Bislang hat Digitalisierung auf der Baustelle noch immer Seltenheitswert. Anders sieht es beim Neubau des Felix-Platter-Spitals in Basel aus, der im Herbst 2018 abgeschlossen werden soll. Das ist kein Zufall: Bereits im Gesamtleistungswettbewerb hat die Bauherrschaft die Berücksichtigung von Building Information Modeling (BIM) eingefordert. 

Mit der softwaregestützten Methode zur modellbasierten Projektabwicklung über den kompletten Lebenszyklus sollte bereits vor dem ersten Spatenstich ein digitales Abbild des kompletten Gebäudes auf dem Computer entstehen. Der Vorteil: Am Modell lässt sich von der Heizung, Lüftung bis hin zur genauen Position des Feuerlöschers alles im Detail testen und prüfen. So können Fehler behoben werden, bevor sie entstehen.

Neben einer akkuraten Zeitplanung und einer messbaren Qualitätssteigerung liegt das Einsparpotenzial dank dieser Methode bei rund 10 bis 15 Prozent der Investitionskosten – bei einem 240-Millionen-Projekt wie dem Felix-Platter-Spital also eine stattliche Summe.

Neue Rollen für eine erfolgreiche Umsetzung

Das Projekt «HandinHand», eingereicht von den Unternehmen BAM Swiss AG, BAM Deutschland AG und Marti Generalunternehmung AG, überzeugte vor allem durch eine effiziente Betriebsorganisation, eine hohe Flexibilität in den Raumstrukturen sowie die geforderte Wirtschaftlichkeit in der Erstellung wie auch im Betrieb. Bei der inneren Gestaltung des neuen Spitals war zudem zentral, die verschiedensten Bedürfnisse nach Ruhe, Intimität oder Öffentlichkeit sowohl der Patienten als auch der Mitarbeiter zu berücksichtigen.

Für die erfolgreiche Umsetzung von BIM mussten zuerst neue Rollen geschaffen werden, die das Planungs- und Baustellenteam unterstützen. Der BIM-Manager stellt dabei die zentrale Ansprechperson dar, die für alle BIM-relevanten Themen zuständig ist und den Abwicklungsplan erstellt und aktualisiert. Er übernimmt eine Prüfungs- und Qualitätssicherungsfunktion und überprüft dabei das integrierte BIM-Modell hinsichtlich der vorgegebenen BIM-Richtlinie des Bauherren.

Der Modell-Manager ist dafür verantwortlich, dass das Modell der eigenen Disziplin koordiniert ist, prüft die Qualität des eigenen BIM-Modells und stellt sicher, dass Systemstrukturen, Ebenen, Elementbezeichnungen und Detailierungsgrad den Anforderungen entsprechen. Der BIM-Koordinator wiederum koordiniert die Modelle der verschiedenen Planungsdisziplinen und gewährleistet deren Integration, Kollisionsfreiheit und Konsistenz und führt regelmässige BIM-Kollision-Sitzungen durch.

Facility-Management mittels Virtual Maintenance System

«Durch das Virtual Maintenance System (VMS) werden dem Baustellenteam das BIM-Modell und damit alle aktuellen Pläne, Dokumente und 3D-Modelldaten vor Ort zugänglich gemacht», so Jochen Dietmeier, technischer Leiter von BAM Swiss.  Qualitäts- und Sicherheitschecklisten werden direkt auf dem Tablet bearbeitet. Mängel können standortbezogen aufgenommen sowie Fotos und sonstige Dokumente direkt hinterlegt werden. Für die aufgenommenen Mängel kann ein Workflow zur Mängelbeseitigung ausgelöst und nachverfolgt werden.

Eine weitere Besonderheit beim Felix-Platter-Spital ist das BIM2FM-Konzept, wofür eigens ein Laborbetrieb umgesetzt wird. Das Facility-Management soll zukünftig durch das VMS unterstützt werden. «Bekommt das computer-aided Facility-Management eine Fehlermeldung und Störung von der Gebäudeleittechnik, kann sich der Objektleiter diese Störung im VMS anschauen», erklärt Jochen Dietmeier, technischer Leiter von BAM Swiss. Der Vorteil: Es muss nicht mehr grossflächig die Decke geöffnet werden. Stattdessen lässt sich das Problem direkt im Modell identifizieren.

Eine Pionierleistung

Rückblickend bezeichnet Dietmeier das Pionierprojekt als sehr mutig: «Wir sind ins kalte Wasser gesprungen.» Der Aufwand sei im Voraus nur schwer abzuschätzen gewesen und nicht alle Wege hätten zum Erfolg geführt. «Doch es herrschte eine Aufbruchstimmung, die alle Beteiligten motivierte.» Um die Vorteile der BIM-Methode effizient zu nutzen, sei es jedoch auch zwingend notwendig, diese wie beim Felix-Platter-Spital bereits ab Beginn der Planung einzusetzen: «Dieser mutige Schritt vom Felix-Platter-Spital erweist sich heute als Vorteil bei der Planung, Realisierung und dem bevorstehenden Betrieb.»