Das markante Gebäude wurde 1961/62 von den Architekten Limbach und Bolliger als Büro- und Betriebsgebäude für das Autogewerbe erbaut. Die Grundstruktur und die Gebäudehülle befinden sich im Originalzustand, im Innern wurden dagegen von den bisherigen Eigentümern mehrmals Umbauten vorgenommen. 2007 erwarb Stadtbauten Bern* die Liegenschaft. Die Fenster und ein Grossteil der technischen Anlagen waren nach 50 Jahren Gebrauch am Ende ihrer Lebensdauer und mussten ersetzt werden. Auch genügte das Gebäude den gesetzlichen Anforderungen bezüglich Sicherheit, Brandschutz, Hindernisfreiheit und Energieverbrauch nicht mehr. «Es war definitiv Handlungsbedarf angesagt», blickt Elisabeth Staritz von der Fachstelle Nachhaltiges Immobilienmanagement bei Immobilien Stadt Bern* zurück.

Architektonisches Konzept
Das dreiflügelige Bürogebäude fällt durch seine markante Fassadengliederung auf: Ins Auge springt die für die frühen 1960er-Jahre typische Bänderung mit blauem Glasmosaik und umlaufenden Kunststein-Fensterbänken. Ebenfalls zeittypisch sind die filigranen «fliegenden» Betonvordächer. Aufgrund seiner Beton-Skelett-Struktur weist das Gebäude eine hohe Nutzungsflexibilität auf. Durch gezielte Massnahmen wurde die an einem attraktiven städtischen Standort gelegene Liegenschaft aufgewertet und an ihre neue Nutzung angepasst. Heute ist darin das Sozialamt der Stadt Bern untergebracht; das Untergeschoss dient als Stützpunkt der städtischen Strassenreinigung. Bei der Sanierung wurde Wert darauf gelegt, dass die Ausstrahlung des charakteristischen Gebäudes erhalten bleibt. Mit der sorgfältigen Reinigung und Ergänzung des bestehenden Glasmosaiks und der Erneuerung der Anstriche wurden die Fassaden sanft renoviert. Als wichtiges Element der Fassadengliederung blieben die filigranen Vordächer und die umlaufenden Kunststein-Fensterbänke unverändert. Zur energetischen Optimierung der Gebäudehülle und zur Erfüllung der Lärmschutz-Anforderungen wurden die Schwingfenster durch Holz-Metall-Fenster mit identischer Fensterteilung ersetzt. Hellgraue Stoffmarkisen dienen als Sonnenschutz. Das Erdgeschoss des Nord-Traktes wurde auf die Tragstruktur zurückgebaut und konnte damit als Empfangs- und Wartebereich für die Klienten des Sozialdienstes neu gestaltet werden.

Minergie-Standard erreicht
In den Bürobereichen liess man die bestehende Zellenstruktur weitgehend unverändert. Der ehemalige Werkstattbereich im Erdgeschoss wurde zu Zellenbüros ausgebaut. Im dritten Obergeschoss wurde neu ein Pausenraum eingerichtet, der allen Mitarbeitenden des Sozialamtes zur Verfügung steht. Die Einstellhalle im Untergeschoss dient dem Tiefbauamt der Stadt Bern als Stützpunkt der Strassenreinigung. «Die originale Farbgebung der Fassaden wurde bewusst beibehalten», betont Staritz. Die hellblauen Glasmosaik-Bänder bilden den wesentlichen Farbträger der Fassade. In den Innenräumen wurden die Wände der Treppenhäuser in Komplementärfarben zum Blauton der Fassade eingefärbt. Das «Herzstück» des Hauses, die Empfangstheke im Erdgeschoss, empfängt den Besucher in einem warmen Orange. Die Bodenbeläge wurden in einem dunklen Linoleum-Belag ausgeführt, der mit dem Kunststein der Treppen eine angenehme Verbindung eingeht. Das Gebäude ist an den Wärmeverbund angeschlossen, die Heizenergie wird aus der Abwärme der Kehrichtverbrennungsanlage bezogen. Der Minergie-Standard für Umbauten konnte mit mehreren Massnahmen an der Gebäudehülle erreicht werden. Dazu gehören die Dämmung des Dachbodens, der Untersichten sowie der Decke gegen das unbeheizte Untergeschoss und der Ersatz der Fenster mit IV-Verglasung. Im erdgeschossigen Empfangsbereich und im Pausenraum hat man eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung installiert. «Sämtliche Massnahmen wurden auf ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis überprüft», fasst Elisabeth Staritz zusammen. Wo immer möglich, wurden deshalb bestehende Bauteile, Oberflächen und Raumstrukturen belassen.

FACTS
Prinzip Nachhaltigkeit

Immobilien Stadt Bern verfolgt das Ziel, alle städtischen Liegenschaften des Finanz- und Verwaltungsvermögens nach ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten zu bewirtschaften. Die Ressource Immobilie soll auch zukünftigen Generationen nach den Gesichtspunkten der nachhaltigen Entwicklung zur Verfügung stehen. Zur Einführung des nachhaltigen Immobilienmanagements wurde eine Software entwickelt, mit der die Immobilien umfassend beurteilt werden können.

*Aus der ehemaligen Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern und Teilen von Stadtbauten Bern ist am 1. Januar 2014 Immobilien Stadt Bern entstanden.