Im Immobilienpark der Schweiz werden in der Betriebsphase rund 50 Prozent der fossilen Energieträger für Raumheizung und warmes Wasser verbraucht. Insgesamt verbrauchen wir etwa 6000 Watt pro Person. In Indien und China sind es demgegenüber nur rund 1500 Watt. «All diese Menschen streben aber nach unserem Wohlstand, verbunden mit einer Nachfragesteigerung nach Energie. Die wirtschaftlich förderbaren Vorkommen sind aber begrenzt», warnt Gerhard Girmscheid, Professor am Institut für Bau- und Infrastrukturmanagement der ETH Zürich.

 




Geringere Lebenszykluskosten
Um nicht in diesen Verteilungskampf hineingezogen zu werden, hat der Bundesrat bekanntlich beschlossen, langfristig die 2000-Watt-Gesellschaft anzustreben. Die Bauwirtschaft kann dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. In Zukunft wird die Wert- und Renditenachhaltigkeit von Immobilien nach den Kriterien der Nachhaltigkeit gemessen. Hinsichtlich Ökonomie sind der richtige Standort und gute Architektur, verbunden mit geringen Lebenszykluskosten und Ressourcenverbrauch, entscheidend. Die Ökologie umfasst eine nachhaltige Verkehrsanbindung, geringe Emissionen, effiziente Nutzung des Bodens sowie die Nutzung regenerativer Energien. Für die Gesellschaft insgesamt sind gute Versorgungs-, Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten von Bedeutung.

Der energetische Baukasten
«Entscheidend sind die Lebenszykluskosten sowie die ökologischen Bewertungen mit einer ganzheitlichen Bau- und Betriebskostenoptimierung», betont Girmscheid. Daraus ergeben sich neue Marktchancen für Architekten, Fachplaner, Ingenieure und Unternehmen. «Erforderlich für eine nachhaltige Optimierung von Gebäuden ist ein interaktiver Ansatz in der Planungsphase», so Girmscheid. In der Frühphase müsse die Erfahrung der Planer und Facility-Manager kooperativ genutzt werden, um den energetischen Baukasten in Bezug auf optimierte Abstimmung von Hülle, Geo- und Solarthermie, passive Energiespeicherung, Photovoltaik sowie Gebäudesteuerung projekt- und kundenspezifisch zu wählen und zu optimieren. Dazu gehört die Nutzung von Baustoffen, die auf den Nutzungszyklus abgestimmt sind, unter Beachtung der grauen Energie sowie der einfachen selektiven Umnutzungs- und Rückbaufähigkeit. «Für Immobilienbesitzer eröffnen sich damit eine langfristige Sicherung ihrer Werte und Renditen und für die Anbieter Differenzierungsmöglichkeiten, verbunden mit einem entscheidenden Beitrag für eine prosperierende und nachhaltige Gesellschaft», fasst Girmscheid zusammen.