MOBILITÄT DER ZUKUNFT
«Bei der Finanzierung der Verkehrs-
infrastruktur-
projekte ist die Stärkung des Verursacher
prinzips ein zentraler Ansatzpunkt.»
Dr. Mario Marti
Geschäftsführer usic

Zunehmend stossen die Schweizer Verkehrsinfrastrukturnetze in den Spitzenzeiten an Kapazitätsgrenzen. Die Gründe liegen nah. Einerseits nehmen die Mobilitätsbedürfnisse der Privaten und Wirtschaftsakteure zu, andererseits wächst die Bevölkerung. Die künftige Bewältigung der anfallenden Mobilitätsbewegungen stellt politisch und wirtschaftlich eine zentrale Herausforderung dar.

Laufende politische Diskussionen rund um die Mobilität der Zukunft
Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) rechnet in den kommenden Jahren mit einer massiven Zunahme an Strassen- und Schienenverkehr. Laut den aktuellsten Studien sollen im Zeitraum 2010 bis 2030 der öffentliche Personenverkehr um 50 Prozent, der motorisierte Individualverkehr um 19 Prozent, der Güterverkehr Strasse um 27 Prozent und der Güterverkehr Schiene um 77 Prozent zunehmen. Zur Bewältigung dieser Verkehrszunahmen durch den Ausbau der bestehenden Infrastrukturnetze sind grosse finanzielle, zeitliche, politische und personelle Anstrengungen nötig. Die vielen zur Diskussion stehenden Ausbauprojekte sind aber aufgrund des kontinuierlichen Bedürfniswandels kritisch zu hinterfragen. Für die künftige Ausgestaltung der Mobilitätsinfrastrukturen stehen nicht die Wahl zwischen bestimmten Verkehrsmitteln im Vordergrund, sondern die kluge Kombination und die intelligente Ausnutzung der vorhandenen Infrastruktur. Denn die Schweiz verfügt bereits über ein sehr gutes, langfristig optimierbares Verkehrssystem. Des Weiteren ist es unerlässlich, dass dem Aspekt der Nachhaltigkeit in der Planung und im Umgang mit den bevorstehenden Herausforderungen ein hoher Stellenwert zugewiesen wird. Nur so kann das grosse zukünftige Volumen an Projektgeschäften sinnvoll und in Einklang mit umwelt- und energiepolitischen Zielen bewältigt werden.

Optimale Rahmenbedingungen schaffen
Im Rahmen der laufenden und anstehenden politischen Diskussionen sind gewisse Risiken für die Zielerreichung zu berücksichtigen. So empfiehlt es sich zum Beispiel die Festlegung und Priorisierung von Ausbauvorhaben sowohl der Strasse wie auch der Schiene streng nach wissenschaftlich-sachlichen Kriterien zu verfolgen und regionalpolitischen Aspekten indessen kein Gewicht zukommen zu lassen. Dringender Handlungsbedarf besteht auch bezüglich der Bewilligungsverfahren für grosse Infrastrukturvorhaben in der Schweiz, in dem diese gekürzt und gestrafft werden. Bei der Finanzierung der Verkehrsinfrastrukturprojekte ist die Stärkung des Verursacherprinzips ein zentraler Ansatzpunkt. Höhere Tarife im öffentlichen Verkehr und Mobility Pricing-Ansätze im Strassenverkehr dürfen hinsichtlich der künftigen Herausforderungen keine Tabus mehr sein. Bei der Infrastrukturerrichtung empfiehlt sich, die Beteiligung Privater zu fördern (Public Private Partnership). Optimierte Rahmenbedingungen unterstützen die künftige Entwicklung der Schweizer Verkehrsinfrastruktur nachhaltig.


Stärkung der Aus- und Weiterbildung
In der Schweiz herrscht nach wie vor ein grosser Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften in den Bereichen Technik und Ingenieurwissenschaften. Die anstehenden Herausforderungen sind nur zu bewältigen, wenn auch in personeller Hinsicht die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden. Es ist deshalb von zentraler Wichtigkeit, dass die Anstrengungen zur Förderung der Technik- und Ingenieurberufe sowie eine Stärkung der Forschung und Lehre in diesen Bereichen unvermindert fortgeführt und intensiviert werden. Die Ingenieure und Planer spielen bei der Bewältigung der verkehrsplanerischen Herausforderungen eine zentrale Rolle und sind deshalb von Beginn an in die Konzeption und Umsetzung miteinzubeziehen.