Was zu Beginn das Steckenpferd einiger weniger Öko-Aktivisten war, hat sich zu einem umfassenden Ansatz entwickelt, der die ganze Baubranche durchdringt: die Nachhaltigkeit. Früher machte man sich bei einem Bauwerk wenig Gedanken über seinen Ressourcenverbrauch, seine Effizienz, seine Auswirkungen auf die Gesellschaft oder seine langfristige Wirtschaftlichkeit. Heute lautet der Grundsatz beim Bauen: Ein Bauwerk soll die Bedürfnisse der heutigen Gesellschaft erfüllen, ohne die Möglichkeiten nachfolgender Generationen einzuschränken. Das ist Nachhaltigkeit in ihrem eigentlichen Sinn. Der Begriff stammt aus der Forstwirtschaft: Ein Wald wird dann nachhaltig bewirtschaftet, wenn man ihm nie mehr Holz entnimmt, als in der gleichen Zeit nachwachsen kann. So ist, theoretisch für alle Zeiten, immer genug Holz da. Dass sich solch «vernünftiges» Wirtschaften, das sozusagen von den Zinsen und nicht vom Kapital lebt, auch in der Bauwirtschaft immer stärker durchsetzt, hat verschiedene Ursachen. Einerseits zwingen Umwelterwägungen und Energiebewusstsein zu einem schonungsvollen Umgang mit Ressourcen; andererseits zahlen sich sparsame und unterhaltsfreundliche Gebäude langfristig auch für Bauherren und Investoren aus. Zudem sind die Zeiten, als Bauherren mehr oder weniger unbeachtet von der Öffentlichkeit agieren konnten, vorbei: Die Bevölkerung redet immer stärker mit, wenn es um Bauprojekte geht.

Nachhaltigkeit durchdringt alle Bereiche
Das alles führt dazu, dass Maler heute Produkte ohne schädliche Lösungsmittel verwenden, Facility-Manager sich mit dem Energie- und Wasserverbrauch ihrer Liegenschaften beschäftigen oder umweltverträgliche Reinigungsmittel einsetzen – und Planende neue Gebäude nach einem Minergie-Standard entwerfen. Holger Wallbaum ist Professor für Nachhaltiges Bauen an der ETH Zürich und befasst sich mit allen Aspekten dieses Trends in der Baubranche; seine Stelle wurde 2005 durch die Holcim Foundation ermöglicht. Der Fachmann ist überzeugt: «Nachhaltigkeit ist ein umfassendes Konzept, deshalb gibt es da auch sehr viele Berufe, die für deren Umsetzung eine Rolle spielen. Das reicht vom Architekten oder Landschaftsarchitekten, Planer oder Fachplaner bis zum Schreiner oder Maurer.» Gebäude würden heute immer komplexer – deshalb seien überall besondere Efforts gefordert, wolle man mehr Nachhaltigkeit erreichen. «Je luftdichter ein Gebäude zum Beispiel sein soll, desto wichtiger sind Materialwahl und Verarbeitung», erklärt Wallbaum, «und es verlangt schon eine hohe Qualifikation, einen Bau wirklich sauber hinzubekommen.»