Die Schweiz will die Energiewende umsetzen. Die Struktur der Schweizer Energieversorgung soll neu ausgerichtet werden mit dem Ziel einer nachhaltigen, umweltverträglichen und möglichst dezentralen Energiewirtschaft. Das Vorhaben bleibt nicht ohne Auswirkung auf die Volkswirtschaft. Damit ist insbesondere auch unser Industriesektor gefordert, der im Brennpunkt des angestrebten Wandels steht. Stete Veränderung ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel der Geschichte der Schweizer Industrie. Denken wir nur an den Aufsehen erregenden Niedergang und die Wiederauferstehung der Schweizer Uhrenindustrie dank des weitsichtigen Unternehmers Hayek. Oder an den Schweizer Eisenbahn- und Waggonbau, der mit dem Erfolg des Unternehmens Stadler Rail und dessen revolutionären Leichtbauweise zu neuer Grösse zurückgefunden hat. Die hiesige Industrie hat über Jahrzehnte bewiesen, dass sie zu Spitzenleistungen fähig ist und sich in einzelnen Bereichen sogar zuoberst in entsprechenden Ranglisten einreihen kann. Davon zeugen nicht zuletzt die immer wieder erreichten Ranglistenplätze, im Jahre 2013 etwa der 2. Platz bezüglich Wettbewerbsfähigkeit und der 5. Platz bezüglich Innovation. Dass in diesem Wettrennen um Spitzenleistungen die Bewährung im Energiesektor zu einem Schlüsselfaktor wird, liegt auf der Hand. Jene Länder, die es zuerst schaffen werden, Ihre Energieversorgung umzustellen, werden langfristig massiv gewinnen. Die Schweiz und ihre Industrie ist hervorragend geeignet, eine globale Vorreiterrolle bei der Energiewende einzunehmen. Dabei stehen nicht nur die Stromerzeugung, sondern ebenso die Gewinnung von Wärme und Kälte sowie von Antriebsenergie im Fokus der Aufmerksamkeit. Die tragende Rolle der Wasserkraft und der neuen Erneuerbaren Energien bei der reinen Stromerzeugung ist für Gegenwart und Zukunft unbestritten. Während beispielsweise in anderen Ländern die Frage der temporären Speicherung von durch Erneuerbare Energiequellen erzeugtem Strom grosses Kopfzerbrechen bereitet, verfügt die Schweiz über eine natürliche und passende Lösung: Eine direkte Kopplung der Erneuerbaren Energien mit den Stauseen der Schweiz. Dadurch lässt sich kurz- und mittelfristig die Speicherung gewährleisten und damit kann das volle Potenzial der Sonnen- und Windenergie besser erschlossen werden. Dafür sind Investitionen in die Ladekapazität der Stauseen notwendig, d.h. die Pump- und «Abruf»-Volumen. Auf Basis der bestehenden Infrastruktur ist die Schweiz prädestiniert, hier eine Vorreiterrolle einzunehmen. Weiter ist anzumerken, dass die Erzeugung der übrigen Energien, insbesondere von Wärme für öffentliche, industrielle und private Gebäude und von Brennstoffen für den Verkehr, heute noch wesentlich stärker und teils ausschliesslich von importierten Energieträgern abhängt (Strom macht nur rund einen Viertel des schweizerischen Gesamtenergieverbrauchs aus).


 

Effiziente Gebäudetechnik
Der Gebäudebereich offenbart denn auch die immensen Chancen, die sich aus einer immer effizienteren Nutzung von Energie einerseits und aus direktem Energiesparen andererseits ergeben. Besonders interessant ist die Entwicklung hin zu Gebäuden, die mehr Energie erzeugen als durch ihren Bau und ihren Betrieb verbraucht wird. Solche Null- oder Plusenergiebauten sind einer der Schlüssel zur Energiewende. Voraussetzung für die Realisierung ist eine ausgefeilte Haus- und Steuerungstechnik. Die Industrie hat hier ihren Heimmarkt, sowohl im Software- als auch im Hardware-Bereich. 15  Prozent des Energiebedarfs der Gebäude in der Schweiz lassen sich über eine effiziente Gebäudetechnik heute schon einsparen. Die Schweizer Industrie ist leistungs- und anpassungsfähig. Das hat sie in der Vergangenheit immer wieder bewiesen. Sie reagiert auf Veränderung im Markt und sie nimmt Entwicklungen frühzeitig auf. Mit der Energiewende steht ein neuer grosser Umbruch an. Auch dieses Mal überzeugt die Schweizer Industrie durch Kompetenz und Innovation. Die Energiewende wird davon nur profitieren können.