Architektur ist immer ein Zeichen seiner Zeit und befindet sich daher auch in einem stetigen Wandel. Die jeweiligen Baukörper und die gestalterischen Elemente an der Gebäudehülle sind zwar gegen aussen sichtbar. Für die meisten Betrachter nicht erkennbar sind jedoch die verwendeten Materialien, die angewandten Bautechniken und -standards. Moderne Gebäude verbrauchen nur noch einen Bruchteil der Energie wie noch vor zwei Jahrzehnten. Eine veränderte Gesetzgebung und deutlich verbesserte Dämmmaterialien machen dies möglich. 1994 entstand die Idee der Minergie-Bauweise. Während zu Beginn vor allem Idealisten und besonders umweltbewusste Bauherren diese Art des Neubaus praktizierten, gilt Minergie heute in all seinen Abstufungen als allgemein anerkannter und sehr gefragter Baustandard. Und dies nicht bloss für Neubauten sondern auch für Renovations- und Sanierungsobjekte.

Vom Architekten zum Minergie-Fachpartner

Verschiedene Architekurbüros haben sich in der Zwischenzeit auf das Bauen mit Minergie spezialisiert und sind Minergie-Fachpartner geworden. Diese Fähigkeit lässt sich nicht einfach einstellen, sondern muss über Jahre erarbeitet werden. Dies wiederum erfordert eine Entwicklung, die vom ganzen Architekten-Team gelebt werden muss. Durch die stetige Präsenz der Minergie-Bauweise in allen Medien und die überzeugenden Argumente ist die Nachfrage enorm gewachsen. Bis Ende Obtober 2014 wurden über 33›000 Bauten in der Schweiz nach diesem Standard gebaut oder saniert. «Aufgeschlossene Bauherren verlangen bereits bei den ersten Architektengesprächen gezielt nach den Minergie-Standards. Andere wiederum werden vom Architekten auf die Vorteile aufmerksam gemacht», erklärt René C. Breitinger, Inhaber und Geschäftsführer eines Architekturbüros in Zürich-Oerlikon. Die verschiedenen Abstufungen in den Labels unterscheiden sich in der Konsequenz der Anwendung dieser Bauweise.

Haustechnik ist ein zentrales Element

Ein ganz wesentlicher Teil des Minergie-Konzeptes bildet die Haustechnik. Bei vielen Planern und Technikern in diesem wichtigen Segment hat in den vergangenen Jahren ein wichtiger Lernprozess stattgefunden. Erst mit der Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse kann der Minergie-Gedanke richtig umgesetzt werden. Das bedeutet ein ständiger Lernprozess und die Vertiefung in die Materie, aber auch eine optimale Koordination zwischen Architekten und Fachplaner. Nur so können die abgedichtete Gebäudehülle, die Heizung mit erneuerbarer Energie und die kontrollierte Lüftungsanlage optimal aufeinander abgestimmt werden.

Leben im Minergie-Haus

«Das Leben in einem Minergie-Gebäude bedingt für die Bewohner eine gewisse Anpassung und ein anderes Nutzverhalten,» sagt Reto Wunderlin, dipl. Architekt ETH SIA im selben Architekturbüro. Die kontrollierte Wohnungslüftung macht Lüften über die Fenster überflüssig. Architekten und Minergie-Fachpartner brauchten anfänglich viel Überzeugungsarbeit bei Mietern wie Eigentümern, dass mit der richtigen Einstellung der verschiedenen Parameter auch in einem Minergie-Gebäude eine gute Raumluftqualität vorhanden ist. Mit den gewonnen Kenntnissen des optimalen Gleichgewichtes zwischen Dämmung, Heizung, Lüftung konnten auch die gesetzlichen Mindestanforderungen angepasst werden. Durch die Verbreitung dieses Energiestandards stieg auch das Fachwissen der Planer enorm. Heute lassen sich nicht nur Neubauten im Minergie-Bauweise erstellen; dieser Baustandard ist auch bei der Planung vieler Sanierungsprojekte und bei Bestandsbauten immer ein wichtiges Thema. Bauen mit Minergie lässt heute auch die unterschiedlichsten Bauweisen, ob nun Holzbau, Massivbau oder eine Glasfassade zu. Das Gespräch mit einem ausgewiesenen Minergie-Fachpartner lohnt sich daher auf jeden Fall.