Public Private Partnership (PPP) steht heute für eine anerkannte Methode, um den immer komplexeren Aufgabenstellungen an die öffentliche Hand und private Investoren gerecht zu werden. PPP ist einerseits eine Beschaffungsvariante, die sich am Lebenszyklus orientiert. Anderseits umfasst Public Private Partnership nach dem allgemeinen Sprachgebrauch aber auch weitere Formen der partnerschaftlichen Aufgabenerfüllung. Dazu gehören unter anderem die Bereitstellung einer wirtschaftlichen Leistung, die gemeinsame Projektverantwortung, die Bündelung von Ressourcen wie Kapital, Betriebsmittel und Know-how sowie die Risikoallokation. «Das Modell eröffnet Chancen für alle Beteiligten», betont Lorenz Bösch, Präsident des Vereins PPP Schweiz. Für die öffen­t­liche Hand resultieren unter ande­rem eine finanzielle Entlastung, Effizienz­gewinn, eine raschere Realisierung von Projekten auch bei knappen Budgets, die Nutzung von privatem Know-how sowie die Entlastung von operativen Aufgaben. Für private Partner lassen sich dadurch neue Märkte erschliessen, gleichzeitig können sie ihre Erfolgschancen am Markt optimieren. Den Vorwurf, PPP seien verkappte Privatisierungen, lässt Bösch nicht gelten. «Über den Projektvertrag kann die öffentliche Hand die Aufgabenerfüllung durch private Partner jederzeit steuern beziehungsweise überwachen.»

Entscheidende Vorteile generieren
Die meisten Kooperationen im Bereich Public Private Partnership finden heute im Rahmen gemischt-wirtschaftlicher privater Unternehmen statt, die auch öffentliche Anteilseigner haben können. «Nach diesem Kooperationsmodell planen, errichten und betreiben die privaten Akteure im Auftrag des öffentlichen Partners beispielsweise eine Immobilie», erläutert Lorenz Bösch. Damit könnten entscheidende Vorteile generiert werden. «Geplante Projekte können effizienter, rascher und über den gesamten Lebenszyklus betrachtet kosten­günstiger realisiert werden. Sämtliche Akteure können dabei ihre Kernkompetenz Gewinn bringend einsetzen.» PPP wurde anfangs vor allem bei Grossprojekten ins Spiel gebracht. Zunehmend etablieren sich auch Finanzierungsmodelle für kleinere und mittlere Unternehmensstrukturen. Die Modelle weisen international betrachtet unterdessen ein breit gefächertes Anwendungspotenzial auf. Hochbau, Agglomerationsverkehr, Bildung, Kultur und Sportanlagen, Gesundheitswesen, soziale Einrichtungen, Logistik, Informatik, Ausbildung sowie Versorgung und Entsorgung sind mögliche Anwendungsgebiete. Gegnerische Argumente, wonach PPP-Modelle dazu beitragen würden, Verluste zu verstaatlichen und Gewinne zu privatisieren, weist Lorenz Bösch von sich: «Diese Gefahr besteht bei vielen herkömmlichen Modellen der Zusammenarbeit zwischen Staat und Privaten. Bei PPP-Projekten wird mit einer bewussten und sorgfältigen Risikoallokation versucht, genau diese Gefahr zu minimieren. Jede Partei ist für diejenigen Risiken verantwortlich, die sie am besten tragen kann.»

Mehrwert schaffen
Bei PPP sei die private Mittelbeschaffung tendenziell teurer als diejenige der öffentlichen Hand, sagt Bösch. «Auf der anderen Seite können der Lebenszyklusansatz, die feste Vertragsdauer über eine längere Zeit, kom­biniert mit der zweckmässigen Risikoverteilung und das private Management zu erheblichen Effizienzgewinnen führen.» Wie alle komplexen Vorhaben würden auch PPP-Modelle nicht nur Chancen, sondern auch Risiken beinhalten. «Public Private Partnership sollte deshalb nur dort favorisiert werden, wo sich eine Kooperation eignet.» Dass das PPP-Modell in der Schweiz noch wenig verbreitet ist, führt Lorenz Bösch unter anderem darauf zurück, dass sich im Vergleich zum Ausland Bund, Kantone und Gemeinden dank ihren Steuerhoheiten und den finanzpolitischen Entscheidungsregeln in einer besseren finanziellen Situation befinden. Zudem ­gebe es in der Schweiz mit den verbreiteten Miet- und Investorenmodellen diverse Alternativen, die in dieser Form im Ausland weniger etabliert sind. Bösch ist aber überzeugt davon, dass das Potenzial von PPP-Modellen hierzulande langsam erkannt wird. «PPP hat den grossen Vorteil, dass bei der Entwicklung und Realisierung von Bauten auf Nachhaltigkeit geachtet wird. Damit schaffen Private und der Staat einen entscheidenden Mehrwert, von dem die Öffentlichkeit und die Nutzer langfristig und nachhaltig profitieren können.»