Was umfasst «Nachhaltiges Bauen» und welche Schwerpunkte werden gesetzt?
Der Begriff «Nachhaltiges Bauen» wird in der SIA-Norm mit den drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung, der Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsverträglichkeit für das Bauen konkretisiert und in 32 Kriterien formuliert. Das Postulat der Nachhaltigkeit umfasst somit weit mehr als reines Energiesparen. Es schliesst Anforderungen wie die Nähe zum öffentlichen Verkehr, die Ressourcenschonung bei der Materialwahl genauso ein wie z. B. kinderfreundliches, behindertengerechtes Bauen und wirtschaftliche Lebenszykluskosten. Die Gebäude sind für rund die Hälfte sowohl des gesamten Energieverbrauchs als auch des Klimagasausstosses verantwortlich. So bildet die ökologische Nachhaltigkeit den wichtigsten Schwerpunkt, an den heute grundlegend neue Anforderungen gestellt werden. Die Nachhaltigkeitsziele zur Optimierung bei jedem Bauprojekt gehen dabei auf folgende Bereiche ein: Die Heizwärme, die Warmwassererzeugung, der Strombedarf für Beleuchtung, Geräte, Kommunikation sowie die graue Energie (Herstellungsenergie der Baumaterialien) und schliesslich die lokale Nutzung der Sonnenenergie und die Stromproduktion mit Fotovoltaik-Panels.

Wo liegen die Vorteile nach­haltigen Bauens?
In Studien wurde nachgewiesen, dass der Wert von Minergie-Bauten schneller ansteigt als der von Bauten ohne Minergiestandard. Sie bieten z. B. durch die Komfortlüftung einen erhöhten Lärmschutz oder die Möglichkeit, Pollen- und Staubfilter einzusetzen. Bei den Minergie-ECO-Bauten, wird in besonderem Masse auf die Wohngesundheit und die Umweltverträglichkeit geachtet.

Welche Nachteile stehen dem gegenüber, gibt es kurzfristige Kosten?
Billigbauten erreichen die hoch gesteckten Nachhaltigkeitsanforderungen nicht. Die Investitionskosten
liegen deshalb für die Ausrichtung und Optimierung zur Nachhaltigkeit eines Gebäudes oder Baus etwas höher.
Die Erreichung des Minergiestandards verlangt zwischen 2 bis 5 %, für Minergie-P etwa 10 bis 15 % Mehrkosten. Ein Teil davon kann durch die reduzierten Energiekosten wieder ausgeglichen werden.

Welche Anreize werden durch den Staat geboten im Rahmen von Fördermitteln?
Insbesondere Energiemassnahmen werden finanziell gefördert. Im Rahmen des Gebäudeprogramms von Bund und Kantonen können Immobilienbesitzende Fördergeld für einzelne Massnahmen wie Wärmedämmungen oder den Einbau von neuen, darauf ausgerichteten Fenstern nutzen und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die Förderung ist stark standortabhängig, weil die Kantone, Städte und Gemeinden das Gebäudeprogramm individuell ergänzen.

«Billigbauten erreichen die hoch gesteckten
Nachhaltigkeits­anforderungen nicht.»

Was bringt es, bezüglich Energiegewinnung und Schadstoffausstoss, wenn gesamtschweizerisch alle nachhaltig bauen?
Der Gebäudesektor bietet das grösste Potenzial, die Verschwendung zu reduzieren. Die grosse Herausforderung stellen die bestehenden Bauten dar. Eine Optimierung birgt ein Potenzial von rund einem Viertel des gesamten Energiebedarfs und des analogen Klimagasausstosses in sich. Eine solche Sanierung wird aber Jahrzehnte dauern, denn Massnahmen dazu werden jeweils erst in den anfallenden Erneuerungs- und Modernisierungsbedarf der betreffenden Bauten einbezogen.

Welche Veränderungen prognostizieren Sie durch nachhaltiges Bauen?
Wird die breitflächige Durchsetzung nachhaltiger Bauweisen mit Massnahmen zur Eindämmung der Energieverschwendung ergänzt, die sich nach dem Verursacherprinzip bei der Schadensdeckung richten, wird der übermässige Klimaaausstoss relativ zügig abgebaut werden. Im Nachgang kann der Energiebedarf insgesamt reduziert und der verbleibende auf erneuerbare Quellen umgestellt werden.