Elisabeth Staritz
Fachstelle Nachhaltiges Immobilienmanagement Baumanagement

In der Schweizer Hauptstadt Bern bezeugen grossartige öffentliche Gebäude eine jahrhundertealte, adelige und grossbürgerliche Vergangenheit. Sie alle, und auch städtische Neu- und Wohnbauten, gehören zum Verwaltungs- und Bauvermögen der Stadt Bern. Diese Bauwerke müssen unterhalten werden, und es gilt auch, Wünsche zu hinterfragen. «In Bern pflegen wir die gesamtheitlichen Aspekte unserer Bauwerke, und dies nicht erst seit der Fusion der ehemaligen Liegenschaftsverwaltung und der Stadtbauten Bern zur Immobilien Stadt Bern», sagt Elisabeth Staritz, Fachleiterin Nachhaltiges Immobilienmanagement bei Immobilien Stadt Bern. Der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes wird von Anfang an bei der Realisierung der Projekte in Betracht gezogen.

Eines der Hauptthemen dieses Jahres sind die Analyse und Priorisierung von Massnahmen an Schulhäusern. Das Schulamt meldet einen Bedarf an, beispielsweise in Bern-Brünnen im Westen der Stadt, weil dort eine neue Siedlung entsteht. Nun muss der Bedarf geprüft werden, der Standort, die Umeltschutz-Massnahmen. Elisabeth Staritz bringt alle Beteiligten an einen Tisch, auch die Lehrer und die Hauswarte. «Wir bringen uns gerne so früh wie möglich ein», sagt sie. «Sehr oft geht nämlich vergessen, dass ein fertiges Gebäude auch einen Betrieb bis zum Ende seiner Lebenszeit benötigt.»
 

Solarenergie sogar bei historischen Bauten

Zur geforderten Nachhaltigkeit gehören ganz besonders die Energieversorgung, die Wirtschaftlichkeit des Betriebs und die Voraussage, ob etwa bei einem Schulhausneubau auch bereits neue Schulformen berücksichtigt wurden. Das Immobilienmanagement bezieht die gesellschaftliche Zukunft mit ein, nicht nur die Effizienz, und sie liefert auch finanzielle Transparenz: «Die Steuerzahler haben ein Recht zu wissen, was mit ihrem Geld geschieht.»

In einer Stadt wie Bern ist der Schutz der äusseren Ansicht eines Bauwerks sehr wichtig, und hier will der Denkmalschutz mitreden. Dennoch gelingt bei Sanierungen historischer Bauten meist der Einbezug neuzeitlicher Energiequellen. Insbesondere im Bereich Solarenergie geht die Stadt Bern mit der im Jahr 2013 lancierten Solarstrategie voran.
Der Sanierungsbedarf von überlieferten Pachtsbauten gehört zur täglichen Arbeit des Nachhaltigen Immobilienmanagements und wird der Fachstelle oft zugewiesen. Aber häufig enthüllen auch eigene Begehungen die Notwendigkeit einer Überholung. Wichtige Projekte im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement sind auch im Zusammenhang mit Nachhaltigkeits-Labeln wie Minergie, 2000-Watt-Gesellschaft und dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz zu nennen. So wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte zertifiziert. Momentan wird beim Projekt Minergiesanierung der Verwaltungsgebäude Schwarztorstrasse der neue Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz getestet. Der Schutz vor Naturkatastrophen muss berücksichtigt werden. In früheren Jahrhunderten, so Staritz, wurde unbekümmert auch in gefährdeten Gebieten gebaut, zum Beispiel in der «Matte», die ein schlimmes Hochwasser zu beklagen hatte. Auch Erdbebensicherheit ist ein wichtiger Faktor. «Ästhetik ist nicht alles», so Staritz. «Auch die Sicherheit muss gewährleistet sein.»
 

«Die Steuerzahler haben ein Recht zu wissen, was mit ihrem Geld geschieht.»


Verantwortung auch der Mieter

Neu ist, dass in Bern Bestrebungen für eine Nachhaltigkeits-Klausel im Bereich der Mietverträge angedacht werden. Die Mieterinnen und Mieter, ob sie eine Boutique oder eine Privatwohnung im Besitz der Stadt beziehen, müssen Verantwortung übernehmen, was beispielsweise das Stromsparen betrifft, immer unter der Voraussetzung der jeweiligen Rahmenbedingungen der Liegenschaft – etwa ob diese energetisch bereits auf dem besten Stand oder unsaniert ist. In Bern wird nach der Zielsetzung des Standards Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) gearbeitet. Schön wäre es, so Staritz, wenn bald einmal der Schritt vom Standard zum Label getan würde: «Die Zertifizierung erfordert Kontrollen und Berichte. So würde die Nachhaltigkeit dauerhaft gewährleistet.»