Die digitale Revolution brauchte in der Bauwirtschaft Zeit. Doch nun steht sie vor der Tür. Was Revolutionen so mit sich bringen: ein komplettes Umdenken in jeder einzelnen Phase und Disziplin.

Was lange währt …

Genau deshalb hat es auch so lange gedauert, bis die Bauwirtschaft an diesen Punkt kam, wo sie nun ist. Die Idee zu den digitalen Bauwerksmodellen ist nämlich schon Jahrzehnte alt. Doch es brauchte viel Zeit von der ersten Idee bis zum Zeitpunkt, in dem nun die Werkzeuge und Standards da sind.

Das hat verschiedene Gründe. Die Bauwirtschaft kann träge sein, ausserdem hat sie eine schwierige Ausgangslage, kennt sie doch so viele verschiedene Phasen und Disziplinen, die von so vielen unterschiedlichen und teils sehr kleinen Unternehmen realisiert werden.

Planungskultur

Das ist ganz besonders in der Schweiz mit ihren vielen KMU ein Problem. Im Ausland, wo eine andere Planungskultur herrscht, werden häufig sämtliche Projektphasen von einem einzigen Unternehmen realisiert. In der Schweiz müssen die verschiedenen Softwares der diversen KMU miteinander kommunizieren können, was nach mehr Regeln verlangt.

Auch war der finanzielle Druck im Ausland häufig noch etwas grösser. In Grossbritannien beispielsweise gab es einen starken Druck seitens der Regierung, die rund um ihre vielen Gebäude seit Langem auf BIM setzt und merkte, dass die hohen Investitionen sehr schnell kompensiert werden.

Der Return on Investment sei bereits nach weniger als zwei Jahren erreicht, heisst es von dort. Auch Skandinavien oder die Niederlande sind viel weiter, dort ist die Nutzung von BIM bei öffentlich finanzierten Bauvorhaben seit vielen Jahren vorgeschrieben.

Andere Denkweise von A bis Z

Doch das alles hält nun auch in der Schweiz Einzug. BIM verändert den gesamten Planungs-, Umsetzungs- und Betriebsprozess. Es erleichtert die Zusammenarbeit der einzelnen am Projekt beteiligten Firmen, schafft Projekträume, die gar nicht mehr am gleichen geografischen Ort sein müssen, und erlaubt Koordinationssitzungen, die es ermöglichen, jedes einzelne Detail mit dem gesamten Projekt abzugleichen und optimal aufeinander abzustimmen.

Die eingesetzten Softwares sind heute schon so weit, dass kaum mehr etwas fehlt, sondern eher vieles noch gar nicht genutzt wird. Die meisten Beteiligten haben gemerkt, was BIM für die Zukunft und für sie selbst bedeutet. Es ist keine Frage mehr, ob man das machen will, sondern nur noch eine Frage, wie man künftig effizienter und besser arbeiten kann.

Die Zeit, in der Aufträge ins Ausland vergeben wurden, wenn BIM gefordert war, ist nun vorbei. Internationale Investoren fragen danach und die digitale Planung wurde bereits zur Selbstverständlichkeit.

Die Rechnung geht auf

Es gibt die verschiedensten Statistiken rund um Kosten und Nutzen von BIM. Gewisse Zahlen müssen auch bestimmt mit Vorsicht genossen werden. Trotzdem zeigen einige Beispiele, wie viel drinliegt. Nehmen wir den Bau des derzeit höchsten Gebäudes in der Schweiz, des Roche-Towers in Basel.

Wenn dank einer modellbasierten Kollisionsprüfung beispielsweise zehn Prozent der Bausumme aufgrund von frühzeitig erkannten Planungsfehlern eingespart werden konnten, sprechen wir von 55 Millionen Schweizer Franken. Das ist bereits eine Menge Geld. Da sich der Projektablauf dauernd überwachen lässt, werden unvorhersehbare Verzögerungen fast ausgeschlossen.

Ohne solche Änderungsprozesse, die auch Überstunden, späte Projekt-Finalisierung sowie tiefe Produktivität und Kundenloyalität umfassen, können rund 15 bis 20 Prozent Kosten eingespart werden. Am Beispiel des 550-Millionen-Baus der Roche sprechen wir also von über 100 Millionen Schweizer Franken. Und nehmen wir die Betriebsphase mit in die Berechnungen auf, werden die Zahlen noch eindrücklicher.

Verschiedene Datenerhebungen zeigen, dass bereits nach einigen Jahren die Summe der Kosten für die Bewirtschaftung den Investitionskosten für den Gebäudebau entspricht. Besonders für Unternehmen im Spital- oder Produktionswesen schafft der Einbezug des Facility-Managements in die Planung und Realisierung einen massiven Mehrwert.

Und BIM schafft für das Facility-Management eine Menge Vorteile und Sparmöglichkeiten. Wer also von Beginn weg auf BIM setzt und dafür ein bisschen etwas investiert, gewinnt in jeder folgenden Phase ein Vielfaches zurück.