Seit Mai 2009 wird hinter dem Zürcher Hauptbahnhof mit Hochdruck gebaut. Bis 2020 wird hier auf einer Fläche von 80 000 Quadratmetern ein neuer Stadtteil hochgezogen, der die Innenstadt mit den Stadtkreisen Aussersihl und Industrie verbindet. Das unter dem Namen «Europa-Allee» bekannte Projekt bietet mitunter Raum für tausende Studien- und Arbeitsplätze und hunderte Wohnungen. Die erste Bauetappe auf dem «Baufeld A» wird bereits im Juli 2012 fertiggestellt sein. Sie kostet 250 Millionen Franken und wurde von der SBB und der Baudirektion des Kantons Zürich in Auftrag gegeben. Hier, hinter der alten Sihlpost, entstehen das neue Schulhaus der Pädagogischen Hochschule Zürich, ein Einkaufszentrum und der neue Sitz der Credit-Suisse-Tochter Clariden Leu. Implenia ist mit ihrem Konzernbereich Real Estate als Totalunternehmerin für die schlüsselfertige Erstellung der Bauten verantwortlich. Parallel dazu ist der Konzernbereich Bau Infra bei den Arbeiten für die Baugrube und die spezielle Dämmung involviert.

Einmal der Eiffelturm
Obschon das Baufeld A bloss eine von insgesamt drei Bauetappen ist, stellt es für sich allein ein Grossprojekt dar. Über 500 Menschen arbeiten hier auf einem Areal, dessen Geschossfläche mit 180 000 Quadratmetern in etwa so gross wie 18 Fussballfeder ist. Die 144 100 Tonnen Beton und 7 200 Tonnen Armierungsstahl, die hier verbaut werden, würden ausreichen, um den Eiffelturm in Paris ein zweites Mal zu errichten. Der gigantische Materialbedarf stellt hohe Anforderungen an die Logistik. Weil sich die Baustelle auch noch mitten in einem stark frequentiertem Stadtgebiet mit hohem Verkehrsaufkommen befindet und das ganze innert bloss 34 Monaten über die Bühne gehen muss, sind die Anforderungen diesmal besonders hoch – oder «sportlich», wie es Implenia-Bauleiter Thomas Krammer ausdrückt, der während der Ausbauphase für die reibungslose Versorgung auf dem Baufeld A zuständig ist.

Viel Verkehr – viele Probleme
Logistiker sorgen für Sicherheit und Bewegung. Im Fall eines Unfalls können Rettungsfahrzeuge von zwei Seiten her über vier verschiedene Zugänge auf das Baufeld A gelangen. Eine S-förmige Strassenführung innerhalb des Areals sorgt für einen reibungslosen Verkehrsfluss der Lastwagen und Zulieferfahrzeuge in beiden Richtungen. An ruhigen Tagen, wie sie Krammer derzeit erlebt, fahren 10 bis 15 Lastwagenfahrten pro Tag vor. «Aber es war auch schon bedeutend mehr los.» Zum Beispiel als die massiven Gipsplatten für die Zwischenwände geliefert wurden. Sicherlich wäre es ungünstig gewesen, hätte man zu diesem Zeitpunkt auch noch die Leitungen in den Boden verlegt, wofür eigens die grosse Umfahrungsstrasse auf dem Areal gesperrt werden musste. Ein hohes Verkehrsaufkommen bereitet aber auch deshalb Mühe, weil es auf dem Baufeld A praktisch keine Lager- und Stehflächen gibt. Eine von Krammers Hauptaufgaben besteht darin, Verzögerungen und Unregelmässigkeiten bei den rund 120 Zulieferfirmen zu vermeiden. Denn: «Wenn jemand unangemeldet vorfährt und so andere behindert, dann gibt es unter Umständen Streit, und es muss geschlichtet werden». Im Grossen und Ganzen funktioniere es aber gut. Damit die tägliche Materialflut an Beton, Mauerwerk, Gips, Stein und Glas bewältigt werden kann, wurde im Implenia-Büro neben der Baustelle eigens ein Logistikprojektraum eingerichtet. Zentrales Instrument ist eine Web-Seite, die im Prinzip für jedermann zugänglich ist. Über sie gibt jeder Zulieferer ein, was er wann und wohin zu liefern gedenkt, wie schwer das Material ist und ob er einen Lift, Kran oder ein Funkgerät benötigt. Anschliessend wartet er auf die Auftragsbestätigung.

Planung ist alles
Für die Logistikverantwortlichen ist es absolut zentral, dass das angelieferte Material möglichst schnell und effizient an den Einbauort gelangt. Da versteht es sich von selbst, dass nicht planlos mit Bauen begonnen werden kann. «Erst die Gipsplatten für die Zwischenwände, dann die Lüftungskanäle und dann die Rohrleitungen für die Haustechnik», beschreibt Krammer den Bauablauf in der Ausbauphase. Das Baufeld A zählt insgesamt sieben gut zugängliche Lieferzonen mit je einem angrenzenden Bau-Lift, der je nach Ausführung Lasten von zwischen ein bis zweieinhalb Tonnen tragen kann. Als die rund 12 Tonnen schweren Rohrleitungen für die Haustechnik angeliefert wurden, war schnell klar, dass man dafür einen grossen Kran benötigen würde. Man hat sich dann aber entschieden, die Rohre zu zerkleinern und sie oben wieder zusammenzuschweissen. Logistik ist ein Stressjob. «Der Terminplan sitzt einem ständig im Nacken», sagt Krammer. Vor allem bei Grossprojekten gibt es viele Schnittstellen: «Hier brauche es viel Organisationstalent, weil ein Grossteil der Planung im Alleingang erfolgt.»