Verantwortlich für diesen Erfolg waren die mit der Marke propagierte Verbindung von Energie mit Komfort und Wert und die pragmatische, äusserst schlanke Definition der Standards. Diese Kombination war das Resultat einer langjährigen interdisziplinären Zusammenarbeit zweier erfahrener Fachleute, einem Betriebswirtschafter und einem Energie-Ingenieur. Nicht nur die Umwelt sollte von der Minergie-Technik profitieren, sondern primär der Nutzer. Minergie sollte nicht das Image der Schweizer Sparmentalität anhaften. Sparen ist der grösste Feind des Fortschritts! Beim Marketing von Minergie wurde deshalb von Anfang an betont, dass diese Häuser dank geschickter Technik wenig Energie brauchen, und zwar nicht, indem man die Räume nur noch auf ungemütliche 18 Grad heizt.

Es darf warm sein

Schon 1996 wurde der erste Minergie-Standard mit rund 4 Liter Heizöl pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche festgelegt. Mit einer geschickten Auswahl von Massnahmen konnte das gegenüber dem Verbrauch damaliger Durchschnittsneubauten spektakuläre Resultat kostengünstig erreicht werden. Die technische Basis lieferten die Erfahrungen mit der 1990 entstandenen Null-Heizenergie-Siedlung in Wädenswil.

Automatische Wohnungslüftung

Zudem wurde sofort die Verbindung zur Wirtschaft gesucht, damit sie durch Standardisierung von Bauteilen die Entwicklung beschleunigen und Geld verdienen konnte. Für verschiedene Systeme ist Minergie zu deren Richtschnur geworden. Anfänglich haben sich nur die fortschrittlichsten Baufachleute und Bauherren getraut, die neuen Techniken, insbesondere automatische Wohnungslüftungen, einzusetzen. Mit der steigenden Verbreitung der Minergie-Bauten sind diese zum Stand der Technik geworden. Zum raschen Vertrauensgewinn hat sehr wesentlich beigetragen, dass sich neben der Wirtschaft auch der Bund und alle Kantone hinter die Ziele von Minergie gestellt und die Standards sehr aktiv gefördert haben.

Ziel der Marke ist erreicht

Das hat sich auch ausgezahlt, hat es doch den Kantonen schon 2008 erlaubt, in einem ersten Schritt die Musterverordnung dem Niveau von Minergie anzunähern und so eine wichtige Etappe im Sinne ihrer Energiegesetze zu realisieren. Jetzt, nach weiteren sechs Jahren Erfahrung, wollen die Kantone mit ihren Vorschriften das Energieniveau für Neubauten präzis auf die Werte der Minergie-Basis-Standards absenken. Damit hat die Marke einerseits ihr Hauptziel erreicht. Statt sie nun aber aufzugeben, wollen wir ihre enorme Bekanntheit für wichtige neue Entwicklungsschritte nutzen. Mit einem aus der Maschinenindustrie bekannten Minergie-Qualitäts-System wollen wir die Mängel an Minergie-relevanten Bauteilen reduzieren. Damit soll das Qualitätsbewusstsein in der Bauwirtschaft erhöht werden, als wichtige Voraussetzung dafür, dass auch der grosse zweite Schritt der Vorschriften tatsächlich zu einem tieferen Energieverbrauch der Neubauten führen wird.

Auch für Altbauten erfolgreich

Minergie war bisher primär im Neubau erfolgreich. Der Anteil der Marke an den vor 1980 erstellten Bauten beträgt hingegen nur etwa 0.5 Prozent. Mit Standardlösungen wollen wir nun privaten Gebäudeeigentümern den Zugang zum Minergie-Haus erleichtern. Ein Erfolg in diesem Bereich ist doppelt wichtig: Einerseits bedeutet die Minergie-Standardlösung für vor 1980 entstandene Bauten durchschnittlich einen dreimal kleineren Energieverbrauch. Andererseits sind für bestehende Bauten Vorschriften ganz schlecht anwendbar, weil sie immer zu politisch höchst unerwünschten Zwangsmassnahmen führen würden, während Minergie auch in diesem Bereich die Chance hat, freiwillige Wege attraktiver zu machen. Mit ihrer Definition – geringer Verbrauch nichterneuerbarer Energie, komfortables und gesundes Raumklima, Gebäudewert – bleibt die Marke also höchst attraktiv für Nutzer, Investoren, Systemanbieter und Fachleute.