Eine moderne Gebäudehülle ist nicht nur schön anzuschauen, sondern genügt höchsten Anforderungen an die Dämmung und produziert im besten Falle sogar Energie – beispielsweise mit Photovoltaikplatten auf dem Dach. Bernhard Lanzendörfer ist CEO und Delegierter des Verwaltungsrats bei der ZZ Wancor AG, die Ziegel und Backsteine produziert. Er ist ein Profi der Gebäudehüllen. «Heute muss man ein Haus auf maximale Energieeffizienz bringen und zudem Gebäudehüllen gestalten, die auch ästhetischen Aspekten genügen», sagt er.

Kompaktfassaden am gebräuchlichsten
Am gebräuchlichsten für Fassadendämmungen sind heute sogenannte Kompaktfassaden. Sie bestehen aus dem Innenverputz, einer Backstein- oder Betonmauer, die mit einer 20 Zentimeter breiten Wärmedämmung versehen und nach aussen hin noch einmal verputzt wird. Am häufigsten wird heutzutage der Kunststoff Polystyrol zum Dämmen verwendet. «Das ist zwar die wirtschaftlichste Lösung, dafür stellen die Mechanik und das Brandverhalten dieser Platten eine grosse Herausforderung dar», sagt Lanzendörfer. Mineraldämmungsstoffe wie Stein- oder Glaswolle seien zwar teurer, dafür ökologischer und sicherer bei Bränden.

Robustheit ist eine Herausforderung
Die grösste Herausforderung der weit verbreiteten Kompaktfassaden sind deren Robustheit. Von aussen sind die Dämmmaterialien, die nur verputzt sind, leicht zu beschädigen. Ein scharf geschossener Fussball kann schon Schäden in der Fassade hinterlassen. Bei einer hinterlüfteten Fassade, die Luftzirkulation zwischen Dämmung und Aussenwand zulässt oder einer Fassade aus Sichtbacksteinen, die ganz aus Stein besteht, ist das weniger problematisch. Sie weisen mindestens eine doppelt so lange Lebensdauer auf als Kompaktfassaden, sind dafür aber deutlich teurer. «Natürlich sind die Investitionskosten höher, dafür zahlen sich die Lebenszykluskosten aus», meint Lanzendörfer.

Neuer Backstein entwickelt
«Dieses massive Bauen hat den Vorteil, dass altbekannte Vorzüge von Stein, der Wärme sowie Kühle speichern und abgeben kann, wieder genutzt werden.» Um das massive Bauen zu fördern, hat ZZ Wancor einen neuen Backstein entwickelt: Der Monolith. Der Backstein ist mit dem vulkanischen Glas Perlit gefüllt und grösser als normale Backsteine. Er erfüllt die Dämmwerte des Minergie-Standards und wirkt schalldämpfend. «Durch seine Isolier- und Speichereigenschaften wirkt er kühlend im Sommer und wärmend im Winter», sagt Lanzendörfer

Kommt das Steildach zurück?
Muss nachhaltiges Bauen denn klotzig und quadratisch sein? «Überhaupt nicht!», sagt Bernhard Lanzendörfer und fügt an: «Sichtbackstein und hinterlüftete Fassaden lassen beispielsweise viel ästhetischen Spielraum.» Hinterlüftete Fassaden können aussen mit Glas-, Keramik-, Aluminium-, Holz- oder Steinplatten versehen werden. «Auch mit Schrägdächern kann man mit der Ästhetik spielen», sagt Lanzendörfer. Steildächer sind trotzdem bei einigen Architekten aus der Mode gekommen. Um verdichtet zu bauen, werden viele Mehrfamilienhäuser meist mit Flachdächern gebaut, um eine maximale Raumausnutzung zu gewährleisten. Flachdächer lassen sich als Terrasse nutzen und eignen sich auch gut für Photovoltaik-Anlagen. Dafür besitzt das Ziegeldach eine lange Lebensdauer und ist individuell gestaltbar sowie nahtlos mit der Fassade verbunden. «Wir sind überzeugt, dass das Steildach im Architektur-Trend wieder kommen wird», sagt Lanzendörfer. Auch die Gebäudehülle unterliegt also Trends. Die Anforderungen an die Nachhaltigkeit der Fassaden und Dächer sind jedoch Realität und wird die Baubranche lange beeinflussen. Lanzendörfer meint: «Will man heute ein Haus errichten, lohnt es sich, nicht nur für die nächsten 25, sondern für die nächsten 100 Jahre zu bauen.»