Was ist Ihre Vision für die «Stadt der Zukunft»?
Tatsache ist, dass einerseits die Weltbevölkerung weiterhin wächst, andererseits ein immer grösserer Anteil davon in urbanen Zentren lebt. Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie man diesen begrenzten Lebensraum optimal nutzen kann, so dass er für die Menschen attraktiv ist und gleichzeitig ökologischen Ansprüchen genügt. Etwa durch verdichtetes Bauen und die Umnutzung ehemaliger Industriequartiere in Wohn- und Geschäftsviertel – was uns allerdings wieder vor neue Herausforderungen stellt. So müssen zum Beispiel der steigende Kühlbedarf und die Veränderungen des lokalen Mikroklimas in der Stadt- und Raumplanung berücksichtigt werden.

Welche Motivation steht hinter dem Konzept?
Es geht darum, urbanen Raum mit einer möglichst hohen Lebensqualität zu schaffen. Um diesen attraktiv zu gestalten, müssen wir gute Städteplanung und Architektur mit innovativen Bau- und Gebäudetechnologien kombinieren. Es ist also eine typisch interdisziplinäre Aufgabe. An den «Tagen der Technik» wollen wir die verschiedenen Disziplinen zusammenbringen, um gemeinsam mögliche Lösungsansätze zu diskutieren.

Sie haben verdichtetes Bauen angesprochen: Welche Herausforderungen entstehen dadurch?
Die Menschen haben mehr denn je das Bedürfnis nach einem individuellen Wohnraum mit Privatsphäre und Ruhe. Beim verdichteten Bauen ist es eine besondere Herausforderung, diesem Bedürfnis nachzukommen und auf engem Raum eine Wohnkultur zu schaffen, die die Bewohner sowohl verbindet, also Begegnungszonen ermöglicht, als auch individuelle Freiräume schafft. Es geht um eine gute Balance zwischen dem Sozialen und dem Privaten.

Kann das Konzept unmittelbar umgesetzt werden oder ist es eine Vision für die fernere Zukunft?
Viele Einzelteile des Konzepts, wenn Sie so wollen, sind bereits vorhanden; andere fehlen freilich noch, werden aber sicherlich in absehbarer Zeit entwickelt. An der Empa versuchen wir durch unsere Forschung Erkenntnisse und Knowhow zu gewinnen, die sich – meist gemeinsam mit Industriepartnern – direkt in die Praxis umsetzen lassen. Beispielsweise beschäftigen wir uns damit, wie Gebäude, Strassen und Grünflachen in Städten idealerweise angeordnet sein müssen, damit ein angenehmes Mikroklima entsteht, das frei von Überhitzung und akkumulierten Schadstoffen ist. Die grosse Herausforderung wird darin liegen, all die verschiedenen Einzelteile zu einem gros­sen Ganzen zu integrieren – wie bei einem komplizierten Puzzle. Dazu kommt, dass Sie heutzutage in der Schweiz, aber auch anderswo, neue, gewissermassen optimierte Städte nicht aus dem Boden stampfen können, sondern bestehende umbauen müssen – was natürlich ungleich aufwändiger ist.