Eigentlich könnten wir ja zufrieden sein: Der Schweizer Wirtschaft brummt. Die Arbeitslosenquote ist laut aktuellsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik BFS rückläufig, das bedeutet nahezu Vollbeschäftigung. Viele Unternehmer aus fast allen Branchen drückt der Schuh jedoch ganz woanders; beim Mangel an qualifizierten Fachkräften.

Ingenieurberufe sind besonders betroffen

Der Fachkräftemangel zeigt sich ganz besonders bei den Ingenieuren und bei den Architekten. Die Indikatoren deuten hier, laut einer Studie des Staatssekretariates für Wirtschaft SECO, auf ein ausgeprägtes Defizit hin.

Die Spezialisierung der Fachgebiete, der Fortschritt bei Industrie 4.0, die Entwicklung der Planungs- und Baubranche in Richtung Building Information Modeling BIM erfordern über die nächsten Jahrzehnte eine grosse Zahl an gut ausgebildeten Fachkräften. Zudem werden künftig auch neue Berufe entstehen, mit neuen Herausforderungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Die neue Generation muss es richten

Bei den Planungsunternehmen findet seit einigen Jahren ein grösserer Generationenwechsel statt. Diese Entwicklung ist demografisch bedingt. Ältere Mitarbeiter, mit einem grossen Erfahrungsschatz in ihrem Metier, gehen in den Ruhestand und hinterlassen oft eine Wissenslücke im Betrieb.

Eine Strategie für den Erhalt von Fachwissen ist das Verbleiben von erfahrenen Mitarbeitern im Berufsleben, die sich an der Grenze des Rentenalters bewegen. Dafür braucht es permanente Weiterbildung und die Auseinandersetzung mit den neuen Technologien. Mit Beratungsmandaten, Teilzeitmodellen und attraktiven Arbeitsbedingungen versuchen Firmen vehement, langjährige Mitarbeitende in ihrem Berufsfeld zu halten. Das kann zwar kurzfristig eine Entspannung der Situation ergeben.

Die langfristige Lösung liegt aber in der Aus- und Weiterbildung von jungen Berufsleuten. Solange die Nachfrage nach Kandidaten das Angebot übersteigt, schlägt sich der Fachkräftemangel auch in den Arbeitsbedingungen und Löhnen nieder. So ist etwa in der Planungsbranche eine wahre Abwerbeschlacht um die besten Fachleute entbrannt.

Mit permanenter Weiterbildung in die Zukunft

Die Ingenieurberufe weisen im gesamtwirtschaftlichen Vergleich deutlich überdurchschnittliche Qualifikationsanforderungen auf. Beschäftigte in sämtlichen Ingenieurberufen verfügen mindestens über einen Abschluss auf Sekundarstufe und eine entsprechende Weiterbildung an einer Fachhochschule. Diese wiederum bieten branchenspezifische Lehrgänge auf den Bildungsstufen CAS oder MAS an.

Hier wird spezialisiertes Wissen vermittelt und beispielsweise in den Fachrichtungen Holzbau, Betonbau, Gebäudetechnik oder Tiefbau spezialisiert. Manch ein Planungsunternehmen investiert gerne in die Weiterbildung seiner qualifizierten Mitarbeiter oder beteiligt sich an den Kosten. Dies natürlich in der Hoffnung, dass der qualifizierte Mitarbeiter und das gewonnene Wissen dem Unternehmen auch möglichst lang erhalten bleiben.