Die Zeit der grossen Neubauprojekte wie etwa Glattpark, Bern Westside, Europaallee oder Greencity neigt sich weitgehend dem Abschluss zu. Wie sehen Sie das?

Neubauten im grossen Stil werden immer weniger. Doch auch der Ersatzneubau und die Umnutzung sind eine Art von Neubau. Sanierungen werden sicher in Zukunft noch mehr zunehmen, doch sind sie sehr anspruchsvoll. Nicht nur bautechnisch, sondern auch sozial.

Es geht darum, vor lauter technischen Anforderungen die Mieter nicht zu vergessen. Sie sind die Kunden, die die Nachfrage darstellen, und wer clever baut oder saniert, muss wissen, für wen er das tut.

Gibt es weitere Trends zu beobachten bezüglich der Themen in der Immobilienbranche?

Nebst der lauten Diskussion um die Digitalisierung findet auch eine – vielleicht etwas weniger laute – Entwicklung hin zu ressourcenschonender, nachhaltiger Bauweise statt. Als Konsument schauen heute sehr viele auf Bio-Produkte und andere Labels, die ihnen die Auswahl erleichtern.

Der Entscheid, welche Wohnung gemietet oder gekauft wird, fällt oft nur aufgrund der Grösse des Wohnzimmers oder der Farbe. Sicher ein wichtiger Aspekt. Aber das wäre, als würden Sie sich nur für die Farbe und die Form des Apfels interessieren, und nicht, ob er einen Wurm drin hat und mit Pestiziden besprüht wurde.

Wer den grössten Teil seines ersparten Gelds investiert, sollte sich zumindest über das Innenleben seiner zukünftigen Wohnung Gedanken machen. Und hier spielen die Gesundheitsaspekte eine wichtige Rolle.

Welche Erkenntnisse sind da besonders von Bedeutung?

Das Raumklima setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen:

  • Feuchtigkeit
  • Stäube
  • Gerüche
  • genügend Tageslicht
  • Luftfeuchtigkeit
  • oder chemische Faktoren

Damit sind Emissionen gemeint, die aus den Baustoffen ausdünsten und zu gesundheitlichen Beschwerden führen können, wie Kopfweh, Reizung der Atemwege.

Wir hören immer wieder, dass sich Bewohner über zu trockene Luft im Innenraum beschweren. Es ist klar, hier muss ein Auge darauf gehalten werden, wie die Lüftung eingebaut und wie sie gesteuert werden kann. Leider bauen wir immer noch zu oft nicht für den Bewohner.

Die Wahl der Baustoffe ist also für ein gesundes Innenraumklima und das Wohlbefinden wichtig. Warum wird es dann nicht gemacht?

Gute Frage, die Instrumente sind ja eigentlich vorhanden. Mit den Eco-BKP-Merkblättern können Bauherren einfach ökologische Baustoffe bei den Architekten oder Handwerkern bestellen. Oder auch mit Minergie-Eco.

Es stellt einerseits sicher, dass Architekten bei der Wahl der Baustoffe darauf achten, dass keine schädlichen Emissionen in den Innenraum gelangen. Andererseits wird eine ressourcenschonende Bauweise, ob mit Holz, Recycling-Beton oder mit einer Hybrid-Bauweise, angestrebt.

Welche Fragen muss ein Mieter oder Käufer dem Immobilienanbieter stellen, damit er weiss, worauf man sich einlässt?

Das umfasst ein breites Spektrum, aber allgemein gilt es, hinter die Kulissen zu schauen. Das heisst Pläne über Leitungen verlangen, sei dies Elektro, Sanitär, Heizung oder Lüftung. Die fehlen oft. Überhaupt wird der Gebäudetechnik zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl sie auf Komfort und Kosten einen grossen Einfluss hat.

Sind Leitungen zugänglich, sind genügend breite Türen für Ersatz von Apparaten vorhanden, das sind nur zwei Fragen, die Kosten im Unterhalt verursachen können. Wer wählt schon die Lüftung nach der Steuerung aus? Ein kapitaler Fehler, denn die Steuerung der Lüftung in Kombination mit der Auslegung der Leitung entscheidet darüber, wie viel Luft in die Wohnung kommt und ob die Feuchtigkeit unter den angenehmen Wert fällt.

Aber auch Angaben zu den gewählten Materialien sind wichtig. Ein Label wie FSC, PEFC oder HSH sagt viel über die Herkunft und Verarbeitung von Holzelementen aus.

Wie sollte man, Ihrer Ansicht nach, in Zukunft bauen?

Wir bauen heute für die Zukunft. Oft sind wir dabei blind für das, was heute sich ankündigt, und sind dann überrascht, wenn es zum Trend wird.

Wir bauen für die Gesellschaft von morgen.

Vieles wissen wir heute schon, doch es wird nicht beachtet. So wird in verschiedenen Orten immer noch für Familien gebaut, obwohl es an Alterswohnungen fehlt. Wir bauen für die Gesellschaft von morgen. Doch wie sieht die aus? Co-Working, Kollaboration, die neue WG ja wahrscheinlich, aber nicht nur. Es geht ja nicht nur darum, wie wir wohnen, sondern auch, wie wir bauen.

Und hier sehe ich noch viel Potenzial nach oben. Das zeigt schon die Kluft zwischen dem, was wir planen, und dem, was das Gebäude dann leistet. Ich denke, hier wird uns das Thema Qualität im gebauten Zustand noch lange beschäftigen.

Mit der Digitalisierung wird nicht nur der Bauprozess verändert, sondern auch, wie unsere Wohnung mit uns in Interaktion tritt. Gebäude werden intelligenter, sie werden mit den Bewohnern kommunizieren. Ich bin aber auch überzeugt, dass gesundes, angenehmes Wohnen noch vermehrt in den Fokus der Bauindustrie treten wird.