher ein Zement ohne Klinkerzusatz.
Es gibt unterdessen mehrere Entwicklungen für einen solchen Zement, beziehungsweise für ein klinkerfreies hydraulisches Bindemittel zur Herstellung von Konstruktionsbeton. Den Schritt in eine regelmässige industrielle Produktion haben aber die meisten dieser Entwicklungen bisher nicht geschafft. In der Schweiz wird deshalb ein pragmatischer Weg beschritten, indem so genannte Portlandkompositzemente als Standardzemente eingeführt werden. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass damit die Umwelt entlastet wirdund die technischen Anforderungen besser erfüllt werden können.

Sie setzen auch auf Nano-Technologie. Was muss ich mir darunter genau vorstellen?
Die neue Technologie basiert auf den physikalischen und chemischen Eigenschaften des Zementzusatzstoffes gebrannter Schiefer. Gebrannter Schiefer hat zementähnliche Eigenschaften. Bei Kontakt mit Wasser entstehen wie bei der Verfestigung des Zementes durch eine chemische Reaktion zusätzliche Verfestigungsprodukte, so genannte Hydratphasen. Dabei bildet sich ein sehr dichtes Gefüge im Beton. Folglich erhöht sich die Dauerhaftigkeit des Betons. Es wird eine bessere Kraftübertragung ermöglicht und die Neigung zur Rissbildung reduziert sich. Dank dieser innovativen Technologie ist unser neuer Zement nicht nur umweltschonend, sondern auch qualitativ ein grosser Schritt vorwärts.