Alle reden vom tiefen Hypothekarzins. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, ein Haus oder eine Eigentumswohnung zu erwerben?

Der Kauf von Wohneigentum ist generell eine lohnende Investition. Wir empfehlen, beim Kauf aber nicht nur auf die Zinssituation zu schielen. Das ganze Paket muss stimmen: Die Lebenssituation, das Budget, das Objekt, die Lage und der Preis. Tatsächlich würde die Finanzierung des Wohntraums bei höheren Zinsen erschwert. Gleichzeitig dürften jedoch bei steigenden Zinsen auch die Immobilienpreise wieder erschwinglicher werden, weil auch wieder günstigere Objekte auf den Markt kommen.

Worauf ist beim Abschluss einer Hypothek besonders zu achten?

Wichtig ist ein vertrauenswürdiges Kreditinstitut mit guten Konditionen. Dann ist das für das eigene Risikoprofil geeignete Hypothekarmodell zu wählen. Es gibt Festhypotheken mit unterschiedlich langen Laufzeiten. Deutlich günstiger, aber auch riskanter sind die Liborhypotheken. Weniger bekannt ist, dass es auch Kombinationen aus diesen beiden Modellen gibt, womit man von den Vorteilen beider Finanzierungsformen profitieren kann. Schliesslich ist eine kluge Aufteilung in Erst- und Zweit­hypothek sowie das Kleingedruckte zur Amortisation und zu den Austrittsklauseln wichtig.

Bei den Zinsen gibt es deutliche Unterschiede. Wie kann man die verschiedenen Angebote vergleichen?

Eine 10-jährige Festhypothek war Ende September 2014 für weit unter 2 Prozent zu haben, eine 5-jährige Festhypothek für unter 1,4 Prozent. Dies sind Durchschnittswerte. Es gibt je nach den Sicherheiten, die man einbringen kann, auch günstigere Angebote. Die Wahl des günstigsten Anbieters erleichtern die verschiedenen Vergleichsdienste oder sogenannte Hypotheken-Dienstleister. Das zinsgünstigste Angebot nicht immer auch das beste Angebot.

Lange Zeit galt die Pensionskasse als beliebte Möglichkeit, fehlendes Eigenkapital zu ergänzen. Ist das sinnvoll, oder fehlt die Summe später beim Rentenbezug?

Die Investition in selbstgenutztes Wohneigentum erachte ich als sinnvolle Altersvorsorge.
Dabei spielen die Vorbezugsmöglichkeit eine wichtige Rolle. Umgekehrt liegt es jedoch auch in der Verantwortung jedes Einzelnen, die Risiken eines Vorbezugs abzuschätzen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Risiken zu verringern: Verpfändung statt dem Vorbezug von Pensionskassengeld; oder durch eine alternative Todesfall- und Invaliditätsversicherung sowie drittens natürlich der steten Rückzahlung und damit erneuten Äufnung des Geldes in der Pensionskasse.

Hat der künftige Haus­eigentümer die Möglichkeit, zusätzlich Steuern zu sparen?

Sie sprechen da die Abzugsmöglichkeiten in der Steuererklärung an. Hier muss man sich keine Illusionen machen. Durch die Eigenmietwertbesteuerung, die Vermögenssteuer, in der Hälfte der Kantone die Liegenschaftssteuer und später bei der Veräusserung die Handänderungs- und Grundstückgewinnsteuer oder beim Todesfall teilweise auch die Erbschaftssteuer werden solche Abzüge leider mehr als wieder wettgemacht.

Der Erwerb von Stockwerkeigentum ist in urbanen Regionen besonders beliebt. Welche Rechte und Pflichten bestehen da für die verschiedenen Eigentümer?

Das Prinzip des Stockwerkeigentums ist einfach: In der eigenen Wohnung ist man sein eigener Herr und Meister. Bei allen das Gebäude betreffenden Fragen ist man eingebunden in eine Eigentümergemeinschaft und entscheidet gemeinsam mit den anderen Eigentümern. Ein gutes Reglement hilft dabei, Streitigkeiten zu vermeiden. Es regelt detailliert die Rechte und Pflichten jedes Einzelnen. Viel hängt auch von der Wahl eines guten Verwalters ab. Wie immer: informieren!