Planen 4.0 steht für eine neue Art der Konzeption und für ein neues, nachhaltiges Planungsverständnis bei Gebäuden. Die technologischen Möglichkeiten des Industrie-4.0-Zeitalters sollen auch beim Planen und Bauen genutzt werden.

«Als Ergebnis steht die konsequente Datenentwicklung entlang der Wertschöpfungskette und des Lebenszyklus eines Bauwerkes», sagt Urs von Arx, CEO der HHM Gruppe. Planen 4.0 setzt auf die Ziele des Bauens 4.0: mehr Nachhaltigkeit, Modularisierung, Nutzung der industriellen Fertigung und Steigerung der Qualität.

«Mit Planen 4.0 reduzieren Ingenieure die Schnittstellen und die Komplexität, sie vermeiden Kommunikationsbrüche und sorgen für mehr Transparenz», so von Arx weiter.

Transformationsprozess über alle Gewerke

«Mit Planen 4.0 reduzieren Ingenieure die Schnitt-stellen und die Komplexität, sie vermeiden Kommunikationsbrüche und sorgen für mehr Transparenz»

Das Zeitalter der dezentralen Gebäudetechnik als eine Konsequenz des neuen Planens hat schon begonnen. Nicht nur bei Neu-, auch bei Bestandesbauten bieten sich vielfältige Möglichkeiten.

Digitale Planungstechnologien machen den Weg frei für Lösungen bei der sinnvollen Ertüchtigung der Gebäudestrukturen. «Planen 4.0 ist ein Transformationsprozess über alle Gewerke.

Die digitale Bestandesaufnahme erlaubt die Modellierung und das schnelle Durchspielen von Optionen, um vorhandene Strukturen optimal zu nutzen», erklärt Urs von Arx. Mit der konsequent dezentralen Gebäudetechnik gewinnt der Bauherr mehr Flexibilität zur individuellen Nutzung des Gebäudes zurück.

Arbeiten mit dem digitalen Zwilling

Mit der Übergabe eines Gebäudes an die Bauherrschaft oder die Nutzer bekommen diese einen digitalen Zwilling des erstellten Baus. «Dieser Zwilling mit seinen Bauteilen wird via Internet of Things mit dem Gebäude verbunden sein und sich über die Zeit mit diesem verändern. Er hilft beim Life-Cycle-Management des Gebäudes und der Anlagen.

Das digitale Modell bietet aber bereits in der Planung und der Realisation wesentliche Chancen», wagt Urs von Arx einen Blick in die Zukunft. Die Software rechnet Varianten für den optimierten Materialeinsatz oder verbesserte Abläufe durch. Ingenieure belasten sich in Zukunft nicht mehr mit Aufgaben, die Maschinen besser und schneller erledigen können. Sie behalten künftig vielmehr die Komplexität im Auge.

System- und Vorfabrikation gehören auch zu Industrie 4.0

Nachhaltigkeit muss zum Leitmotiv des zukünftigen Bauens werden. Sie entwickelt sich von der blossen Label-Auslegung hin zum integralen Bestandteil des Planens und Realisierens. Nachhaltige Planungsprozesse und Ergebnisse zeigen sich etwa im Verständnis für Kreisläufe, im schonenden Ressourceneinsatz und in der Reduktion von Abfall.

Eine wesentliche Erfolgskomponente auf diesem Weg ist die Nutzung der Erkenntnisse aus der industriellen Fertigung. In der Forschung und Lehre sollen die Themen Modularisierbarkeit am Bau und Vorfabrikation in Verbindung mit den digitalen Möglichkeiten mehr Gewicht bekommen.

Die Baukosten können dank der Modularität genauer bemessen werden, auch die Qualität steigt. Beides erhöht die Planungssicherheit. Bei diesem Entwicklungsprozess sind gerade die Ingenieure zusammen mit den Architekten besonders gefordert, Planungs- und Bauprozesse neu zu denken und radikal zu verändern.