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Martin Hitz ist Präsident des Netzwerks Nachhaltiges Bauen Schweiz NNBS; dort vertritt er den Migros Genossenschaftsbund MGB.

Weitere Informationen zum nachhaltigen Bauen auf
www.snbs.ch

Die Digitalisierung des Bauens wird uns ein intelligentes Gebäudemodell bringen, an dem alle Beteiligten über den ganzen Lebenszyklus eines Gebäudes gemeinsam arbeiten können. Was nützt das beim Bau von nachhaltigen Gebäuden, also solchen, die gut sind für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt? Hier einige Gedanken dazu:

1. Einfacher optimieren, besser kommunizieren

Digitale Gebäudemodelle (BIM) sollen die Transparenz für alle am Bau Beteiligten, also auch für den Bauherrn, erhöhen. Sie ermöglichen es schon früh im Projekt, rasch und kostengünstig Varianten zu generieren und zu visualisieren.

So können die Einflüsse von Projektänderungen auf Kosten, Material- oder Energiebedarf unmittelbar sichtbar gemacht werden. Das erleichtert das Optimieren hinsichtlich der Nachhaltigkeit; es verbessert aber auch die Kommunikation zwischen dem Bauherrn und den Planern.

2. Effizienz und Qualität in der Planung

Die Digitalisierung verbessert  die Arbeit in interdisziplinären Planerteams, was dem nachhaltigen Bauen an sich schon nützt. Sie beschleunigt den Planungsprozess, macht ihn effizienter, hilft, Fehler beim Planen und Umsetzen zu vermeiden.

Sie vereinfacht auch die Suche nach material- und ressourcensparenden Gebäudekonzepten. Das spart Rohstoffe, graue Energie und damit auch Baukosten. Zu Ende gedacht, könnte BIM die Erarbeitung von Zertifizierungsunterlagen (beispielsweise für den Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS) weitgehend automatisieren und damit den Aufwand hierfür senken.

3. Die Sicht aufs ganze Leben

Eigentlich müsste die Digitalisierung dazu führen, dass vermehrt auf Basis eines Lebenszyklusansatzes geplant wird, der das ganze Gebäudeleben umfasst. Das bedeutet etwa, flexible Gebäude zu entwickeln, die künftige Nutzungsänderungen ohne übermässigen Aufwand ermöglichen. Solche Gebäude sind generell nachhaltiger und wertbeständiger als solche, die nur für eine einzige Nutzung konzipiert wurden.

Die Digitalisierung erleichtert es auch, die Komponenten der Gebäudetechnik so zu integrieren, dass sie an ihrem Lebensende ohne grössere Eingriffe in die Gebäudesubstanz ersetzt werden können (Systemtrennung). Ist die Gebäudetechnik auch noch vernetzt, kann sie die Mieter bei übermässigem Energieverbrauch informieren oder automatisch den Service bestellen.

Das hilft im Betrieb, Energie und Ressourcen zu sparen, was wiederum die Kosten senkt. Diese Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig. Was sie aber zeigt: Digitalisierung, BIM und das Internet der Dinge können das nachhaltige Bauen durchaus unterstützen. Am ehesten wird das gelingen, wenn auch der Bauherr und die Mieter davon profitieren.