Energieeffizienz wird zum omnipräsenten Bedürfnis. Unter diesem Aspekt wurde im Jahr 1994 das Qualitätslabel Minergie gegründet. Hinter der weltweit geschützten Marke steht der Verein Minergie, welcher von der Wirtschaft, den Kantonen und dem Bund gemeinsam getragen wird. «Der Baustandard geniesst heute eine breite Akzeptanz und hat das Bauen und Sanieren in der Schweiz in den letzten Jahren enorm positiv beeinflusst», sagt Franz Beyeler, Geschäftsführer des Vereins Minergie. Der wichtigste Grund: Bauherren, Architekten und Planer sind in der Gestaltung, in der Materialwahl sowie im Design der inneren und äusseren Struktur eines Gebäudes völlig frei.

Komfort, Qualität und Energie
Im Zentrum stehen der Komfort und die Lebensqualität der Gebäudenutzer an ihrem Wohn- oder Arbeitsort. Das wird primär durch eine hochwertige Bauhülle und eine systematische Lufterneuerung ermöglicht. So ist der thermische Komfort in Bauten mit gut gedämmten und dichten Aussenwänden, Böden und Dachflächen höher, weil die inneren Oberflächen der Bauhülle wärmer sind und keine Kältestrahlung oder Zugserscheinungen vorkommen. Dadurch ist das Gebäude auch an ­sommerlichen Hitzetagen besser vor Übertemperaturen geschützt. Um anfal­lende Feuchte und Schadstoffe abzuführen, ist eine systematische Lufterneuerung aber unverzichtbar. Sinnvollerweise erfolgt diese Lufterneuerung mit Rückgewinnung von Wärme aus der belasteten Luft. Die Kombination von dichter, gut gedämmter Hülle und mechanischer Lüftung schafft gute Komfortverhältnisse. Der spezifische Energieverbrauch gilt als Leitgrösse, um die geforderte Bauqualität zu quantifizieren. Als Mass dient der Energiebedarf pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche. «Die Bauqualität wirkt sich stark auf den mittel- und langfristigen Wert einer Liegenschaft aus», sagt Beyeler. Gemäss einer Studie der Zürcher Kantonalbank beträgt der Mehrwert eines Minergie-Einfamilienhauses gegenüber einer konventionellen Bauweise – bei exakt gleichen Hauseigenschaften – rund sieben Prozent. Ein Mehrfamilienhaus erzielt am Markt einen Aufpreis von rund 3,5 Prozent.

Die Kostenfrage
Minergie-Bauten sind nur in den Investitionskosten teurer als konventionelle Gebäude – um drei bis maximal zehn Prozent. Viel besser schneiden die Objekte bei den Betriebskosten, im Unterhalt sowie in der Werthaltigkeit ab. Die gesamten Jahres-, Investitions- und Betriebskosten sind tiefer und Minergie-Investitionen in der Regel nach sieben Jahren amortisiert. Die eingesparten Energiekosten sind in der Bausubstanz gut angelegt und dort über die ganze Lebensdauer des Gebäudes und der Installationen kostenwirksam. Steigen die Energiepreise, ist dieser Effekt noch deutlicher.

Gegenwart und Zukunft
Heute gibt es bereits 27 000 zertifizierte Minergie-Bauten, unter neuen Wohnbauten hat der Standard einen Marktanteil von 25 Prozent. Mit dem Null- und Plusenergie-Standard Minergie-A geht die Schweiz nun noch einen Schritt weiter. Ein Minergie-A-Haus hat in der Energiebilanz im Minimum eine schwarze Null. Raumwärme, Wassererwärmung und Lufterneuerung werden vollständig durch erneuerbare Energien wie Sonnenenergie, Biomasse und Erdwärme gedeckt. Typisch ist eine Kombination von Anlagen: Wärmepumpen und Solarzellen oder Sonnenkollektoren mit Holzheizungen.