Raphael Wick  
Vorsitzender der Geschäftsleitung
der Gähler und Partner AG

Wie stehen Sie zum Thema Open BIM?

Als Erstes muss man das Thema BIM in den Griff bekommen. Es gibt noch nicht viele Unternehmen und Bauherren, die das wirklich können. Das braucht ein Umdenken bei allen Beteiligten, denn BIM entspricht schlicht nicht der traditionellen Planung.

Arbeitet man dann tatsächlich nach diesen Kriterien, ist der Schritt zum Open BIM ein kleiner. Open BIM bietet mehr Möglichkeiten und Flexibilität, was besonders bei vielen Projektbeteiligten klare Vorteile schafft. Ich bin überzeugt, dass künftig viele Projekte so realisiert werden.

Wie wenden Sie das in Ihren eigenen Projekten an?

Als Generalplanungsunternehmen betreiben wir schon lange 3D-Planung und wir haben alle Fachplaner im Haus, inklusive Heizungs-, Lüftungs-, Klima-, Sanitär- und Elektroplanung. Wir machen alles selber und waren uns deshalb eine interdisziplinäre Planung inklusive Koordination und Kollisionsprüfung schon immer gewohnt.

Dass wir am gleichen 3D-Modell arbeiten und Konflikte so verhindern können, ist für uns nichts Neues. Wenn man miteinander plant, kann man auch die Gebäudestrukturen und die Gebäudetechnik in einer früheren Phase optimieren. BIM gibt uns nun natürlich noch zusätzliche Möglichkeiten und Chancen.

In welcher Phase sehen Sie die grössten Benefits?

Am Anfang eines Projekts hat man natürlich die grössten Einflussmöglichkeiten, auch hinsichtlich der Kosten. Je später man optimiert, desto teurer wird es. BIM zwingt dazu, das in einer frühen Phase zu tun. Es ist nicht länger der Architekt, der etwas zeichnet, und erst dann der Fachplaner, der mit seiner Planung startet. Man sucht und findet von Beginn weg gemeinsame, optimierte Lösungen.

Man muss das Modell zu Beginn richtig aufbauen und die Weichen früh stellen. Das schafft bis hin zur letzten Phase gros-se Vorteile. Doch wie gesagt: Es braucht noch immer ein Umdenken. Wenn der Bewirtschafter eines Gebäudes seine Bedürfnisse früh einbringen kann, ist das optimal. Genau das spricht auch für Open BIM. Doch Open BIM alleine löst dieses Problem noch nicht. Es braucht auch ein Projektmanagement des Auftraggebers, das eine solche Partizipation überhaupt möglich macht.

 

Daniel Zuppiger
Mitglied der Geschäftsleitung
der Stücheli Architekten AG

Weshalb arbeiten Sie mit Open BIM?

Das hat in erster Linie mit der Heterogenität der Schweizer Planungslandschaft zu tun. Über das IFC-Format ermöglicht uns Open BIM einen zuverlässigen Austausch mit unseren Planungspartnern. Bis anhin haben wir damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Natürlich nutzen wir auch das native Format einer Software, wenn jemand die gleiche Software im Einsatz hat. Doch die IFC-Schnittstelle ermöglicht es uns, mit den Planungspartnern unserer Wahl zusammenzuarbeiten, unabhängig von der eingesetzten Software. Ist die Autorensoftware IFC-zertifiziert, klappt dieser Austausch sehr zuverlässig.

Was ist bei einem solchen Projekt besonders wichtig?

Die Vorbereitung der Planung ist bereits bei einer konventionellen Planung grundlegend, in einer BIM-gestützten Planung hingegen entscheidend für den Projekterfolg. Das setzt eine gute Gesamtkoordination voraus und alle Beteiligten müssen die BIM-Methode verstehen und anwenden können. Hier sehen wir zugleich den Mehrwert: Das gemeinsame Commitment, wer was wann wie zu tun hat, setzt das Projekt ins Zentrum und fördert die Transparenz.

So können wir auch bei komplexen Bauaufgaben die Gesamtkoordination übernehmen und die Bauherrschaft noch besser in den Prozess einbeziehen. Voraussetzung ist immer, dass alle unter dem Begriff BIM das Gleiche verstehen. Hier gibt es meines Erachtens noch Aufklärungsbedarf.

Geht es noch ohne BIM?

Ob der Einsatz von BIM Sinn macht, wird durch die Art der Bauaufgabe bestimmt. Bei komplexen Sanierungen kann es beispielsweise sinnvoll sein, nur einen Teil in BIM zu planen. Bei einem Neubau macht der Einsatz unseres Erachtens in jedem Fall Sinn. BIM ist nicht nur eine Technologie, sondern vor allem eine Methode.

Und diese Methode ist absolut zukunftsträchtig: Die Verfügbarkeit von Informationen und die Möglichkeit von Simulationen erlauben uns, die Baubranche in ein cleveres Zeitalter zu führen. Es wäre schade, sich dem zu verwehren.