«Nicht Kies oder Beton ist der wichtigste Rohstoff im Infrastrukturbau, sondern eine gute Ausbildung», betont Benedikt Koch, Geschäftsführer des Fachverbands Infra, der Branchenorganisation der im Infrastrukturbau tätigen Unternehmen. Denn Fachleute braucht die Bauwirtschaft mehr denn je. Und zwar aus verschiedenen Gründen: Erstens müssen die vielen Bauwerke, welche zwischen 1950 und 1980 erstellt wurden, saniert oder sogar ersetzt werden. Zweitens nimmt die Belastung des Strassen- und Schienennetzes laufend zu, was einen umfassenderen Unterhalt oder Ausbau erfordert. Und drittens muss die Nachfolge vieler in Pension gehender Baufachleute aus den geburtenstarken Jahrgängen der 1950er- Jahre sichergestellt werden. «Unsere Gesellschaft ist heute mobiler denn je. Das erfordert sichere und leistungsfähige Verkehrsinfrastrukturen», sagt Koch. Der Löwenanteil des Verkehrs wird auf der Strasse abgewickelt. Über 60 Prozent sind es beim Güter- und fast 85 Prozent beim Personenverkehr. Besonders beeindruckend ist das Wachstum: Auf Schweizer Strassen und Schienen werden über ein Fünftel mehr Personen und über ein Drittel mehr Güter transportiert als noch vor 20 Jahren. Die Belastung der 70 000 Kilometer Strassen und der 5000 Kilometer Gleise nimmt daher laufend zu. Dieses Wachstum wirkt sich auch direkt auf das Bauvolumen aus: Die Ausgaben für den Tiefbau sind in der Schweiz in den letzten zehn Jahren von sieben auf zehn Milliarden Franken pro Jahr gestiegen. Äusserst rosige Aussichten also für eine Karriere im Infrastrukturbau.

In der Regel beginnen die Jugendlichen direkt nach der obligatorischen Volksschule mit der Berufslehre. In ihrem Lehrbetrieb, in den meisten Fällen in einer Bauunternehmung, lernen sie das praktische Arbeiten. Die theoretische Ausbildung erhalten sie in Fachkursen an einer Berufsfachschule. In überbetrieblichen Kursen werden zudem die handwerklichen Grundfertigkeiten vermittelt. Eine reguläre Lehre dauert drei Jahre und wird mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis abgeschlossen. Für eher praktisch begabte Jugendliche werden auch zweijährige Attestlehren angeboten. Wieso lernen Jugendliche heute Stras­senbauer, Gleisbauer oder Grundbauer? Einige haben es im Blut. «Ich war schon als kleiner Bub ein Fan von Baumaschinen», erzählt beispielsweise Emanuel Egli, Strassenbauer bei der Firma Amrein Gebr. AG in Rickenbach LU. Andere brauchen die Erfahrung einer Schnupperlehre auf der Baustelle. Das war bei Dejan Cekic der Fall. Er ist Grundbauer bei der Firma Eggstein AG in Kriens. «Grundbau ist ein Mannschaftssport. Wir arbeiten immer in Teams und schauen für einander.» Eine Sonderstellung nimmt die Berufsfachschule Verkehrswegbauer in Sursee ein. Sie ist eine der wenigen privatrechtlich getragenen Schulen, die Fachkurse, überbetriebliche Kurse und Lehrabschlussprüfungen am gleichen Ort durchführt. Aktuell lassen sich in Sursee über 1000 Jugendliche zu Strassenbauern, Gleisbauern, Grundbauern, Pflästerern oder Industrie- und Unterlagsbodenbauern ausbilden. Erfreulicherweise hat es auch Frauen unter den Lernenden. Ihr Anteil liegt jedoch (noch) bei bescheidenen zwei Prozent. Attraktiv ist die Baubranche auch für junge Berufsleute, welche die Matura abschlossen oder einen anderen Beruf gelernt haben. Im Rahmen einer verkürzten, zweijährigen Zweitausbildung lassen sich immer mehr Maturandinnen, Coiffeure, Landwirte, Landschaftsgärtner, Bäcker, Verkäuferinnen, Dachdecker oder kaufmännische Angestellte zu Strassen-, Gleis- oder Grundbauern ausbilden. Weniger erstaunlich als die Richtungswechsel selber sind die Gründe dafür: Ein hoher Lohn, ausgezeichnete Karrieremöglichkeiten, praktische Tätigkeiten im Freien, Teamarbeit und familienverträgliche Arbeitszeiten.