Pierre Honegger
Architekt und Präsident der Informations­gemeinschaft Passivhaus Schweiz und der Energiefachleute TG

Gegenüber einer Energieschleuder aus den 1960er-Jahren verbraucht ein Minergie-P-Haus bis zu 30-mal weniger Heizenergie. Wie ist das möglich?
Indem Wärmeverluste konsequent reduziert werden: Dazu sind eine starke Wärmedämmung und dreifach verglaste Fenster erforderlich. Die Heizwärme soll im Innern eines Gebäudes bleiben – das steht bei einem umweltfreundlichen Haus an erster Stelle.

Minergie- und Passivhäuser sind zusätzlich mit einer Komfort-Lüftung ausgestattet. Worin liegt deren Vorteil?
Im Winter können die Fenster geschlossen bleiben, für Frischluft ist trotzdem gesorgt. Selbstverständlich dürfen die Fenster weiterhin geöffnet werden, dann geht allerdings viel Energie verloren. Eine Komfortlüftungsanlage gewinnt dagegen bis zu 90 Prozent Wärme aus der Abluft zurück. Und auch im Sommer gewährleistet eine Komfortlüftung beste Luftqualität: Sie lässt sich mit Filtern ausrüsten, welche die Luft von Pollen und anderen Partikeln reinigen.

Im Neubaubereich ist der Passivhausstandard einfach zu erreichen, bei Modernisierungen ist es kniffliger ...
Steht ein Gebäude unter Denkmalschutz, darf es meist nicht von aussen gedämmt werden und lässt sich – wenn überhaupt – nur mit grossem Aufwand in ein Passivhaus verwandeln. Doch auch normale Altbauten können eine Herausforderung sein: Viele dieser Häuser haben wärmetechnische Schwachstellen in der Gebäudehülle, welche verbessert werden können. Wir haben allerdings bereits sechs Erneuerungen nach Minergie-P zertifizieren lassen – es geht also.

Lohnt sich ein solcher Aufwand finanziell?
Ja, die Heizkosten sinken enorm. Mit dem Einsatz von erneuerbaren Energiequellen wie Erdwärme und Sonne macht sich der Hauseigentümer zudem unabhängig von den fossilen Energieträgern.

Staatliche und private Organisationen unterstützen energetische Modernisierungen. Mit welchen Fördergeldern können Hauseigentümer rechnen?
Die Grundförderung des Gebäudeprogramms wird vom Bund gewährleistet. Die Zusatzförderungen der Kantone sind unterschiedlich, sie reichen von Null bis hoch. Ausserdem gewähren gewisse Kantone steuerliche Abzüge. Und auch Banken leisten mit Erneuerungshypotheken einen Beitrag. Nachfragen lohnt sich!

Wie sollen Hauseigentümer vorgehen, die ihr Haus nach dem Minergie-P-Standard erneuern möchten?
Sie sollten erfahrene Architekten oder Planer zu Rate ziehen. Als Hauseigentümer würde ich Referenzen einholen und mir bereits modernisierte Objekte anschauen. Zusammen mit der Fachperson können sie dann ein Gesamtkonzept erstellen. Eine Minergie-P-Modernisierung lässt sich auch etappenweise planen. Dann ist die Reihenfolge entscheidend: An erster Stelle kommt die Dämmung der Gebäudehülle, erst dann die Heizung und zuletzt der Innenausbau. Sonst sind die einzelnen Bauteile am Schluss nicht aufeinander abgestimmt und eine Heizung zum Beispiel überdimensioniert.

Was halten Sie vom Ansatz der ETH, Gebäude nur minimal zu dämmen und sie dafür erneuerbare Energien produzieren zu lassen?
Die hohen Wärmeverluste müssen durch sehr aufwändige Haustechnik wie besondere Erdsonden, thermische Kollektoren, Fotovoltaik und Wärmepumpen mit sehr hoher Arbeitsleistung kompensiert werden. Diese Komponenten sind aktuell noch nicht alle auf dem Markt erhältlich. Die Betriebskosten und die Langlebigkeit so geplanter Gebäude kennen wir zudem nicht. Passivhäuser werden hingegen seit 1991 gebaut – es gibt mittlerweile tausende davon. Mit einem Passivhaus lässt man sich daher nicht auf Experimente ein.